Alstom-Übernahme Frankreich zeigt General Electric Weg zum Sieg im Bieterkampf

Diesen Winkelzug dürfte Siemens aufmerksam verfolgen: Im Bieterkampf um Alstom hat die französische Regierung von GE Nachbesserungen gefordert - und dem US-Konzern eine Lösung für eine erfolgreiche Übernahme aufgezeigt.

Alstom-Produkt TGV: GE ist bisher nur an der Energiesparte interessiert
AFP

Alstom-Produkt TGV: GE ist bisher nur an der Energiesparte interessiert


Paris - Das Verhältnis zwischen der Regierung in Paris und dem US-Konzern General Electric (GE) gilt als angespannt. Doch nun tastet sich Frankreichs Industrieminister im Ringen um die Übernahme des französischen Alstom-Konzerns offenbar an GE heran. So hat die französische Regierung in einem Brief Nachbesserungen am Angebot von GE gefordert - und dem US-Konzern zugleich einen Weg für den angestrebten Zusammenschluss aufgezeigt.

Denkbar wäre eine Einigung, wenn auch die Zugsparten beider Konzerne zusammengelegt würden, schrieb Industrieminister Arnaud Montebourg an GE-Chef Jeff Immelt. GE ist bisher offiziell nur an der Übernahme des Energiebereichs von Alstom interessiert, nicht aber an der gleichfalls zum Konzern gehörenden Bahnsparte. Die Zugsparte von Alstom Chart zeigen hat aber wegen der prestigeträchtigen TGV-Züge innerhalb Frankreichs einen größeren Stellenwert. Alstom überprüft derzeit das mehr als zwölf Milliarden Euro schwere GE-Gebot für die Energieabteilung des französischen Konzerns.

Die bisherige Offerte sei unzureichend, heißt es in dem Brief von Montebourg an Immelt, aus dem Nachrichtenagenturen zitieren. "Nach jetzigem Stand können wir leider den Vorschlägen, die Sie gemacht haben, nicht zustimmen", schreibt Montebourg. Denn mit dem alleinigen Ziel einer Übernahme der Alstom-Energiesparte drohe die Zugsparte ins Hintertreffen zu geraten. Der Energiebereich macht rund 70 Prozent des Alstom-Umsatzes aus. Der Rest entfällt auf die Bahnsparte, vor allem auf den Bau des französischen Hochgeschwindigkeitszuges TGV.

Auch Hollande erhöht den Druck auf GE

GE erklärte als Reaktion auf den Brief des Ministers, der bisherige Vorschlag sei gut für Frankreich, für Alstom und für GE. Man sei aber auch offen für eine Fortsetzung des Dialogs.

Frankreichs Staatschef François Hollande machte ebenfalls Druck auf GE. Er wies das Angebot für Alstom in seiner jetzigen Form zurück. "Dieses Gebot ist nicht gut genug, es ist nicht akzeptabel", sagte der Präsident dem Radiosender RMC. Ziel sei es, bessere Offerten zu bekommen. Das Angebot von GE müsse auch mit Blick auf die Beschäftigung nachgebessert werden, forderte Hollande. Die Regierung verfüge über "genügend Mittel, um Druck auszuüben, damit es am Ende des Prozesses gut für Alstom ist, für die französische Industrie und gut für die Vielfalt im Energiebereich".

Fotostrecke

3  Bilder
Bieterstreit um Alstom: Hightech-Wissen und Marktmacht

Auch Siemens hat sich - ermutigt von der französischen Regierung - in den Bieterkampf eingeklinkt. Der deutsche Konzern will die Energiesparte von Alstom übernehmen und im Gegenzug die eigene Produktion von ICE-Zügen an den TGV-Hersteller abgeben. So könnten zwei europäische Champions im Energie- und im Transportbereich entstehen. Die französische Regierung war von Anfang an kritisch gegenüber GE eingestellt, weil sie um heimische Arbeitsplätze und strategische Wirtschaftsinteressen bei einer Übernahme fürchtet.

Der Alstom-Verwaltungsrat hatte sich vergangene Woche für das Angebot von GE ausgesprochen. Alstom-Chef Patrick Kron und Siemens-Chef Joe Kaeser führten laut Insidern aber ein Telefonat, in dem Kron beim Verkauf der Alstom-Energiesparte ein vollkommen "transparentes" Vorgehen zugesichert habe.

Der Siemens-Aufsichtsrat hatte Ende April den Plänen des Vorstands zugestimmt, ein Gebot für Alstom vorzubereiten und damit GE in der Übernahmeschlacht herauszufordern. Einige der Siemens-Kontrolleure wünschen Firmenchef Kaeser aber bereits insgeheim, dass der US-Rivale General Electric (GE) bei dem spektakulären Übernahmekampf obsiegt, berichtet der SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe. (Lesen Sie mehr zur Alstom-Übernahme hier im aktuellen SPIEGEL.)

Siemens Chart zeigen ist derzeit nicht nur mit der Offerte für Alstom beschäftigt. Konzernchef Kaeser will den Industriekonzern neu strukturieren. Der Siemens-Aufsichtsrat befasst sich am heutigen Dienstag mit dem geplanten Umbau. Laut manager magazin ist auch der Abbau Tausender Jobs geplant.

mmq/Reuters/AFP

insgesamt 63 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
sitiwati 06.05.2014
1. man will
Siemens in Frankreich nicht, so einfach ist das und das war schon immer so, in 30 Jahren rund um die Wet , aber nie in Frankreich, also, Kaiser lass die Finger davon!
hardyhardy 06.05.2014
2. Wie dumm sind die Franzosen?
Das muss man sich fragen, wenn ein Nachbarland in der EU sich von dem mächtigsten Amerikanischen Elektro-Konzern der Welt einkaufen lässt. Als ob die USA nicht schon genug in Europa einkassiert und Einfluss genommen hat. Versteuert wird im Übernahmefall natürlich in den USA. Denkt man nicht so weit in der Grand Nation?
schorschi8 06.05.2014
3. Vive la France ?!?
Naja, schade wäre es schon, wenn eines der letzten französischen Technologie-Aushängeschilder nun an den elektrischen General aus Übersee ginge. Die GEneralissimos werden dank ihrer daunernden GEhirnwäsche sicherlich wissen, wie sie Alstom in Grund und Boden fahren :-) Allerdings wäre Siemens kaum ein geeigneter weißer Ritter gewesen, eher eine Art "weißer Riese" - zu groß sind die hausgemachten Probleme am Wittelsbacher Platz.
stepanus34 06.05.2014
4. Zeitverschwendung
So war die Frage nach einem Gebot von Siemens ein Schachzug um einen höheren Preis bei GE zu erzielen. Verschwendet nicht die Zeit bei Siemens.
sportsman_g 06.05.2014
5. Siemens ist doch nur der Dummy um den Preis zu treiben
Siemens sollte eigentlich wissen, wie es sich in dem Wettbewerb gegen das Konglomerat aus französischer Industriepolitik GE zu verhalten hat.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.