Anlagestrategie Allianz will Windstrom für Google liefern

Die Niedrigzinsen zwingen Versicherer zum Umdenken. Sie investieren stärker in erneuerbare Energien und Infrastruktur - allen voran die Allianz. Sie kauft eine Windfarm, die Strom für Google liefern soll.
Windpark: Hoffnung auf höhere Rendite als für festverzinsliche Anlagen

Windpark: Hoffnung auf höhere Rendite als für festverzinsliche Anlagen

Foto: Jens Büttner/ dpa

Hamburg - Europas größter Versicherungskonzern Allianz will den Bau einer 72-Megawatt-Windfarm in Schweden finanzieren. Die Anlage "Maevaara" in der Nähe von Pajala an der finnischen Grenze im Norden des Landes soll 2015 in Betrieb gehen.

Der dort produzierte Strom soll für zehn Jahre an das Datenzentrum des amerikanischen Internetkonzerns Google   in Finnland fließen. Nach der Fertigstellung will die Allianz die Anlage übernehmen. Sie soll von dem schwedischen Windpark-Unternehmen O2 technisch betreut werden.

Durch die Investition steigt das Engagement der Allianz   in erneuerbare Energien auf mehr als 1,5 Milliarden Euro. Die Beteiligungstochter Allianz Capital Partners betreibt bereits 36 Windfarmen und sieben Solarparks, die erneuerbare Energie für mehr als 400.000 Haushalte erzeugen können. Neben dem Standort Schweden stehen die Anlagen in Frankreich, Deutschland und Italien.

"Wir freuen uns sehr, mit diesem Investment in den schwedischen Windanlagenmarkt einzusteigen", sagte David Jones, Head of Renewable Energy bei Allianz Capital Partners, und ergänzte: "Durch die Integration des Stromabnahmevertrags ist dieses Projekt ein sehr interessantes Modell für weitere Windfarmentwicklungen auf diesem Markt."

800 Milliarden Euro Investitionsbedarf

Angesichts des anhaltend niedrigen Zinsniveaus und ihrer langfristigen Zahlungsverpflichtungen suchen Versicherer wie die Allianz fortwährend nach Anlagealternativen, die einen regelmäßigen und vergleichsweise sicheren Cashflow generieren.

So treten Versicherer schon länger als Baufinanzierer auf und machen den Banken insbesondere bei lang laufenden Baudarlehen mit sehr günstigen Konditionen das Leben schwer. 2011 summierten sich ausgereichte Baudarlehen etwa auf sieben Prozent der gesamten Kapitalanlagen der deutschen Erstversicherer.

Zugleich investieren Versicherer zusehends in Infrastrukturprojekte wie Stromnetze oder Straßen und treten hier ebenfalls als Darlehensgeber auf. Der Finanzierungsbedarf ist hoch. So schätzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, dass sich allein die für die Energiewende notwendigen Investitionen in Europa auf annähernd 800 Milliarden Euro belaufen werden.

Zu den größeren Investoren bei alternativen Investments unter den Versicherern zählt neben der Allianz die Meag. Der Vermögensverwalter der Munich Re   und des Ergo-Konzerns will in den kommenden Jahren seine Infrastruktur-Investitionen auf 1,5 Milliarden Euro ausbauen, im Bereich der Erneuerbaren Energien sollen es 2,5 Milliarden Euro werden, wie die Meag manager magazin online sagte.

Für ein verstärktes Engagement sprechen aus Sicht der Profianleger neben einem langfristig stabilen Ertrag und der geringen Korrelation zu anderen Anlageklassen die attraktiven Renditen, die mit Investments in erneuerbare Energien oder Infrastrukturprojekte zu erzielen sind. Versicherer fahren hier nach eigenen Angaben Renditen bis zu zehn Prozent ein.

Allerdings schauen die Unternehmen auch sehr genau auf die Risiken. So meiden sie zum Beispiel bislang größere Investments in Windparks auf hoher See, weil mit diesen Projekten bislang zu wenig Erfahrungen gesammelt werden konnten.

Gemessen an ihren gesamten Kapitalanlagen investieren Versicherer bislang allerdings nur einen geringen Teil ihres Geldes in erneuerbare Energie und Infrastrukturprojekte. Offizielle Zahlen existieren dazu nicht, Schätzungen gehen von deutlich unter fünf Prozent aus.

Das noch vergleichsweise verhaltene Engagement der Versicherer führt der Branchenverband GDV auf die aus seiner Sicht unverhältnismäßig hohe Kapitalunterlegung zurück, die künftig neue Aufsichtsregeln (Solvency II) vorschreiben.

Investitionen in Infrastruktur als "sonstige Aktienrisiken"

So sollen zum Beispiel Investitionen in Infrastruktur und erneuerbare Energien unter "sonstige Aktienrisiken" erfasst und zur Quote für nicht notierte Beteiligungen hinzugerechnet werden, zu denen auch Investitionen in Hedgefonds oder Private Equity zählen. Dabei gelten diese Investments als deutlich risikoreicher. Im Ergebnis müssten nach dem Standardansatz in Solvency II weitgehend risikolose Investitionen in erneuerbare Energien und Infrastruktur mit 49 Prozent Eigenmittel unterlegt werden, rechnet der GDV vor.

Diese Regelung werde verhindern, dass mehr privates Kapital in nachhaltige Energie- und Infrastrukturprojekte fließt, warnt der Interessenverband. Er fordert daher für diese Investitionen eine eigene Risikoklasse mit einer deutlich niedrigeren Eigenmittelunterlegung.

Das letzte Wort ist bei Solvency II aber noch nicht gesprochen. Noch immer wird über die Details des neuen Versicherungsaufsichtsrechts gestritten, das für die Assekuranz vermutlich erst in einigen Jahren verbindlich werden dürfte.

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