Französischer Energiekonzern Gabriel befürwortet Fusion von Siemens und Alstom

Die Bundesregierung bezieht Stellung zum Übernahmepoker um Alstom: Wirtschaftsminister Gabriel sieht große Chancen in einer Fusion des französischen Konzerns mit Siemens. Dessen Chef Kaeser trifft nun Präsident Hollande.
Alstom-Mitarbeiter in Levallois-Perret: Siemens und GE buhlen um Übernahme

Alstom-Mitarbeiter in Levallois-Perret: Siemens und GE buhlen um Übernahme

Foto: PATRICK KOVARIK/ AFP

Berlin - In Frankreich kommen am Montag die Bieter im Kampf um den französischen Technologiekonzern Alstom mit Staatschef François Hollande zusammen. In Deutschland bezieht die Bundesregierung klar Position: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sieht in einer möglichen Übernahme von Teilen des französischen Konzerns Alstom   durch den deutschen Konkurrenten Siemens   "große Chancen" für Deutschland und Frankreich. Eine deutsch-französische Verbindung biete große industriepolitische Potentiale für beide Länder, teilte das Wirtschaftsministerium mit.

Gabriel stehe in engem Kontakt mit allen Betroffenen, sagte sein Sprecher am Montag in Berlin. Er stimme sich dabei mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ab.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte lediglich, die Verhandlungen stünden in der Verantwortung der beteiligten Unternehmen. Die Bundesregierung sei informiert und stehe mit der französischen Regierung im Kontakt.

Falls Siemens den Übernahmepoker gewinnt, hätte der US-Rivale General Electric (GE)   das Nachsehen - der US-Konzern plant offenbar den Kauf von Alstom. Eine Partnerschaft Siemens/Alstom wäre auch für Deutschland offensichtlich besser als Alstom/GE. Da GE den französischen Wettbewerber mutmaßlich zerschlagen will, soll die französische Regierung Siemens darum gebeten haben, die Attacke mit einem Gegenangebot zurückzuschlagen.

Kaeser spricht mit Hollande

Erste Gespräche über einen Einstieg von Siemens gab es offenbar bereits im Februar. Als in der Branche ruchbar wurde, dass Alstom mit GE verhandelt, trafen sich Siemens-Chef Joe Kaeser und der Alstom-Vorstandsvorsitzende Patrick Kron am 10. Februar zu einem kurzen Vier-Augen-Gespräch in Paris. Der Siemens-Chef wollte über ein Zusammenrücken der Europäer reden, Kron zeigte damals aber wenig Interesse.

Am Montag schaltete sich Frankreichs Staatschef François Hollande in den Übernahmepoker ein. Nach Angaben von Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg trifft Hollande in getrennten Gesprächen die Konzernlenker von GE und Siemens, die ihre Angebote präzisieren sollen.

Siemens bestätigte den eigenen Termin in einer Mitteilung. Im Anschluss werde der Konzern entscheiden, ob ein Angebot für Alstom abgegeben wird und welche Inhalte dies gegebenenfalls hätte.

bos/Reuters/AFP