Gefahren für Verbraucher Aldi, Lidl, Edeka und Rewe nutzen ihre Marktmacht aus

Das Kartellamt warnt vor der Macht der Lebensmittelkonzerne. Die Konzentration der Ketten Aldi, Lidl, Edeka und Rewe sei besorgniserregend. Behördenchef Mundt sieht auch Gefahren für die Verbraucher.
Rewe und Aldi in Düsseldorf: Konzentration zulasten kleinerer Händler

Rewe und Aldi in Düsseldorf: Konzentration zulasten kleinerer Händler

Foto: Horst Ossinger/ picture alliance / dpa

Bonn - Die großen Lebensmittelhandelskonzerne verdrängen laut einer Untersuchung des Bundeskartellamts immer stärker ihre Wettbewerber. Allein Marktführer wie Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe mit den Lidl-Märkten und Kaufland stünden für rund 85 Prozent des Marktes, sagt Amtschef Andreas Mundt.

Die Konzentration sei inzwischen "besorgniserregend", betont Mundt. Er warnte die großen Lebensmitteleinzelhändler vor einem Ausbau ihrer Marktmacht. Fusionen unter Beteiligung der großen vier Ketten würden künftig "vertieft" geprüft, kündigte er an.

Der Behördenchef stellte eine Studie zur Macht der großen Ketten am Lebensmittelmarkt vor. Dafür wurden rund 200 Lebensmittelhersteller und 21 Handelsunternehmen befragt. Untersucht wurden Preise und Rabatte für 250 repräsentativ ausgewählte Artikel sowie der Marktanteil der Ketten für Teilmärkte wie Milch und Butter, Kaffee und Tiefkühlpizza.

Durch die Konzentration am Lebensmittelmarkt können die großen Ketten erhebliche Rabatte bei den Herstellern durchsetzen, sagte Mundt. Dies nütze aber nur auf den ersten Blick dem Verbraucher. Die Rabatte könnten zu Qualitätseinbußen und einem Verdrängungseffekt bei den Herstellern führen. Den großen Händlern stehen in Deutschland etwa 6000 Lebensmittelhersteller gegenüber.

Edeka ist führender Anbieter

Anders als häufig behauptet, kaufen die Handelskonzerne ganz überwiegend ihre Produkte im Inland ein: Für den Einkauf hätten die großen Einzelhändler "bereits jetzt einen gravierenden Vorsprung gegenüber ihren mittelständischen Konkurrenten und genießen strukturelle Vorteile, die sie in den Verhandlungen mit den Herstellern nutzen können", erklärte Mundt. Dieser Verhandlungsmacht könnten selbst Hersteller bekannter Marken ausgesetzt sein, soweit es ihnen an alternativen Abnehmern für ihre Produkte fehle.

Der bei Weitem führende Anbieter in Deutschland ist Edeka: gemessen etwa an Umsatz, Verkaufsfläche und Standortzahl. Der Konzern habe im Verhältnis zu seinen jeweiligen nächsten Wettbewerbern eine etwa doppelt so hohe Gesamtverkaufsfläche sowie eine doppelt so hohe Standortdichte.

Bei den Eigenmarken habe zwar Aldi eine herausragende Stellung, sagte Mundt. Allerdings ziehe Edeka in den untersuchten Bereichen selbst bei den Eigenmarken inzwischen den größten Anteil am Gesamtbeschaffungsvolumen auf sich.

Die Studie zeige, "dass wir einer weiteren Verschlechterung der Wettbewerbsverhältnisse konsequent entgegenwirken müssen", sagte Mundt. Es bestehe die Gefahr, dass sich die ohnehin bereits hochkonzentrierte Marktstruktur weiter zulasten der Kleineren entwickele.

Edeka kritisierte die Studie des Kartellamts. Der Konzern teilte mit, die Untersuchung bilde die Realität in der Branche nicht ab. Der Händler bemängelte, die Zahl der 250 repräsentativ ausgewählten Artikel sei zu gering - angesichts der rund 50.000 Artikel im Lebensmitteleinzelhandel. Deshalb führten die Ergebnisse in die Irre. Außerdem habe die Behörde nur die Beschaffungsmärkte in den Blick genommen, also den Umgang der Händler mit ihren Lieferanten. Gleichzeitig befänden sich die Ketten aber untereinander im scharfen Wettbewerb. Dies sei nicht ausreichend gewürdigt worden.

mmq/Reuters/dpa/AFP
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