Allianz mit VW Lichtblick meldet 3500 Anfragen für Keller-Kraftwerke

Vor wenigen Tagen haben VW und der Stromkonzern Lichtblick den Bau Zigtausender Keller-Kraftwerke angekündigt - schon jetzt häufen sich die Anfragen von Verbrauchern. Doch der Autokonzern kann in den kommenden Monaten nur wenige hundert Generatoren liefern.
Strommasten im Abendrot: Run auf Keller-Kraftwerke

Strommasten im Abendrot: Run auf Keller-Kraftwerke

Foto: A3446 Patrick Seeger/ dpa

Hamburg - Die Unternehmen Lichtblick und VW erhalten für ihre Zuhause-Kraftwerke viel positive Resonanz: Sechs Tage, nachdem der Autobauer und der Stromanbieter eine weltweite Partnerschaft unterzeichnet haben, sind nach Informationen von SPIEGEL ONLINE bereits 3500 Verbraucheranfragen eingegangen. Man sei "positiv überrascht" über den Anfrage-Boom, heißt es bei Lichtblick.

Mit den Kraftwerken wollen die beiden Unternehmen nach eigenen Angaben bis zu 100.000 Verbraucher weitgehend von den etablierten Stromversorgern emanzipieren. Sie installieren dazu Blockheizkraftwerke in den Kellern von Wohnhäusern. Diese regulieren Warmwasserversorgung und Heizungen der Immobilie und produzieren gleichzeitig Strom, der sich in die öffentlichen Netze einspeisen lässt.

Aus Verbrauchersicht ist das Betreiben eines eigenen Keller-Kraftwerks durchaus attraktiv: Für einen Pauschalbetrag von rund 5000 Euro wird das alte Gerät von Lichtblick-Technikern abgerissen, entsorgt und durch ein VW-Blockheizkraftwerk samt Wärmespeicher, Daten- und Stromnetzanschluss ersetzt. Der Kunde zahlt neben dem Grundpreis von 20 Euro ausschließlich die von ihm verbrauchte Wärme auf Grundlage des vom Statistischen Bundesamt ermittelten Gaspreisindex. Zudem erhalten Verbraucher monatlich fünf Euro Kellermiete und 0,5 Cent Bonus für jede ins Netz eingespeiste Kilowattstunde Strom. Reparaturen und Wartung übernimmt Lichtblick umsonst.

Massenproduktion erst Ende 2010

Entsprechend groß ist die Nachfrage nach den Keller-Kraftwerken - beim Produzenten VW steigt nun der Druck, die geforderten Generatoren rechtzeitig zu liefern. Die Produktion läuft gerade erst an - in den kommenden Monaten wird der Autobauer nach Angaben einer Person, die mit dem Projekt Lichtblick vertraut ist, nur wenige hundert Keller-Kraftwerke produzieren. In die Massenproduktion sollen die Keller-Kraftwerke erst Ende 2010 gehen.

Bei VW war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen - nach Lichtblick-Angaben sind trotz der vielen Anfragen vorerst keine Produktionsengpässe zu erwarten. "Wir haben stets kommuniziert, dass die Kraftwerke erst ab 2010 ausgeliefert werden", sagte ein Sprecher des Ökostrom-Anbieters. Der Einbau eines Kellerkraftwerks in ein Wohnhaus sei ein "größeres Unterfangen, das die meisten Verbraucher langfristig planen".

Zudem dürften von den bislang 3500 Interessenten letztlich nicht alle ein Mini-Kraftwerk in ihrem Keller betreiben. "Der Einbau rentiert sich erst bei größeren Häusern mit einem Mindestwärmebedarf von 45.000 Kilowattstunden im Jahr", sagte der Lichtblick-Sprecher. Einen solchen Verbrauch hätten vor allem Mehrpersonenhaushalte - und größere Altbauten ab 150 Quadratmetern. "Wir arbeiten die Anfragen nun nacheinander ab, teilen jedem einzelnen Verbraucher mit, ob ein Keller-Kraftwerk in seinem Haus sinnvoll ist oder nicht."

Schattenkraftwerke obsolet machen

In den kommenden Jahren wollen Lichtblick und VW ihre heizenden Stromgeneratoren in 100.000 Haushalten installieren - und damit den etablierten Stromkonzernen Konkurrenz machen. Lichtblicks Blockheizkraftwerke werden mit Erdgas betrieben - sie sollen aber einen ökologischen Mehrwert haben, indem sie die Einspeisung unsteter Energie aus Solar- und Windkraftwerken vorantreiben. Sie sollen dafür sorgen, dass keine Energieengpässe entstehen, etwa wenn während einer Schlechtwetterfront die Solarstromproduktion sinkt oder der Energiebedarf sprunghaft ansteigt.

Bislang kompensieren Anbieter wie E.on derartige Ausschläge mit sogenannten Schattenkraftwerken, die nur dann aktiv werden, wenn der Energiebedarf steigt. Künftig sollen die Zuhause-Kraftwerke diese Aufgabe übernehmen: Tausende der Mini-Anlagen sollen laut Lichtblick binnen einer Minute zu einem virtuellen Großgenerator vernetzt werden können - und kurzfristig zusätzlichen Strom bereitstellen.

Gleichzeitig sollen die Keller-Kraftwerke die Energieeffizienz von Haushalten erhöhen. Warmwasserspeicher in Häusern werden laut Lichtblick von den Mini-Generatoren immer dann aufgeheizt, wenn am Markt großer Strombedarf besteht. Wasser wird dadurch zum virtuellen Kurzzeitspeicher für Energie - es gibt die Wärme nur langsam wieder ab, der Verbraucher kann damit auch später noch heiß duschen. Der Strom, den das Blockheizkraftwerk erzeugt, wird sofort ins Netz gespeist.

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