Alexander Dibelius Goldman-Chef kürt Deutschland zum Euro-Retter

Einer der einflussreichsten Banker des Landes redet Klartext: Alexander Dibelius, Deutschland-Chef von Goldman Sachs, verlangt eine Umschuldung von Griechenland. Deutschland als größtem Euro-Profiteur wies der Finanzexperte eine große Verantwortung bei der Rettung der Währung zu.
Alexander Dibelius: Ein Mann, der fast überall mitmischt

Alexander Dibelius: Ein Mann, der fast überall mitmischt

Foto: DDP

Berlin - Offiziell ist eine Umschuldung Griechenlands in Europas Hauptstädten kein Thema. Aber hinter den Kulissen wird seit längerem an Plänen gebastelt, wie das Land von seiner immensen Kreditlast befreit werden kann. Hintergrund: Trotz einer radikalen Haushaltssanierung könnte die griechische Schuldenquote bis 2013 auf 160 bis 170 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen.

Goldman Sachs

Nun hat sich der Deutschland-Chef der US-Großbank eindringlich für eine Umschuldung des Staates ausgesprochen. "Zu einer Insolvenz Griechenlands darf es nicht kommen. Deshalb wird es eine Umschuldung oder eine Sanierung der griechischen Schuldenlast geben müssen. Daran wird wahrscheinlich kein Weg vorbei führen", sagte Alexander Dibelius der "Bild"-Zeitung.

Das Land erwirtschafte zwar nur zwei Prozent der europäischen Wirtschaftsleistung, trotzdem sei Griechenland zum Symbol für die Euro-Krise geworden. "Es darf nicht dazu führen, dass ein großes Währungssystem scheitert", sagte Dibelius, der für Goldman Sachs auch die Märkte Österreich, Russland, Zentral- und Osteuropa leitet.

Der Investmentbanker schreibt Deutschland eine große Verantwortung bei der Rettung von Griechenland zu. "Wir dürfen nicht vergessen, dass Deutschland vom Euro bis heute immer noch weit mehr profitiert als das, was die Euro-Krise kostet. Die Vorteile sind so gewaltig, dass Deutschland heute so stark dasteht, dass es sich eine Umschuldung Griechenlands theoretisch fast allein leisten könnte." Das wolle natürlich niemand und dazu werde es auch nicht kommen. Für ein gemeinsames Rettungskonzept fordert Dibelius eine "Mischung aus Hilfen, Disziplin und Druck", damit Griechenland auf den "Pfad der Tugend" zurückfinde.

"Deutschland hat alles richtig gemacht"

Kritisch sieht Dibelius die zahlreichen Stabilisierungsvorschläge aus der Politik für den Euro. "Es gibt in den Euro-Ländern und in Brüssel zu viele unterschiedliche Konzepte zur Rettung des Euro. Die Diskussionen und immer neuen Nachrichten verunsichern Kapitalmärkte sowie Investoren und sorgen für Unsicherheit. Das trägt nicht zur Stabilität des Euro bei", so der Manager. Die Aussagen von Dibelius sind pikant, da die US-Investmentbank den Griechen bei der Euro-Einführung geholfen hat, die wahre Schuldenlast zu verschleiern und so den Zugang zur Währungsunion mit ermöglicht hat.

Die deutsche Wirtschaft warnte Dibelius vor zu großer Euphorie über den Aufschwung. "Deutschland hat alles richtig gemacht, ist hervorragend durch die Krise gekommen und steht heute so stark da wie schon lange nicht mehr. Ich warne aber vor zu viel Euphorie. Die größte Gefahr für Deutschland ist, dass wir uns selbstzufrieden zurücklehnen."

Deutschland stehe im Wettbewerb mit extrem starken Ländern wie China, Indien und Brasilien. Deshalb dürfe das Land nicht nachlassen, sich ständig zu fragen: "Wie bleibt die deutsche Wirtschaft weiter stark und was ist zu tun, um weiter besser als die anderen zu sein?"

Die Folgen der Schuldenkrise beschäftigen die EU-Staats- und Regierungschefs auch auf dem Gipfel am Freitag. Bundeskanzlerin Merkel wird bei dem Treffen ihren Wettbewerbspakt für die Euro-Staaten präsentieren. Während Frankreich und Spanien Zustimmung signalisierten, zeichnet sich ein Streit mit EU-Kommissionschef Barroso ab.

Die Kommission stemmt sich gegen den Versuch der Kanzlerin, eine Euro-Wirtschaftsregierung außerhalb der EU-Institutionen zu schaffen. Neben dem Euro verhandeln die 27 Staats- und Regierungschefs auch über den Aufbau eines EU-Energiebinnenmarktes ohne nationale Abschottungen. Zudem suchen sie nach einer gemeinsamen Antwort auf die dramatischen Ereignisse in Ägypten. Bislang schreckt Europa davor zurück, Staatschef Mubarak zum Rücktritt zu drängen.

böl/AFP/dpa-AFX
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