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Fotostrecke: Chinas Web-Riese Alibaba

Foto: Vincent Yu/ AP

Chinesischer Web-Gigant Der Mann hinter der Legende von Alibaba

Als der Chinese Jack Ma 1995 die USA besuchte, wusste er nicht, was das Internet ist. Heute ist der Chef des Web-Giganten Alibaba ein Multimilliardär und einer der reichsten Männer seines Heimatlands. Nun kommt er an die Wall Street - und Anteilseigner Yahoo profitiert.

Jack Mas Internetkarriere begann als Krimi. 1995 reiste der damals 29-jährige Dolmetscher nach Kalifornien, um für eine chinesische Firma Schulden eines US-Vertragspartners einzutreiben. Doch statt zu zahlen, zückte der Amerikaner eine Waffe und hielt Ma in seiner Villa in Malibu gefangen.

Ma redete sich heraus, indem er seinem Geiselnehmer versprach, mit ihm in China eine Internetfirma zu gründen. Obwohl er kaum Ahnung davon hatte, was man mit einem Computer anstellen kann. Vom World Wide Web hatte er sowieso keine Ahnung.

Er floh nach Seattle, wo ihm Freunde "dieses Internet-Ding" zeigten. Die ersten Begriffe, die Ma in eine erst ein Jahr zuvor gegründete Suchmaschine namens Yahoo eintippte: "Bier" und "China".

Die Kombination ergab keine Treffer - und Ma dämmerte es, dass das Internet in China enorme Geschäftsmöglichkeiten bieten könnte.

Nicht mal zwei Jahrzehnte später ist Ma einer der reichsten Männer Chinas, mit einem Privatvermögen von 10 bis 11,4 Milliarden Dollar, je nachdem, wen man fragt. In seinem Heimatland gilt er längst als Kultfigur, als Symbol für freies Unternehmertum, wenn nicht für das Internet selbst.

In den USA dagegen ist der heute 49-Jährige bisher kaum bekannt. Doch das dürfte sich bald ändern.

Alibaba-Gründer Ma (im Mai 2013): Vom Lehrer zum Multimilliardär.

Alibaba-Gründer Ma (im Mai 2013): Vom Lehrer zum Multimilliardär.

Foto: REUTERS/China Daily

Im April will Ma sein Online-Kaufhaus Alibaba in New York an die Börse bringen. Das Aktiendebüt könnte nicht nur das größte seit dem Facebook-Börsengang werden. Sondern Alibaba auch über Nacht zum zweitgrößten Internetkonzern der Welt machen, nach Google - und vor Facebook, Amazon und Twitter.

Ein Silicon-Valley-Unternehmen erhofft sich von der Alibaba-Premiere zudem Anschub aus dem eigenen Stillstand: Yahoo. 2005 war der Konzern bei Alibaba eingestiegen und hält dort inzwischen 24 Prozent. Der Börsengang wird Yahoo eine zweistellige Milliardensumme bescheren.

Wie es dazu kam, ist eine von vielen kuriosen Etappen im Werdegang des Ex-Englischlehrers, den die Medien wegen seiner unscheinbaren Erscheinung gerne als "elfenhaft" beschreiben. Die "Financial Times" ("FT") kürte Ma zur "Person des Jahres", und "Forbes" setzte ihn als ersten Festlandchinesen auf die Titelseite. Auf der "Forbes"-Milliardärsliste rangiert Ma zurzeit zehn Plätze vor Google-Chef Eric Schmidt.

Seine Weisheiten ("Wir sind zum Leben geboren") sind ebenso Legende wie seine bizarren Auftritte. So beschrieb die "FT" eine Hauptversammlung in einem Stadion der Provinzhauptstadt Hangzhou: Ma sei auf der Bühne erschienen, "ganz in Leder und mit einem gigantischen, gezackten Irokesenschnitt, schwarzem Lippenstift und Nasenring".

Alibaba-Zentrale in Hangzhou: Verrückte Idee mit globalen Folgen

Alibaba-Zentrale in Hangzhou: Verrückte Idee mit globalen Folgen

Foto: STEVEN SHI/ REUTERS

Schon als Kind übte Ma Englisch, indem er dem US-Auslandssender Voice of America lauschte und sich Touristen als Reiseführer andiente. Später arbeitete er als Dolmetscher - was ihn zur besagten US-Odyssee Mitte der neunziger Jahre führte.

Zurück in Hangzhou, gründete Ma damals Chinas erste kommerzielle Website - das Branchenverzeichnis "China Pages". Das Projekt war ein Flop, auch wegen der damals quälend langsamen Internetverbindung: "Wir warteten dreieinhalb Stunden und sahen eine halbe Seite", sagte Ma der "New York Times". "Aber ich war so stolz. Ich hatte bewiesen, dass das Internet existiert."

Seine nächste Idee war erfolgreicher. Mit 60.000 Dollar, gesammelt bei 18 Freunden, schuf er 1999 Alibaba, eine E-Commerce-Website für Privatunternehmen. Den Namen hatte er von dem armen Holzfäller aus "Tausendundeine Nacht", der einen Schatz findet - hinter einem Tor, das auf die Worte "Sesam öffne dich" hört.

Ma sah Alibaba "als das magische Tor, das sich für Millionen arme Holzfäller öffnen könnte", schreibt China-Expertin Helen Wang in ihrem Buch "The Chinese Dream" über die chinesische Mittelklasse.

In der Tat ist Alibaba heute ein Großkonzern mit 25.000 Angestellten, der weltweit mehr Waren befördert als Ebay und Amazon zusammen und darüber hinaus auch noch Kreditdienstleistungen anbietet. Wall-Street-Firmen stehen Schlange, um in Alibaba zu investieren und jetzt am lukrativen Börsengang teilzuhaben.

Ein Unternehmen hat das schon geschafft. 1998 hatte Ma als Reiseführer einem US-Touristen die chinesische Mauer gezeigt - Jerry Yang, Yahoos Mitbegründer. Sieben Jahre später wurde Yahoo zu einem der zwei Hauptanteilseigner bei Alibaba, neben dem japanischen Konzern Softbank, der 37 Prozent hält.

Im Fall eines Alibaba-Börsengangs ist Yahoo dazu verpflichtet, 40 Prozent seiner Anteile abzustoßen - gewinnt also mehr als 15 Milliarden Dollar. Zugleich bliebe es am Börsenhit des Jahres weiter beteiligt, was seinen Marktwert um rund die Hälfte oder 20 Milliarden Dollar erhöhen könnte - gute Nachrichten für Yahoos entzauberte Chefin Marissa Mayer.

Ma selbst will sich nach dem Börsendeal als Vorstandsvorsitzender zurückziehen und lieber um andere Dinge kümmern. Etwa "Kultur und Bildung", wie er der "FT" sagte: "Wenn wir das versäumen, werden Chinas junge Menschen mit tiefen Brieftaschen, aber flachen Geistern aufwachsen."

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