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Krisen-Airline Rettung von Alitalia ist gescheitert

Noch läuft der Flugbetrieb der Alitalia. Doch nachdem die Mitarbeiter einen Sanierungsplan ablehnten, steht das Unternehmen nun vor der Pleite.
Alitalia-Flugbegleiterinnen bei Streik (März 2017)

Alitalia-Flugbegleiterinnen bei Streik (März 2017)

Foto: ALBERTO PIZZOLI/ AFP

Die italienische Fluggesellschaft Alitalia wird aller Voraussicht nach noch in dieser Woche Insolvenz anmelden. Am Dienstagmorgen war bekannt geworden, dass die Mitarbeiter mit großer Mehrheit gegen einen mit Gewerkschaften und Regierung ausgehandelten Rettungsplan des Managements gestimmt hatten. Der Verwaltungsrat teilte am Nachmittag mit, er werde die "nötigen gesetzlichen Schritte einleiten". Die Anteilseigner wurden zu einer Hauptversammlung am Donnerstag einberufen. Der Flugbetrieb gehe derzeit uneingeschränkt weiter, teilte Alitalia mit.

Beobachter erwarten, dass die ehemalige Staatsairline die Regierung um die Ernennung eines Bevollmächtigten bitten wird. Dieser könnte dann ausloten, ob die Fluggesellschaft wie so oft in der Vergangenheit saniert oder diesmal doch abgewickelt werden soll. Italiens Regierungschef Paolo Gentiloni hatte die 12.500 Mitarbeiter vor der Abstimmung gewarnt, falls der Plan scheitere, könne Alitalia nicht überleben.

Bei dem nun abgelehnten Sanierungsplan handelte es sich um eine abgemilderte Variante des ursprünglichen Rettungskonzepts des Managements von Mitte März. Der Kompromiss, den auch die Gewerkschaften unterstützt hatten, sah vor, dass die Gehälter des Flugpersonals nicht um durchschnittlich 30, sondern um acht Prozent gekürzt werden sollten. Statt 1400 sollten noch 980 der 12.500 Beschäftigten entlassen werden.

Mit dem ursprünglichen, drastischen Sparprogramm wollte das Management die Fluglinie binnen zwei Jahren wieder in die Gewinnzone bringen. Die Gewerkschaften riefen mehrfach zu Streiks auf und erreichten so die deutliche Abmilderung.

Mindestens 500.000 Euro Verlust - am Tag

Mit "Bedauern und Bestürzung" habe man den negativen Ausgang des Referendums wahrgenommen, teilten Italiens Wirtschafts-, Arbeits- und Verkehrsministerium in einer gemeinsamen Erklärung mit. Das Ziel der Regierung sei es, die Kosten "für die italienischen Bürger und die Reisenden" zu minimieren.

Alitalia gehört zu 49 Prozent der arabischen Fluggesellschaft Etihad, die auch größter Aktionär von Air Berlin ist. Den Sanierungsplan hatten die Anteilseigner - außer Etihad etwa die Banken Unicredit und Intesa Sanpaolo - zur Bedingung für eine Umschuldung und damit für neue Finanzspritzen gemacht. Die Airline, mit der traditionell auch der Papst aus Rom fliegt, hat eine Flotte von mehr als 120 Maschinen.

Nur selten in der 70-jährigen Geschichte hat Alitalia überhaupt Gewinn gemacht, seit mehr als 20 Jahren steckt die Fluggesellschaft in der Krise. Im Jahr 2015 beliefen sich die Verluste auf fast 200 Millionen Euro, auch derzeit verliert Alitalia jeden Tag mindestens 500.000 Euro. Insidern zufolge droht ihr in wenigen Wochen die Zahlungsunfähigkeit.

Die Fluggesellschaft hat vor allem mit der Konkurrenz durch Billigflieger zu kämpfen, die auf den italienischen Markt gedrängt sind - aber auch Schnellzüge innerhalb Italiens locken potenzielle Kunden weg. Die Übernahme von 49 Prozent der Anteile durch Etihad im Jahr 2014 sollte eigentlich den Neustart bringen. Doch die Beteiligung erwies sich für die Araber bislang als teures Zuschussgeschäft, ähnlich wie ihre Beteiligung an Air Berlin.

fdi/Reuters/dpa