Weltweite Studie "Global Wealth Report 2018" Erstmals seit Finanzkrise sinken die Geldvermögen

Die Welt wird ärmer, zumindest ein bisschen: Laut einer neuen Studie schrumpften die weltweiten Privatvermögen im vergangenen Jahr erstmals seit 2008. Zugleich wachsen die Schulden immer weiter.

Skyline in Dubai: Die weltweite Verschuldung steigt
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Skyline in Dubai: Die weltweite Verschuldung steigt

Von Sebastian Späth


Erstmals seit der Finanzkrise 2008 ist im vergangenen Jahr das weltweite Privatvermögen geschrumpft. Das hat der Versicherungskonzern Allianz in seinem Global Wealth Report 2018 ermittelt. Demnach ging das weltweite Bruttogeldvermögen im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 Prozent auf 172,5 Billionen zurück. Zwar ist das noch kein dramatischer Rückgang, doch es ist das erste Mal überhaupt seit elf Jahren, dass die Vermögen der Privathaushalte nicht stiegen.

Schuld an dem Negativergebnis sind laut der Allianz-Studie die im Jahr 2018 weltweit gesunkenen Börsenkurse. Die Unternehmen litten stark unter dem aufziehenden Handelskrieg zwischen den USA und China, den Streitigkeiten rund um den Brexit und den immer stärker werdenden politischen Spannungen auf dem gesamten Globus. Nichts hassen Investoren so sehr wie Unsicherheit, also verkauften sie viele Aktien.

Ein Blick auf Deutschland zeigt den Trend: 2018 verlor allein der Deutsche Aktienindex (Dax) mehr als 18 Prozent, im Jahr davor hatte er noch um mehr als zwölf Prozent zugelegt. In China waren die Börsen im vergangenen Jahr sogar noch deutlich stärker eingebrochen. Dort sanken die Vermögenswerte der Privathaushalte deshalb besonders stark: Sie gingen 2018 um 3,4 Prozent zurück, wie es in der Studie heißt.

Die Vermögen schrumpften dabei weltweit, obwohl die Menschen rund um den Globus mehr sparten. So nahm der Gesamtwert der weltweiten Sparanlagen um 2,2 Prozent zu und belief sich auf insgesamt 2700 Milliarden Euro. Wegen der fallenden Aktienkurse schrumpften die Vermögen trotzdem.

Weit vorn lagen die Sparer aus den USA, die ihre Geldanlagen um 46 Prozent steigerten, auf gigantische 1800 Milliarden Dollar. Ursache hierfür sind laut den Studienautoren die im Januar 2018 von US-Präsident Donald Trump verabschiedete Steuerreform in den USA und die damit verbundenen Steuervorteile wie etwa die Senkung des Spitzensteuersatzes und die Erhöhung der Freibeträge bei der Erbschaftsteuer.

Während die Vermögen weltweit schrumpften, wuchsen die Schulden der Privathaushalte das zehnte Jahr in Folge. Laut der Studie stiegen sie 2018 um fast sechs Prozent. Insgesamt lagen die Verbindlichkeiten der privaten Haushalte 2018 bei knapp 43 Billionen Euro.

Zudem zeigt der Global Wealth Report, dass die Vermögensschere zwischen den Industriestaaten und den Schwellenländern wieder größer geworden ist: Nachdem sich die Privatvermögen bis 2016 allmählich angenähert hatten, lag das Vermögenswachstum in den Schwellenländern 2018 nun schon das zweite Jahr in Folge unter dem der Industriestaaten. 2018 betrug der Anteil der Schwellenländer am weltweiten Geldvermögen nur knapp 18 Prozent - genauso viel wie im Vorjahr. Der jahrelange Aufstieg der Schwellenländer ist damit ins Stocken geraten.

Insgesamt habe sich an der Vermögensverteilung im vergangenen Jahr jedoch wenig verändert, heißt es in der Studie. Die weltweite Anzahl der Menschen mit mittlerem Einkommen liegt, wie schon im Vorjahr, bei 1040 Millionen. Das sind fast anderthalbmal so viele wie Anfang des Jahrtausends.

Gravierend verändert hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten aber die regionale Zusammensetzung der Schichten: So nahm der Anteil der Asiaten an der globalen Mittelschicht um 20 Prozent zu, während der Anteil der westlichen Bevölkerung, also Nordamerikanern, Westeuropäern und Japanern, um denselben Wert zurückging.

Auch die Zahl der vermögenden Menschen nahm in den letzten zwei Jahrzehnten zu, um 30 Prozent auf 580 Millionen Menschen. Während zu Beginn des neuen Jahrtausends noch hauptsächlich Westeuropäer, Amerikaner und Japaner zu dieser Schicht gehörten, machen sie heute nur noch knapp 70 Prozent aus. Ein Viertel der Reichen kommt mittlerweile aus China.

USA und Schweiz sind die reichsten Länder der Welt

Unter den reichsten Ländern der Welt findet sich China trotzdem noch nicht wieder. Das zeigt ein Blick auf die Nettogeldvermögen, also die Zahl, die man erhält, wenn man die Schulden vom Bruttogeldvermögen abzieht.

Die reichsten Länder der Welt bleiben die Schweiz und die USA - zumindest, was das durchschnittliche Nettogeldvermögen pro Kopf angeht. Deutschland liegt dabei auf Platz 18 (siehe Grafik).

Die Betrachtung ändert sich, wenn man statt des Durchschnitts den Median heranzieht, also den zentralen Wert, bei dem eine Hälfte der Bevölkerung mehr Vermögen besitzt und die andere weniger (klicken Sie dazu in der Grafik auf die Schaltfläche "Median"). Dann nämlich rutschen Staaten mit stark ungleicher Vermögensverteilung nach unten. Das gilt etwa für die USA, aber zum Beispiel ebenfalls für Dänemark. Auch Deutschland fällt drei Plätze auf Rang 20.



insgesamt 125 Beiträge
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echtermünchner 18.09.2019
1. Kaufkraft, Vermögen
Warum hat Deutschland nach Belgien die zweithöchste Steuerbelastung Europas? Vergleichen sie mal die Kaufkraft pro Kopf, das Vermögen pro Kopf und die Eigenheimquote mit anderen Ländern.
Tom77 18.09.2019
2. Von der Politik so gewünscht
Durch Nullzinsen kann kaum noch jemand vorsorgen und Vermögen anhäufen. Diejenigen, die ohne Probleme in Aktien investieren können, sind die Reichen, die eben immer reicher werden. Der kleine Sparer überlegt es sich eben zweimal, ob er in Aktien investiert und dann ggf. genau zu dem Zeitpunkt, wenn er sein Geld braucht, in einem Abschwung gefangen ist. Es ist schön, wenn die Kurse hochgehen, aber wenn dann zum Renteneintritt dummerweise gerade eine globale Wirtschaftskrise zuschlägt, kann Geld, das über 10 Jahre angespart wurde, auch schnell wieder bei Null Rendite sein. Reiche Leute können sich Vermögensverwalter leisten, die ständig umschichten und den Markt im Blick halten. Die billigen Kreditzinsen führen zudem dazu, dass sich viele Menschen verschulden, um z.B. Immobilien zu kaufen - und das, obwohl die Immobilienpreise aktuell einfach wahnwitzig hoch sind. Eine Immobilienblase sondergleichen. Und dann kommt eben beides zusammen: Keine Rücklagen im Alter und Kreditschulden. Wenn dann der Job weg ist oder die Wirtschaft den Bach runter geht, stehen solche Menschen schnell mit einem Fuß in der Privatinsolvenz. Die Politik feuert derzeit nur kurzfristiges Wirtschaftswachstum und Konsum an. Nachhaltig ist das aber auf keinen Fall.
phantomias3782 18.09.2019
3. Wechselnde Wahrnehmung
Ich bin ja gespannt ob das von "linken / eher linken" Bevölkerungsgruuppen auch wahrgenommen wird. Während einem Aufschwung, bei dem Aktienkurse steigen wird lamentiert die Reichen verdienen ohne etwas zu tun. Das Risiko, dass die Kurse auch wieder sinken wird ausgeblendet. Bei einem Abschwung, bzw. 2018 auch ohne sinken die Kurse auch wieder. Dies zeigt auch darauf, dass die Reichen das Geld nicht bar haben. Dann würde der Geld mindestens gleich bleiben. Die meisten Reichen beziehen ihren Reichtum aus der Beteiligung an einem Unternehmen. Jetzt wird (kann) sich die "Schere" auch wieder etwas schließen, falls wir in einen saftigen Abschwung geraten. Ob das aber im Sinne der Bevölkerung ist, ist mMn zweifelhaft.
Cannonier 18.09.2019
4. Wie wäre es mit einer Steuer auf Schulden?
Das funktioniert ja im Prinzip so ähnlich wie die Strafzahlungen die die EU Mitgliedsländern aufbrummt die ihre Defizitziele nicht erreichen und Konten überziehen :)
currywurst_hans 18.09.2019
5. Na dann mal weiter so!
Zitat:"Gravierend verändert hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten aber die regionale Zusammensetzung der Schichten: So nahm der Anteil der Asiaten an der globalen Mittelschicht um 20 Prozent zu, während der Anteil der westlichen Bevölkerung, also Nordamerikanern, Westeuropäern und Japanern, um denselben Wert zurückging." ----- O-Ton Merkel: "Deutschland geht es gut. Das ist ein Grund zur Freude"
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