Rabattschlacht in China Alibaba muss langsamste Wachstumsrate aller Zeiten hinnehmen

Beim Singles-Day, Chinas alljährlichem Einkaufsrausch, gingen beim Onlinehändler Alibaba wieder Waren für zig Milliarden Euro an die Kunden. Doch der Zuwachs lässt enorm nach.
Zusteller sortieren Pakete während des Singles Day in Peking

Zusteller sortieren Pakete während des Singles Day in Peking

Foto: TINGSHU WANG / REUTERS

Die weltgrößte Rabattschlacht in China hat großen Onlinehändlern wie Alibaba und JD.com in diesem Jahr erneut Verkaufsrekorde gebracht, doch die Umsätze legen weit weniger zu als in Vorjahren. Vor allem der chinesische E-Commerce-Magnat Alibaba musste zurückstecken. Während der elftägigen Aktion bis zum 11.11. erreichte der Konzern ein Umsatzplus von 8,45 Prozent auf umgerechnet 73 Milliarden Euro. Das ist die geringste Wachstumsrate aller Zeiten für das Unternehmen, das bei dem sogenannten Singles Day vergangenes Jahr noch einen Zuwachs von 26 Prozent schaffte.

Eine striktere Regulierung und der Gegenwind durch Probleme in den Lieferketten machen Chinas Techunternehmen Probleme. Auch insgesamt verlangsamt sich der Gesamtkonsum in China. Zugleich wurde weniger Werbewirbel rund um das Event gemacht und mehr Nachhaltigkeit betont.

Der Internetanbieter JD.com berichtete bei dem Shoppingevent von einem Zuwachs von 28,6 Prozent auf umgerechnet 47 Milliarden Euro Umsatz im Vergleich zum Vorjahr.

Alibaba hatte das jährliche Einkaufsfestival 2009 mit Sonderangeboten und kräftigen Rabatten begonnen. Konkurrenten folgten dem Beispiel. Ursprünglich galt der Singles Day am 11. November unter Chinas Studenten als eine Art Anti-Valentinstag für Alleinstehende, weil das Datum nur aus Einsen besteht. Wegen des großen Erfolgs wurde die Rabattschlacht schließlich auf elf Tage ausgedehnt.

Seit Alibaba das Fest ins Leben gerufen hat, sind die Umsätze jedes Jahr zweistellig gewachsen und haben es zum weltweit größten Online-Verkaufsfest gemacht, das die ähnliche Rabattschlacht Cyber Monday in den Vereinigten Staaten in den Schatten stellt.

Nach Milliardenstrafe werden sozialere Töne angeschlagen

Das Einkaufsfestival ist zu einem viel beachteten Gradmesser für die Konsumentenstimmung in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt geworden. In diesem Jahr hat Alibaba in den letzten Stunden des Events am Donnerstag seine Verkaufszahlen heruntergespielt und seine sozialen Initiativen hervorgehoben, wodurch sich der Tonfall der Veranstaltung geändert hat. So verzichtete das Unternehmen auf eine fortlaufende Auflistung der Transaktionen, die in den vergangenen Jahren im Mittelpunkt stand. Stattdessen verwies die Firma auf eine Spendenaktion für ein Elefantenreservat im ländlichen Südwesten Chinas.

Der E-Commerce-Gigant hat den Marketing-Rummel wohl auch mit Blick auf die anhaltenden regulatorischen Verschärfung durch die chinesischen Behörden abgeschwächt. Der E-Commerce-Riese wurde im April wegen monopolistischen Verhaltens mit einer milliardenhohen Rekordstrafe belegt, und sein Gründer Jack Ma, Chinas bekanntester Unternehmer, hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, nachdem er vor einem Jahr die chinesischen Regulierungsbehörden kritisiert hatte.

Während Alibaba in früheren Jahren Verbrauchern Waschmaschinen, Smartphones und Make-up anpries, stellte die Firma nun auch ein Programm vor, das Menschen mit Behinderungen beim Kauf von Kleidung unterstützt, und die Bemühungen um die Verwendung umweltfreundlicher Verpackungen. Dennoch dürfte sich das Geschäft beim Shoppingevent für die Unternehmen gelohnt haben: Alibaba teilte mit, dass fast 400 Marken, darunter Apple und L'Oreal, bis Donnerstagmittag jeweils mehr als 13 Millionen Euro Umsatz erreicht haben.

kig/Reuters/dpa-AFX