Führungswechsel bei der Allianz Der Neue kommt zum Aufräumen

Allianz-Chef Michael Diekmann mag nicht mehr - ab Mai übernimmt Oliver Bäte die Führung bei Europas größtem Versicherer. Der Ex-McKinsey-Mann muss die Probleme lösen, die ihm sein Vorgänger hinterlässt.

Oliver Bäte: Der künftige Allianz-Chef kommt von McKinsey
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Oliver Bäte: Der künftige Allianz-Chef kommt von McKinsey

von manager-magazin-Redakteurin Angela Maier


Monatelang ließ Europas größter Versicherungskonzern Allianz Chart zeigen die eigenen Mitarbeiter und die Medien munter über eine Vertragsverlängerung von Konzernchef Michael Diekmann (59) spekulieren. Diekmann, 2003 ebenfalls per Überraschungscoup an die Allianz-Spitze gerückt, befeuerte derlei Gerüchte sogar noch mit Bemerkungen wie "Lust habe ich immer".

So ganz stimmte das nicht, wie sich jetzt herausstellt. Diekmann, so schreibt die Allianz, wollte sein Vorstandschef-Mandat "angesichts des Erreichens der Altersgrenze des 60. Lebensjahres" enden lassen. Der verschlossene Ostwestfale, der im Dezember 60 wird, nimmt noch die Jubiläumsfeier zum 125-jährigen Bestehen der Allianz im Frühjahr 2015 mit. Und übergibt dann mit der Hauptversammlung im Mai seinen Posten an Südeuropa-Vorstand Oliver Bäte (49).

Vergebens die Rufe von Investoren, Diekmann solle verlängern und sich selbst um die Probleme der Allianz kümmern. Der Versicherungskonzern erwirtschaftete zwar in den vergangenen Jahren so hohe Gewinne wie nie zuvor. Doch zuletzt taten sich immer neue Baustellen auf.

Probleme bei Pimco und bei Firema's Fund

Vergangenen Freitag warf bei der kalifornischen Vermögensverwaltungstochter Pimco Gründer Bill Gross hin und stürzte damit den wichtigsten Ertragsbringer der Münchener in schwere Turbulenzen. Binnen Stunden zogen Pimco-Kunden Milliarden ab, und die Allianz verlor Milliarden an Börsenwert.

An der US-Versicherungstochter Fireman's Fund arbeitete sich Diekmann ebenso wie sein Vorgänger Henning Schulte-Noelle erfolglos ab. Kürzlich kündigte die Allianz an, Fireman's Fund zu zerschlagen: das Industriegeschäft wird in den Mutterkonzern integriert, das Endkundengeschäft soll verkauft werden.

All dies wird Diekmann in seinen letzten Monaten an der Konzernspitze kaum noch selber in Ordnung bringen können. Die Aufräumarbeiten obliegen seinem Nachfolger Bäte.

Zugang von McKinsey: Bäte ist kein altgedienter Allianzer

Der gebürtige Rheinländer ist kein altgedienter Allianzer und hat insofern womöglich weniger Manschetten als Diekmann, Althergebrachtes in Frage zu stellen und bei Bedarf hart durchzugreifen. Bäte machte nach Banklehre und Betriebswirtschaftsstudium 15 Jahre lang bei der Unternehmensberatung McKinsey Karriere, bevor er 2008 als Controlling-Vorstand zur Allianz stieß.

Als Konzernchef wird er mit einem Vorteil starten: Größere Machtkämpfe im Vorstand muss er nicht befürchten. Seinem Rivalen im Kampf um den Allianz-Chefposten, Markus Rieß (48), bleibt der Aufstieg in den Konzernvorstand überraschend verwehrt. Rieß muss als Chef des wenig ertragreichen deutschen Versicherungsgeschäfts nachsitzen und dort die Digitalisierung vorantreiben - verbunden mit einem Sparkurs.

Außerdem zieht die Allianz Konsequenzen aus der Misere in Amerika: US-Vorstand Gary Bhojwani (46) scheidet aus, seine Aufgaben übernimmt sein Vorstandskollege Jay Ralph zusätzlich. Ein Signal, dass die Allianz in den USA außer Sanierungsarbeiten nichts Größeres mehr vorhat.

Für Diekmanns Lebens- und Karriereplanung indes passt alles ideal: Nächsten Mai geht er in die aktienrechtlich vorgeschriebene, zweijährige "Abkühlungszeit" zwischen Vorstands- und Aufsichtsratstätigkeit. Damit kann er im Mai 2017 seinen Freund Helmut Perlet als Vorsitzender des Aufsichtsrats beerben, dessen Wahlperiode dann ausläuft.

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Leser1000 02.10.2014
1. Na ja - wirklich ein Vorteil?
Sie suggerieren, dass Bäte einen Vorteil als "Nicht- Allianzer" hätte. Zunächst einmal ist anzumerken, dass gerade diese Branche sich seit Jahren im Umbruch befindet und wenn es an irgendetwas nicht mangelt, so sind es Controller und Consultants. Übertragen auf den "Deutschland -Achter" bedeutet dies, dass -überspitzt ausgedrückt - es mehr Leute mit "Flüstertüte" gibt als Ruderer; jedenfalls drängt sich manchmal dieser Eindruck auf. Dazu beigetragen haben gerade die McKinseys und Boston Consults dieser Welt etc. Übrigens wird dann als Qiuntessenz zum Teil organisatorisch wieder zurückreformiert.
derlabbecker 02.10.2014
2. na...
.... da wird es doch als erstes einen fetten Auftrag für die Meckies geben wenn er am Ruder ist. Das Alumni Netzwerk funktioniert bei denen doch prächtig.
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