Bilanzierungspraxis Amazon-Rivale Alibaba gerät ins Visier der US-Börsenaufsicht

Die Bilanzierung des chinesischen Internethändlers Alibaba wirft Fragen auf. Die US-Börsenaufsicht ermittelt - etwa wegen der Beteiligung Cainiao, dessen Partner auch der Logistiker Hermes ist.

Alibaba-Gründer und Chairman Jack Ma
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Alibaba-Gründer und Chairman Jack Ma


Der chinesische Online-Händler Alibaba hat wegen seiner Bilanzierungspraxis das Interesse der US-Börsenaufsicht SEC auf sich gezogen. Wegen möglicher Verstöße gegen US-Vorschriften habe die SEC Ermittlungen gegen Alibaba aufgenommen, räumte der an der New Yorker Börse notierte Amazon-Konkurrent in seinem Jahresbericht ein. Betroffen ist unter anderem das Logistik-Joint-Venture Cainiao, deren Partner eine Tochterfirma des deutschen Logistikkonzern Hermes, BorderGuru, ist.

Schon vor dem Börsengang Alibabas 2014, dem bislang größten an der Wall Street mit rund 25 Milliarden Dollar bei Anlegern eingesammeltem Kapital, hatten Experten vor den eigenartigen Buchhaltungsmethoden und undurchsichtigen Strukturen des Firmenimperiums von Alibaba-Gründer Jack Ma gewarnt. Zu dem Konzern gehören riesige Internethandelsplätze wie Taobao, Tmall oder Juhuasuan.

Die SEC untersucht nach Angaben Alibabas unter anderem, wie Cainiao in den Ergebnissen des Unternehmens konsolidiert wird. Alibaba hält 47 Prozent an Cainiao. Dadurch hält der Konzern laut"Wall Street Journal" einen Teil seiner Logistikkosten aus den eigenen Büchern, doch es seien Fragen aufgekommen, ob die Joint-Venture-Firma faktisch von Alibaba kontrolliert werde. Genauso untersucht die Börsenaufsicht laut den Informationen im Jahresbericht, wie Alibaba generell Transaktionen mit Drittparteien behandelt sowie die veröffentlichten Ergebnisse zum wichtigsten Handelstag - dem Rabattschlager Singles Day, an dem chinesische Online-Händler traditionell enorme Umsätze vermelden und Alibaba Ende November innerhalb eines einzigen Tages mehr als 6,4 Milliarden Euro Umsatz einfuhr.

Alibaba-Chef Jack Ma war bereits früher für die Corporate Governance seines Unternehmens kritisiert worden. Alibaba kündigte an, mit den Behörden zu kooperieren. Das Unternehmen habe wie von den Ermittlern verlangt Informationen herausgegeben. Alibaba betonte, dass es bislang keine Vorwürfe wegen Fehlverhaltens gebe. Es sei derzeit noch nicht abzusehen, wie lange die Untersuchungen dauerten.

kig/dpa



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hagen winglmeyr 26.05.2016
1. Wenn die USA
einen Mitbewerber mit besseren Produkten nicht übertreffen können, wird er schwupps mit Hilfe der NSA Dateien ein wenig verklagt und schon hat man die Konkurrenz ein wenig geschröpft und das Staatssäckel ohne Arbeit wider nachgefüllt.
Theodoro911 26.05.2016
2. Das hat doch ein Geschmäckle
Gaaanz unauffällig wird ein US-Vorzeigeunternehmen protegiert. Alles subtil legal. Die Gefahren die die US-Rechts-Industrie für Gesellschaft und Demokraten birgt werden nirgends artikuliert. Dagegen sind die Superreichen harmlos, die können nur "Essen,Trinken und Wollen" Das Wollen wird dann gegen gutes Geld von der Rechts-Industrie umgesetzt. Ganz legal natürlich.
ambulans 26.05.2016
3. also,
schauen wir uns doch einmal an, wie der globale apfel bilanziert: wo fallen >wirklich seine erträge an, wo seine wahren kosten - und wo, bittschön, zahlt er dann auch noch "angemessene" gewinn-steuern?
ambulans 26.05.2016
4. also,
schauen wir uns doch einmal an, wie der globale apfel bilanziert: wo fallen >wirklich seine erträge an, wo seine wahren kosten - und wo, bittschön, zahlt er dann auch noch "angemessene" gewinn-steuern?
NewYork76 26.05.2016
5. Und schon sind sie wieder da...
Zitat von Theodoro911Gaaanz unauffällig wird ein US-Vorzeigeunternehmen protegiert. Alles subtil legal. Die Gefahren die die US-Rechts-Industrie für Gesellschaft und Demokraten birgt werden nirgends artikuliert. Dagegen sind die Superreichen harmlos, die können nur "Essen,Trinken und Wollen" Das Wollen wird dann gegen gutes Geld von der Rechts-Industrie umgesetzt. Ganz legal natürlich.
Und schon sind die Verschwoerungstheorien wieder da. Genauso unsinnig und unfundiert wie beim VW Abgas-Skandal. Sehen Sie Sich doch bitte einmal an wie die US Boersenaufsicht mit US Unternehmen umspringt. Da wird kein unterschied gemacht. Und wer zudem schon mal ein wenig Einsicht in die Unternehmensphilosophien einiger grosser chinesischer Unternehmen bekommen hat, der ist ueber die vermutete "kreative Buchfuehrung" ganz sicher nicht ueberrascht. @ambulans: Sie schreiben hier von einem ganz anderen Thema. Es geht nicht um legale "Steuer-Optimierung" sondern um illegale, falsche Buchfuehrung. Und da waere mir jetzt bei Apple nichts bekannt.
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