»Discounter in 1a-Lagen« Aldi und Lidl drängen in die Innenstädte

Lange Zeit waren die Innenstädte für Aldi und Lidl tabu. Denn die Mieten waren dort zu hoch. Doch das hat sich in der Coronakrise geändert. Und der Wachstumsdruck auf die Discounter ist in der Krise gestiegen.
Eine Aldi-Filiale in der Düsseldorfer Innenstadt

Eine Aldi-Filiale in der Düsseldorfer Innenstadt

Foto: Marcel Kusch / dpa

Das Bild der deutschen Innenstädte verändert sich. Immer mehr Modegeschäfte müssen wegen der Onlinekonkurrenz und der Auswirkungen der Coronakrise aufgeben. Stattdessen drängen jetzt ganz andere Läden in die Einkaufsstraßen: Aldi und Lidl. »Wo immer es vom Mietpreisniveau her klappt, versuchen die Discounter in die absoluten 1a-Lagen zu kommen«, sagte Dirk Wichner, Leiter der Einzelhandelsvermietung Deutschland beim internationalen Maklerkonzern JLL. Es finde ein knallharter Wettbewerb um die besten Standorte statt.

Lange Zeit waren die Einkaufsstraßen für die Discounter praktisch tabu, weil die Mieten dort zu hoch waren. »Das hat sich grundlegend geändert, seitdem immer mehr Textilhändler aufgeben müssen«, betonte Wichner.

Stuttgart Königsstraße, München Isartor

Die Discounter machen aus ihren Plänen auch gar keinen Hehl. Aldi Nord realisiere »mehr und mehr Märkte auch in direkten Innenstadtlagen, Shoppingcentern und Fußgängerzonen an zentralen städtischen Knotenpunkten«, berichtete ein Unternehmenssprecher. Aldi Süd betonte, das Unternehmen sei bereit, »Lücken in den Innenstädten zu schließen«. Allein in Zusammenarbeit mit Galeria Karstadt Kaufhof habe der Discounter bereits sieben innenstädtische Filialen verwirklicht. In Düsseldorf hat der Discounter außerdem mittlerweile gleich zwei Läden in der Fußgängerzone und in Stuttgart ist er wohl bald auf der Königsstraße zu finden.

Und auch Erzrivale Lidl lässt an seinem Interesse an den Citys keinen Zweifel, etwa mit Läden am Carlsplatz in Düsseldorf oder am Isartor in München. »Wir beschäftigen uns intensiv mit Highstreet-Lagen an Knotenpunkten mit ÖPNV-Anbindung«, sagte Lidl-Immobilienmanager Marek Franz der »Lebensmittel Zeitung«.

Zielgruppe Pendler

Zielgruppe der neuen City-Läden sind neben den Anwohnern auch Pendler, die auf dem Heimweg schnell ihren täglichen Einkauf erledigen wollen. Die hohen Passantenfrequenzen machten die Geschäfte in den Innenstädten attraktiv, berichtete Wichner. »Es findet ein knallharter Wettbewerb um die besten Standorte zwischen den Discountern statt. Da wird mit harten Bandagen gekämpft.«

Was nicht zwangsläufig heißt, dass der Erfolg garantiert ist. »Das ist nicht unbedingt ein Selbstläufer«, warnte etwa der Handelsexperte Marco Atzberger vom Kölner Handelsforschungsinstitut EHI. »Die klassischen Läden haben nicht ohne Grund große Parkplätze vor der Tür. Die Kunden sollen einen möglichst großen Einkauf tätigen und ihn dann bequem nach Hause transportieren.« Das sei in einer Fußgängerzone nicht möglich und werde Auswirkungen auf die Größe des Einkaufs haben. »Das sind Experimente«, meinte Atzberger mit Blick auf die City-Läden.

Discounter haben in der Coronakrise gegen Supermärkte verloren

Dass die Discounter bereit sind, das »Experiment Fußgängerzone« trotz der damit verbundenen Risiken zu wagen, liegt nicht nur an den gesunkenen Mieten in den Innenstädten. Die Stadtzentren sind für die Discounter auch die letzten weißen Flecken auf ihrer Deutschland-Karte. Und der Druck auf die Discounter ist groß, sich neue Wachstumsmöglichkeiten zu erschließen.

Denn die Coronakrise bescherte zwar alle Lebensmittelhändlern erhebliche Umsatzzuwächse. Doch schlugen sich die großen Supermarktketten deutlich besser als die Billigkonkurrenz. Edeka, Rewe und Co. kamen nach den Daten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in den ersten neun Monaten dieses Jahres auf ein Umsatzplus von 16,5 Prozent, während sich Aldi, Lidl und Co. mit einem Wachstum von »nur« 9,2 Prozent zufriedengeben mussten.

Und auch andere Händler sind dabei, den Schritt in die bislang vom Modehandel dominierten Innenstädte zu wagen. Immobilienexperte Atzberger berichtete: »Nicht nur die Discounter liebäugeln mit neuen Standorten in den 1a-Lagen der Innenstädte. Auch Baumärkte und Möbelhändler wie Ikea experimentieren damit.«

caw/dpa
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