Streit um Milliardengeschäft Amazon klagt gegen Pentagon-Auftrag für Microsoft

Microsoft soll für das US-Verteidigungsministerium eine Cloud für Militärdaten aufbauen. Konkurrent Amazon geht juristisch gegen den milliardenschweren Deal vor. Der Vorwurf: "unverkennbare Voreingenommenheit".

Amazon-Chef Jeff Bezos: Nun klagt sein Unternehmen wegen des Jedi-Auftrags des Pentagons
Michael Reynolds/ EPA/ DPA

Amazon-Chef Jeff Bezos: Nun klagt sein Unternehmen wegen des Jedi-Auftrags des Pentagons


Amazon geht gerichtlich gegen die Vergabe eines milliardenschweren Cloud-Computing-Auftrags des US-Verteidigungsministeriums an den Konkurrenten Microsoft vor. Ein Amazon-Sprecher bestätigte in der Nacht zu Samstag, Amazon habe wegen der umstrittenen Auftragsvergabe Klage eingereicht. Marktbeobachter hatten mit diesem Schritt gerechnet.

Im Vergabeverfahren habe es "klare Mängel, Fehler und unverkennbare Voreingenommenheit" gegeben, hatte Amazon zuvor öffentlich kritisiert. Die Vergabe von Regierungsaufträgen müsse "frei von politischem Einfluss" geschehen.

Amazon-Chef Jeff Bezos gehört die "Washington Post", eine Zeitung, die kritisch über US-Präsident Donald Trump berichtet. Trump wiederum wettert häufig gegen Bezos und Amazon.

Bis zu neun Milliarden Euro binnen zehn Jahren

Der genaue Inhalt der Klage ist nicht bekannt. Amazon strebe eine gerichtlich angeordnete Geheimhaltung für seine Einreichungen an, hieß es. Dem Konzern zufolge geht es um "geschützte Informationen, Geschäftsgeheimnisse und vertrauliche Finanzinformationen", deren Veröffentlichung für jede der Parteien "einen schweren Wettbewerbsnachteil bedeuten könnte".

Das Pentagon hatte Ende Oktober mitgeteilt, dass der unter dem Projektnamen Jedi ("Joint Enterprise Defense Infrastructure Cloud") geführte Cloud-Computing-Auftrag an Microsoft gehen werde. Im Vertrag ist eine Obergrenze von bis zu umgerechnet rund neun Milliarden Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren festgeschrieben, wie das Pentagon damals mitteilte. Fest vereinbart seien aber zunächst umgerechnet rund 900.000 Euro innerhalb von zwei Jahren.

Um den Auftrag hatte sich unter anderem auch Amazon beworben. Der weltgrößte Online-Händler galt lange als Favorit im Rennen um den Zuschlag. Nach der Vergabe hatte Amazon-Sprecher Drew Herdener sich überrascht gezeigt. Die Amazon-Tochterfirma Amazon Web Services sei der klare Marktführer im Cloud Computing, und eine detaillierte Bewertung der Angebote führe eindeutig zu einem anderen Schluss.

Das Pentagon hatte das Vergabeverfahren dagegen als "fair" bezeichnet. Microsoft hatte in einer Stellungnahme zur Entscheidung betont, dass es von einem "detaillierten, gründlichen und fairen" Prozess ausgehe, bei dem festgestellt worden sei, dass Microsoft das richtige Unternehmen für diesen Auftrag sei.

mbö/dpa/Reuters



insgesamt 9 Beiträge
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emm_wie_maikel 23.11.2019
1. 900.000?
? - - - - - - - Nach Rücksprache mit dem Autor: ja, klingt komisch, ist aber nach Stand der Dinge so..., mfG Redaktion Forum
Dingdongdeh 23.11.2019
2.
Ob Shopping, Prime Video oder Music: Die IT bei Amazon ist grottig. Die Suchergebnisse sind häufig seltsam, Bewertungen verschiedener Produkte werden zusammen gepackt. Und manchmal hat man das Gefühl, dass die Server vom Anfang des Jahrtausends stammen, so langsam erfolgt der Seitenaufbau (auch bei schnellen Leitungen)
frenchie3 23.11.2019
3. Wenn Amazon der absolute Platzhirsch ist
kann sich Washington damit verteidigen kein Monopol unterstützen zu wollen bzw überhaupt zu schaffen :-)) Ich wünsche mir zu Weihnachten daß man eine mit Edding gemachte Notiz findet mit inhaltlich "no money for this bastard". Lieber Weihnachtsmann, ist das drin?
papillion33 23.11.2019
4. Business as usual
….wie in einem autokratischen System üblich - wer nicht spurt, wird gestraft. Eine US-Politikwissenschaftlern, warnte, dass grundlegende Ideale der US-Demokratie aktuell in erheblicher Gefahr seien - welch eine Erkenntnis.
Atheist_Crusader 23.11.2019
5.
"Das Pentagon hatte das Vergabeverfahren dagegen als fair bezeichnet"? Wahrscheinlich im Wortlaut: "Die fairste Entscheidung aller Zeiten. Noch niemals in der Geschichte war eine Entscheidung so fair wie diese! Leute haben die Entscheidung gesehen und gesagt: Das ist eine perfekte Entscheidung! So fair!". Ich hab für Bezos auch nicht viel Sympathie, aber der Gedanke drängt sich schon auf.
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