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19. Juni 2013, 15:00 Uhr

Alpine Bau

Baukonzern insolvent - größte Pleite Österreichs

Das Unternehmen ist an Großprojekten wie Stuttgart 21 beteiligt und Österreichs zweitgrößter Baukonzern. Nun hat Alpine Bau Insolvenz angemeldet. Die Schulden belaufen sich auf bis zu 2,6 Milliarden Euro - das wäre die größte Pleite in der Geschichte des Landes.

Wien - Österreichs zweitgrößter Baukonzern Alpine Bau ist pleite. Das Unternehmen, das an Projekten wie Stuttgart 21 und dem Gotthard-Basistunnel beteiligt ist, reichte Insolvenzantrag beim Handelsgericht Wien ein. Von dem Zusammenbruch sind bislang 6500 der weltweit 15.000 Beschäftigten betroffen, der Schaden beläuft sich ersten Schätzungen zufolge auf bis zu 2,6 Milliarden Euro. "Es ist vorstellbar, dass dies die größte Insolvenz der Nachkriegsgeschichte wird", sagte ein Sprecher des österreichischen Kreditschutzverbands (KSV).

In Schieflage brachten den Konzern, der unter anderem die Allianz-Arena in München errichtet hat, die maue Baukonjunktur sowie Verzögerungen bei wichtigen Projekten. Gespräche mit den Gläubigern über ein Rettungspaket waren am Dienstag gescheitert, der Gang zum Insolvenzrichter wurde unausweichlich. Insolvenz angemeldet hat vorerst nur die Alpine Bau GmbH. "Dieses Unternehmen ist nicht nur operativ das wichtigste der Alpine-Gruppe, an dem hängen auch bis zu 200 ausländische Tochtergesellschaften", sagte der KSV-Sprecher. Ob und wie viele dieser Töchter ebenfalls Insolvenz anmelden müssen, sei noch offen.

Der KSV bezifferte die Schulden auf insgesamt 2,6 Milliarden Euro: Neben Verbindlichkeiten in Höhe von 1,7 Milliarden Euro kämen Garantien und Haftungen von rund 850 Millionen Euro hinzu. "Das ist im Baugeschäft so üblich, dass es zu einem größeren Projekt verschiedene Haftungen von Kreditinstituten gibt", sagte der KSV-Sprecher. Zu den größten Kreditgebern von Alpine gehören die zur italienischen Bankgruppe UniCredit zählende Bank Austria sowie die Erste Group. Auch andere österreichische Kreditinstitute haben der Alpine Bau mit Haftungen geholfen. "Diese Eventualverbindlichkeiten müssen nicht in voller Höhe schlagend werden, das kann auch nur die Hälfte sein", sagte der KSV-Sprecher. "Die 2,6 Milliarden Euro wären aus meiner Sicht ein Maximalbetrag."

Auch der österreichische Staat hat Haftungen im Ausmaß von 150 Millionen Euro übernommen. Es sei aber noch nicht klar, in welchem Ausmaß diese wirksam werden würden. "Das hängt von der Quote ab und die steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums.

cte/Reuters

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