Wirtschaft

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Keine Versicherungen, keine Investments

Allianz steigt komplett aus der Kohle aus

Jedes Kraftwerk braucht eine Versicherung - doch wenn sie mit Kohle betrieben werden, verzichtet die Allianz ab sofort auf dieses Geschäft. Bis 2040 will der Konzern überhaupt keine Umsätze mehr mit Kohlefirmen machen.

DPA

Kohlekraftwerk Lippendorf (Sachsen), Tagebau

Freitag, 04.05.2018   11:18 Uhr

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Europas größter Versicherungskonzern Allianz steigt aus der Kohle aus. Ab sofort verzichtet der Münchner Dax-Konzern auf die Einzelversicherung von Kohlekraftwerken und Kohleabbau. Zudem will die Allianz bei ihren Kapitalanlagen ebenfalls ab sofort nicht mehr in Unternehmen investieren, die durch umfangreichen Zubau von Kohlekraftwerken das Ziel des Pariser Klimaabkommens gefährden, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen, sagte Vorstandschef Oliver Bäte.

Bereits im Jahr 2015 hatte die Allianz entschieden, kein Geld mehr in Unternehmen anzulegen, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit dem Abbau von Kohle oder der Produktion von Kohlestrom verdienen. Nun verschärft Bäte diese Richtlinie. "Wir haben uns entschieden, den nächsten Schritt zu gehen." Der Konzern schließt nun unter anderem Investitionen in Firmen aus, die neue Kohlekraftwerke mit einer Kapazität von über 500 Megawatt planen. Der Sofortausstieg aus der Versicherung einzelner Kohlekraftwerke und der Abbau wird das Unternehmen nach Bätes Angaben einen größeren zweistelligen Millionenbetrag kosten.

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Abgesehen von den Sofortmaßnahmen will die Allianz bis 2040 schrittweise und in Absprache mit den betroffenen Kunden ganz aus dem Kohlegeschäft aussteigen, wie Bäte sagte. Energieversorger, die außer Kohle auch andere fossile Brennstoffe oder erneuerbare Energien zur Stromproduktion verwenden, sollen zunächst weiter versichert werden. In den kommenden zwei Jahrzehnten will der Konzern Bäte zufolge aber auch dies vollständig auslaufen lassen.

Druck von Umweltverbänden

"Keine Art von Kohlerisiko", sagte Bäte. "Wir wollen verantwortungsvoller Partner sein, der die Neugestaltung der Wirtschaft unterstützt." Auch der Versicherungskonzern selbst will bis zu diesem Zeitpunkt klimaneutral wirtschaften, etwa was den CO2-Ausstoß bei Dienstreisen der Mitarbeiter oder die Gebäudeheizung betrifft.

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Was die Kapitalanlagen betrifft, will die Allianz bis 2040 keine Gelder mehr in Unternehmen anlegen, die ihre Treibhausgasemissionen nicht an das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens anpassen. Das gilt allerdings nicht für die reine Vermögensverwaltung, die die Allianz auch anbietet. Mit insgesamt fast zwei Billionen Euro Kapitalanlagen ist die Allianz einer der weltgrößten Investoren.

Die Ankündigungen des Konzerns sind allerdings auch im Zusammenhang mit dem Druck zu sehen, die Umweltinitiativen seit Längerem auf Versicherungen ausüben. Mit der Kampagne "Unfriend Coal" ("Kohle entfreunden") kritisieren Greenpeace und andere Umweltorganisationen sie wegen ihrer Geschäfte mit der Kohlekraft. Der Pariser Stadtrat verabschiedete in dieser Woche auf Initiative von Umweltschützern einen Appell an die großen Unternehmen der Branche, Kohlekraftwerke und -abbau nicht mehr zu versichern.

Regine Richter von der Umweltorganisation Urgewald lobte die Entscheidung der Allianz als "überfällige aber wirksame Maßnahme für Klimaschutz im Versicherungsgeschäft". Der gewählte Schwellenwert von 500 Megawatt setze "einen neuen Maßstab". Im Vergleich dazu bleibe die Munich Re als zweiter großer Versicherungskonzern beim Klimaschutz zurück. "Mit der Allianz-Initiative hat sie nun ein Vorbild mehr, um auch ihren Abschied von Kohle zu planen."

Diese Kohlekraftwerke gibt es noch in Deutschland:

fdi/dpa

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