Online-Versandhandel EU-Wettbewerbshüter prüfen Amazon-Marktplatz

Beeinträchtigt Amazon über seine Plattform "Marktplätze" den Wettbewerb, indem der Konzern Daten von externen Händlern auswertet? Die EU-Kommission hat eine Untersuchung dazu eingeleitet.

REUTERS / Brendan McDermid

EU-Wettbewerbshüter haben eine Untersuchung gegen den Internethändler Amazon eingeleitet. Brüssel werde "die Geschäftspraktiken von Amazon und seine doppelte Funktion als Verkaufsplattform und Einzelhändler unter die Lupe nehmen", sagte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Konkret gehe es um die "Standardvereinbarung zwischen Amazon und den Marktplatzhändlern" sowie um die Auswahl der in der Kauf-Box - also dem Einkaufswagen-Feld - angezeigten Händler.

In Deutschland hat Amazon gerade erst auf Druck des Bundeskartellamts zahlreiche Änderungen im Umgang mit den Händlern auf der Internet-Handelsplattform zugesagt, die am 16. August in Kraft treten sollen. Die deutschen Wettbewerbshüter stellten daraufhin das Verfahren gegen den US-Konzern ein.

Amazon verkauft zum einen als Einzelhändler Produkte auf seiner Website. Zum anderen stellt das Unternehmen einen Online-Marktplatz zur Verfügung, über den unabhängige Händler ihre Produkte direkt an Verbraucher verkaufen könnten.

Nach Ansicht der EU-Kommission sammelt Amazon auf dem Marktplatz für unabhängige Händler "fortlaufend Daten über die Tätigkeit auf seiner Plattform". Laut ersten Erkenntnissen der Kommission scheint Amazon "wettbewerbssensible Informationen über Marktplatzhändler, ihre Produkte und die von den Händlern auf der Plattform vorgenommenen Transaktionen zu nutzen".

Bei den Standardvereinbarungen mit den Marktplatzhändlern wollen die EU-Wettbewerbshüter nun untersuchen, "ob und wie die Nutzung der Daten, die Amazon als Einzelhändler über die Marktplatzhändler sammelt, den Wettbewerb beeinträchtigt".

Die Anzeige von Händlern im Einkaufswagen-Feld ist auf dem Amazon-Marktplatz entscheidend für den Absatz, denn der Kunde kann das Produkt mit einem Klick kaufen. Die Kommission will nun prüfen, welche Rolle Daten bei der Auswahl von Händlern spielen, die den Platz in der Kauf-Box bekommen. Amazon wählt die angezeigten Anbieter über einen Algorithmus aus, dessen genaue Kriterien nicht bekannt sind.

Das Unternehmen erklärte, man werde bei der Untersuchung "vollständig mit der Europäischen Kommission kooperieren". Gleichzeitig bekräftigte Amazon das Ziel, "Firmen aller Größen zu unterstützen und ihnen beim Wachstum zu helfen".

hej/AFP

insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Georg_Alexander 17.07.2019
1. Amazon hat wahrscheinlich einen Wettbewerbsvorteil
weil es die Verkäufe aller Artikel (inkl. Marktplatz) genau beobachten kann. Wenn ein Artikel hochläuft, wird er schnell von Amazon ebenfalls angeboten und umgekehrt springt Amazon bei nachlassender Nachfrage rechtzeitig ab... Ich bin mir nicht sicher, ob alle Amazon-Teilnehmer den gleichen Informationsstand (und vor allem Auswertungskapazitäten!) haben.
Seraphan 17.07.2019
2.
Ich sehe bei amazon zwei eindeutige Faktoren, die den Wettbewerb beeinflussen. Zum einen werden sie sich selbst immer einen Vorteil vor anderen Anbietern geben. Zum anderen wird oftmals unter fragwürdigen Umständen ein Beweis für den rechtmäßigen Erwerb von Produkten verlangt. Der Händler muss in diesen Fällen eine Rechnungskopie beibringen, die amazon natürlich Einkaufspreise und die Quelle incl. Kontaktmöglichkeiten verrät. Einfacher kann man nicht einkaufen.
taboon 17.07.2019
3.
Zitat von Georg_Alexanderweil es die Verkäufe aller Artikel (inkl. Marktplatz) genau beobachten kann. Wenn ein Artikel hochläuft, wird er schnell von Amazon ebenfalls angeboten und umgekehrt springt Amazon bei nachlassender Nachfrage rechtzeitig ab... Ich bin mir nicht sicher, ob alle Amazon-Teilnehmer den gleichen Informationsstand (und vor allem Auswertungskapazitäten!) haben.
Nicht nur das. Amazon geht bei gut laufenden Produkten auf die Hersteller zu und sichert sich gute Konditionen und kann damit Markplatz Anbieter immer unterbieten. Amazon muss ja keine Marktplatz Gebühren bezahlen und der Hersteller wird Amazon immer ein besseren Deal anbieten müssen, als seinen andern Händlern. Weil Amazon sonst das Produkt nicht mehr bei sich listet und der Hersteller gekniffen ist. Das Internet begünstigt leider Monopole und die sind für Verbraucher niemals gut.
112211 17.07.2019
4. Insgesamt
Ich stelle mir die Frage, wie Verbraucher überhaupt auf die Idee kommen, auch nur ein einziges Produkt zu bestellen, wo doch so viele Gründe bekannt sind, die gegen Amazon als online Kaufhaus sprechen.
charly05061945 18.07.2019
5. Amazon
Welcher Händler wird denn mit Waffengewalt dazu gezwungen seine Produkte über die Amazon-Plattform azubieten?
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