Quartalszahlen der IT-Konzerne Kampf der Web-Giganten

Google, Facebook, Apple, Yahoo, Amazon: Gleich fünf Silicon-Valley-Konzerne legten diese Woche ihre Quartalszahlen vor. Am Ende gab es zwei große Sieger - und einen überraschenden Verlierer.

New Yorker Börse: Wer kann den jüngsten Tech-Boom verfestigen?
AFP

New Yorker Börse: Wer kann den jüngsten Tech-Boom verfestigen?

Von , New York


Larry Page ließ sich entschuldigen. Googles Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender werde an den Bilanz-Konferenzschaltungen "nicht länger regelmäßig teilnehmen", sagte Patrick Pichette, der Finanzchef des Such-Giganten, der ihn vertrat: "Er wird seine Energie darauf konzentrieren, das Unternehmen zu leiten."

Die Wall-Street-Analysten freilich, die am Donnerstagabend mit in der Leitung hingen, wussten, worum es wirklich ging - weshalb auch keiner nachfragte: Page leidet seit längerem an einer Stimmbandlähmung. Schon voriges Jahr hatte er angekündigt, auf die Bilanzpräsentationen zu verzichten. So sei er wahrscheinlich auch ein besserer CEO - "weil ich meine Worte nun vorsichtiger wähle".

Vorsichtige Worte hätte er diesmal aber sowieso kaum gebraucht: Nachdem schon das vorherige Quartal gebrummt hatte, legte Google im letzten Quartal 2013 nun mit fulminanten Ergebnissen nach. Trotz höherer Verluste bei seiner (Noch)-Handy-Tochter Motorola steigerte der Internet-Konzern seinen Umsatz um 17 Prozent auf 16,9 Milliarden Dollar - und schlug damit alle Erwartungen.

Hauptgrund dafür war die Online-Werbung, mit der Google 14,1 Milliarden Dollar verdiente, ebenfalls 17 Prozent mehr. Prompt schoss die Aktie im nachbörslichen Handel steil hoch, erreichte vorübergehend sogar 1188 Dollar - ein Plus von fast 60 Prozent in zwölf Monaten.

Wer verliert, wer kann den jüngsten Tech-Boom verfestigen?

Es war der furiose Abschluss einer atemlosen Bilanzwoche, in der Amerikas Web-Giganten Kopf an Kopf gegeneinander antraten. Apple, Yahoo, Facebook, Amazon, Google - nicht nur die Wall Street war gespannt: Wer siegt, wer hält durch, wer verliert - und wer kann den jüngsten Tech-Boom verfestigen?

Am Ende gingen Veteran Google und Frischling Facebook aus dem Rennen als die Gewinner hervor - und, zählt man die Vorwoche, Urahn Microsoft aus Seattle, der ebenfalls mit einem Rekordquartal glänzte.

Alle drei waren mal abgeschrieben worden, als Altlast (Microsoft, Google) oder Grünschnabel (Facebook) - und alle drei haben sich nun behauptet. Vor allem Facebook dürfte seinen erst zehnten Geburtstag am Dienstag feiern: Der Konzern ist endlich erwachsen geworden.

Dabei ging fast unter, dass Google - anders als Facebook - mit dem Schwenk zum wachsenden Mobilgeschäft immer noch Probleme hat. Eine Messlatte dafür sind die Kosten pro Klick für Mobilwerbung - also das Geld, das die Werbekunden Google für jeden Klick zahlen. Die sinken seit zwei Jahren und sinken auch jetzt weiter, wenngleich nicht mehr ganz so schnell - um zwei Prozent im Quartalsvergleich und elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Aus dem Hardware-Geschäft zieht sich Google ohnehin ganz zurück: Den defizitären Handy-Hersteller Motorola, der im letzten Quartal 384 Millionen Dollar verlor, will es nach nur knapp zwei Jahren nun schnell wieder abstoßen.

Amazon nicht so stark wie erwartet

Wie zweischneidig Erfolg sein kann, spürte dagegen Amazon. Der Online-Händler legte zwar ebenfalls eine gute Bilanz hin, mit 25,6 Milliarden Dollar Quartalsumsatz, einem Plus von 20 Prozent. Weil das aber trotzdem unter den Erwartungen der Kaffeesatzleser lag und die Prognose fürs nächste Quartal auch nicht rosig ist, vollführte die Aktie Bocksprünge.

Auch lief das Weihnachtsgeschäft schlechter als erhofft - woran aber nicht Amazon schuld war, sondern der Paketdienst UPS, bei dem es starke Lieferverzögerungen gab. Letztendlich blieb Amazons Gewinn schwach. "Sie haben bei der Profitabilität viele Blankoschecks bekommen", sagte Internet-Analyst Colin Gillis dem "Wall Street Journal". "Vielleicht ist das jetzt vorbei."

Die großen Verlierer: Apple und Yahoo. Der iPhone-Hersteller enttäuschte die Wall Street, trotz abermaliger Rekordzahlen. Und beim dauerkriselnden Yahoo hat selbst die charismatische Wunderfrau Marissa Mayer das Steuer noch nicht herumreißen können.

Eine Lehre aus dem Zahlensalat, der diese Woche im Silicon Valley serviert wurde: Nichts ist auf immer entschieden, keiner auf immer Favorit - Kultkonzerne können stürzen und Totgesagte ebenso wiederauferstehen.

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insgesamt 50 Beiträge
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Seite 1
KuGen 31.01.2014
1. Verlierer ?
M;üssen Wirtschaftsnachrichten in die Form eines Kriegs oder Sportwettkampfs gepresst werden ? hat der Autor ansonsten Angst, der leser könnte darüber hinweg lesen.
manten75 31.01.2014
2. Keine Ahnung von der Materie
Sätze wie:"Am Ende gingen Veteran Google und Frischling Facebook aus dem Rennen als die Gewinner hervor ". Beides sind frischlinge im Verglich zu den anderen 3 (bzw. 4 mit MS)
sok1950 31.01.2014
3. irreführende Überschrift
Zitat von sysopAFPGoogle, Facebook, Apple, Yahoo, Amazon: Gleich fünf Silicon-Valley-Konzerne legten diese Woche ihre Quartalszahlen vor. Am Ende gab es zwei große Sieger - und einen überraschenden Verlierer. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/amazon-google-facebook-was-die-quartalszahlen-bedeuten-a-950308.html
Wer glaubt tatsächlich an einen "Kampf"? Der Markt ist ordentlich unter den Firmen aufgeteilt und im jeweiligen Hauptgeschäft kommen diese Firmen sich nicht in Gehege. Pheriphere Überschneidungen werden als "gnadenloser Wettbewerb" darfestellt und unsere weichgespülten Journalisten der Barbie-Generation (und dazu zähle ich auch männliche Vertreter) fallen darauf ein.
fessi1 31.01.2014
4. Nahezu jeder Bedeutende Autokonzern wpar schon fast pleite
Zitat von sysopAFPGoogle, Facebook, Apple, Yahoo, Amazon: Gleich fünf Silicon-Valley-Konzerne legten diese Woche ihre Quartalszahlen vor. Am Ende gab es zwei große Sieger - und einen überraschenden Verlierer. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/amazon-google-facebook-was-die-quartalszahlen-bedeuten-a-950308.html
Dennoch gibt es sie immernoch. Manche größer als je zuvor. Warum sollte es mit den Riesen der Techbranche anders sein... Gerade die Pioniere erweisen sich oft als Stehaufmännchen.
nikiname 31.01.2014
5. Deprimierend
... "enttäuschte trotz Rekordzahlen"... Wie soll es nur weitergehen, wenn es schon nicht reicht, trotz übersatter Konsumenten Gewinne zu machen? Langweilen schon Rekorde? Langweilt es schon, ein stabiles Geschäft, sprich Stagnation, gleichbleibende Gewinne zu haben? Irgendwie ist da doch jedes Maß verloren. Es scheint schon lange nicht mehr zu reichen, dass man sehr gut auskommt.
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