Niedrigzinsen Allianz will weniger Lebensversicherungen verkaufen

Lebensversicherungen lohnen sich für die Allianz kaum noch. Europas größter Versicherer fährt das Geschäft mit dem Altersvorsorgeklassiker massiv zurück und nimmt dafür auch sinkende Umsätze in Kauf.

Allianz-Chef Oliver Bäte
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Allianz-Chef Oliver Bäte


Die Allianz tritt im Lebensversicherungsgeschäft auf die Bremse. Vorstandschef Oliver Bäte sagte auf der Hauptversammlung in München, der Umsatzrückgang im ersten Quartal um 6,4 Prozent sei vor allem darauf zurückzuführen. Das Minus sei "gewünscht und mit positiven Effekten verbunden". Der größte europäische Versicherungskonzern hielt sich zu Jahresbeginn mit einem operativen Gewinn von 2,8 Milliarden Euro besser als erwartet.

Die Allianz versucht, die Kunden von traditionellen Produkten mit lebenslangen Garantien abzubringen und ihnen neue Konzepte zu verkaufen, die weniger Eigenkapital verzehren. Versicherern fällt es angesichts der niedrigen Zinsen immer schwerer, die versprochenen Renditen langfristig zu garantieren. "Wir haben die Lebensversicherung komplett umgesteuert", sagte Bäte. Weitere Einzelheiten werde der Konzern verkünden, wenn er am 11. Mai seinen Quartalsbericht vorstellt.

Klassiker nicht mehr zu empfehlen

Nachdem das Bundesfinanzministerium angekündigt hat, den Garantiezins zum 1. Januar 2017 auf 0,9 Prozent zu senken, hatte die Allianz mitgeteilt, dass sie die klassische Lebensversicherung mit Garantiezins zwar weiterhin anbiete, sie aber "angesichts höherer Renditechancen bei anderen Vorsorgekonzepten nicht empfehlen" könne.

Allianz-Chef Bäte ist derzeit dabei, den Konzern auf die Digitalisierung des Versicherungsgeschäfts vorzubereiten. "Ihre Allianz ist bereit für den nächsten Marathon", rief er den Aktionären zu. "Bleiben Sie uns gewogen, auch wenn uns der Sturmwind wieder ins Gesicht bläst." Im vergangenen Jahr war die Allianz mit einem operativen Gewinn von 10,7 Milliarden Euro knapp an ihrem Maximalziel vorbeigeschrammt. 2016 soll der Gewinn zwischen zehn und elf Milliarden Euro liegen.

nck/Reuters

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