Online-Händler Amazon will Mini-Drohnen einsetzen

Amazon testet den Einsatz von Mini-Drohnen. Laut Konzernchef Jeff Bezos sollen die automatischen Flugmaschinen künftig Ware schneller zum Kunden bringen. Starten könnte die ungewöhnliche Zustellung in vier bis fünf Jahren.
Online-Händler: Amazon will Mini-Drohnen einsetzen

Online-Händler: Amazon will Mini-Drohnen einsetzen

Foto: AFP/ Amazon

New York - Amazon will in einigen Jahren Bestellungen mit automatischen Mini-Drohnen zustellen. Der Konzern arbeite an eigenen Fluggeräten, sagte Gründer Jeff Bezos am Sonntag dem US-Sender CBS . Die Idee sei, dass die "Octocopter" bestellte Ware binnen 30 Minuten zum Käufer bringen. Bezos schränkte ein, dass noch weitere Tests und Zulassungen der Luftfahrt-Behörde FAA nötig seien. Er rechne allerdings damit, die Zustelloption in vier bis fünf Jahren anbieten zu können. Einen Namen für den Service hat er bereits: "Prime Air".

Die Dienstleistung dürfte für kleine und besonders eilige Bestellungen auf kurze Entfernung vorbehalten bleiben: Die achtmotorigen Drohnen könnten Waren mit einem Gewicht von bis zu 2,5 Kilo transportieren und pro Lieferung etwa 16 Kilometer zurücklegen, sagte Bezos.

Offen ist, ob es sich bei den Ankündigungen um einen PR-Gag handelt und wie realistisch das Projekt wirklich ist. Das Team der CBS-Sendung "60 Minutes" konnte zumindest Prototypen der Drohnen bei Amazon filmen. Der Konzern demonstriert den Plan in einem Video, in dem eines der Fluggeräte eine Bestellung direkt vom Band eines Logistikzentrums abholt und damit vor einem Haus landet. Die FAA arbeitet allerdings erst noch daran, Regeln für den möglichen Einsatz unbemannter Drohnen im US-Luftraum zu erarbeiten.

In Deutschland dürfte der Einsatz rechtlich unzulässig sein. Wer eine Drohne steigen lassen will, braucht dafür normalerweise eine Genehmigung - entweder für einen Einzelflug oder für wiederholten Einsatz. In jedem Fall verlangt die deutsche Luftverkehrsordnung, dass der Pilot sein Gerät stets im Blick haben muss.

Drohnen als Pizzaboten, Wildhüter, Fotografen

In der Wirtschaft werden schon länger zivile Einsatzmöglichkeiten von Drohnen erprobt. Im Sommer sorgte die Pizzakette Domino's mit einem YouTube-Video für Aufsehen. Es zeigt eine Drohne, die zwei Pizzen ausliefert. Andere nutzen Drohnen längst: In Asien fungieren die Flugobjekte als Wildparkhüter, mit Kameras ausgestattet überfliegen sie vollautomatisch schwer zugängliche Dschungel-Gebiete und überwachen Orang-Utans und andere Tiere.

Mögliche Einsatzfelder für Drohnen gibt es genug: die Polizeistreife, die Werbefotografie, die Gebäudewartung. Die US-Regierung hat bereits begonnen, Gesetze für eine zivile Nutzung unbemannter Flugobjekte zu lockern; die Federal Aviation Administration, Amerikas zentrale Luftfahrtbehörde, prognostiziert, dass solche Drohnen ab 2015 im Einsatz sein könnten.

cte/dpa