Versicherungen Allianz will Onlineversicherer gründen

Die Allianz will ihren Gewinn weiter steigern - und dafür unter anderem einen Onlineversicherer aufbauen. Das scheiterte schon einmal am internen Widerstand der Versicherungsvertreter.

Allianz-Chef Oliver Bäte (Archivbild)
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Allianz-Chef Oliver Bäte (Archivbild)


Europas größtes Versicherungsunternehmen Allianz will einen europäischen Onlineversicherer für Autos gründen. Das kündigte Konzernchef Oliver Bäte bei einem Investorentag in München an. Die Direktversicherung unter dem Namen "Allianz Direct" soll bis Ende 2019 mit Kfz-Policen in Deutschland, den Niederlanden, Italien und Spanien starten. Weitere Länder sollen folgen.

Vorstandschef Oliver Bäte machte den weltweit 140.000 Beschäftigten klare Vorgaben: "Das Ziel aller Bereiche der Allianz muss sein, die Besten im Markt zu schlagen", sagte er. Ziel sei höhere Profitabilität: Der Gewinn pro Aktie soll in den Jahren von 2019 bis 2021 um jeweils über fünf Prozent steigen, davon über vier Prozent organisch - also ohne Zukäufe anderer Unternehmen.

Bäte betonte auch, dass der neue Direktversicherer die etablierten Vertriebskanäle über Makler nicht gefährden soll. "Es wird null Kannibalisierung geben", sagte er. Doch das ist umstritten: Im vergangenen Jahrzehnt hatte das Unternehmen einen ersten Versuch mit einem Onlineversicherer wegen des heftigen Widerstands der Vertreter wieder eingestellt. Diese warnen, dass Kunden an das Onlineangebot abwandern könnten und fürchten deshalb um Einkommen und Arbeitsplätze.

(Lesen Sie hier, weshalb für die Mitarbeiter unklar ist, in welche Richtung Bäte das Unternehmen steuert.)

Allianz steigert Aktienwert auch durch Rückkäufe

Die erhofften höheren Gewinne will das Management vor allem durch einfache Produkte und Kosteneinsparungen bei IT-Systemen erreichen. Wie bei vielen Banken und Versicherern sind auch bei der Allianz eine Vielzahl unterschiedlicher, teurer Software-Programme im Einsatz. Bäte will die elektronischen Altlasten beseitigen. Auch ein Stellenabbau sei möglich. "Dieser ist aber nicht das Ziel", sagte Bäte.

In den kommenden drei Jahren will die Allianz einen operativen Gewinn von 11,1 Milliarden Euro erzielen - die Mitte der bisherigen Zielspanne für 2018. Die Spanne reicht insgesamt von 10,6 bis 11,6 Milliarden Euro.

Seinen Gewinn je Aktie hatte der Konzern allerdings auch nach oben getrieben, indem er zuletzt für Milliardensummen eigene Aktien zurückkaufte und so die Zahl der Anteilsscheine senkte. Vorstandschef Bäte schloss nicht aus, dass der Konzern diese Strategie in den nächsten Jahren beibehält: "Wir werden Überschusskapital entweder einsetzen oder an die Aktionäre zurückgeben."

Allerdings will die Allianz ihr Geld lieber für Übernahmen als für Aktienrückkäufe ausgeben, sagte Finanzchef Giulio Terzariol. Zuletzt hatte der Konzern dabei nur mäßigen Erfolg. Seit 2016 gab er nach eigenen Angaben vier Milliarden Euro für Zukäufe aus, den Großteil für den Kreditversicherer Euler Hermes und den britischen Versicherer Liverpool Victoria. Mehrfach hielt Bäte die verlangten Preise für interessante Unternehmen für zu hoch.

kko/dpa/



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