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14. September 2011, 15:11 Uhr

Allianz-Studie

Börsencrash vernichtet drei Billionen Euro Privatvermögen

In der Finanzkrise schrumpfen die privaten Vermögen kräftig. Laut Allianz haben die Börsenturbulenzen bis zu drei Billionen Euro vernichtet. Langfristig profitieren China, Indien und Co.: In den Aufsteigernationen ist die Mittelschicht schon größer als in den klassischen Industrieländern.

Frankfurt am Main - 2010 waren die Deutschen so reich wie nie zuvor. Das geht aus dem "Global Wealth Report" hervor, in dem die Allianz die Vermögens- und Schuldenlage privater Haushalte in 50 Ländern analysiert. Das errechnete Pro-Kopf-Bruttovermögen lag 2010 bei gut 60.000 Euro.

Der schöne Rekord könnte jedoch schon wieder dahin sein. Denn die jüngste Finanzkrise hat die Vermögenden hart getroffen. Die Allianz schätzt die weltweiten Verluste aus dem Börsencrash auf bis zu drei Billionen Euro.

Das Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Vermögen der Welt bleibt laut der Studie die Schweiz - und zwar mit Abstand. Grund sind der starke Franken und die gut laufende Wirtschaft. Im Durchschnitt besaßen die Schweizer im vergangenen Jahr 207.393 Euro brutto pro Kopf. Mit großem Abstand folgen auf Platz zwei die USA mit 111.897 Euro Geldvermögen pro Kopf. Auf den Plätzen drei bis fünf folgen Japan, Dänemark und die Niederlande.

Deutschland landet zwar nur auf Rang 17. Doch in den vergangenen zehn Jahren vermehrte sich das Geld hierzulande besonders schnell. So lag das durchschnittliche Wachstum des Pro-Kopf-Vermögens mit 3,4 Prozent pro Jahr über dem westeuropäischen Durchschnitt. Seit der Finanzkrise 2008 gehören Deutschland, Österreich und die skandinavischen Länder zu den Nationen mit den höchsten Vermögenszuwächsen. In den Berechnungen werden weder Immobilienbesitz noch die in Deutschland überdurchschnittlich hohen Rentenansprüche berücksichtigt.

Finanzkrise dämpft das Wachstum der Vermögen

Das globale Geldvermögen erreichte 2010 mit rund 95,300 Billionen Euro zwar einen neuen Rekordwert. Das starke Wachstum 2010 kann nach Meinung der Allianz-Experten allerdings nicht über die verhaltene Entwicklung der vergangenen Jahre hinwegtäuschen. Im vergangenen Jahrzehnt betrug der durchschnittliche Zuwachs des Pro-Kopf-Vermögens laut Studie nur 3,2 Prozent. "Verglichen mit dem weltweiten Wachstum und der Inflationsentwicklung in diesem Zeitraum sind diese Zahlen eher enttäuschend", sagte Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz. "Die Sparer mussten den wiederkehrenden Finanzkrisen Tribut zollen."

Nach wie vor sitzen die großen Vermögen vorwiegend in den westlichen Industrieländern und Japan. Allerdings haben gerade diese Staaten in der Krise am deutlichsten gelitten. In den Schwellenländern hingegen gelingt laut Allianz immer mehr Haushalten der Sprung in die globale Vermögensmittelschicht. Zur Mittelschicht zählt der Report diejenigen, die 6000 bis 36.200 Euro pro Kopf besitzen. 300 Millionen von weltweit 500 Millionen Menschen in dieser Gruppe kommen nicht aus den alten Industrieländern. Das werde große Auswirkungen auf die weltweiten Finanz- und Vermögensmärkte haben, prognostiziert die Allianz.

Während sich die Industrienationen mit einem relativ bescheidenen Vermögenswachstum zufrieden geben müssen, konnten Asien, Lateinamerika und Osteuropa 2010 durchweg zweistellige Zuwachsraten verbuchen.

dis/dapd/dpa

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