»Unzulässig beeinflusst« Amazon muss Gewerkschaftswahl in USA wiederholen

Abgefilmte Wahlurnen und Slogans auf dem Klo: Als ein Amazon-Logistiklager vor einem Jahr über eine Gewerkschaftsvertretung abstimmte, griff das Unternehmen zu bizarren Gegenmitteln. Nun wird die Wahl wiederholt.
Arbeiter-Proteste in New York (2021): Bis jetzt gibt es in Amazons US-Lagern keine einzige Gewerkschaft

Arbeiter-Proteste in New York (2021): Bis jetzt gibt es in Amazons US-Lagern keine einzige Gewerkschaft

Foto: Seth Wenig / AP

An keinem einzigen Amazon-Logistiklager in den USA gibt es bisher eine Gewerkschaft. Das sollte sich bereits vor einem Jahr ändern: Damals versuchten die Beschäftigten eines Lagers in Bessemer im Bundesstaat Alabama eine Arbeitervertretung zu installieren. Die Wahl scheiterte, möglicherweise aber auch deshalb, weil das Unternehmen die Abstimmung torpedierte.

So sprach sich die Geschäftsleitung bei Konferenzen und sogar auf Flyern in den Toiletten gegen Gewerkschaften aus. Sie richtete eine Internetseite ein, auf der sie Argumente anführte, warum eine Gewerkschaft unnötig sei. Sie schickte Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bis zu fünfmal täglich Warn-SMS, dass ihre Löhne durch eine Gewerkschaft schrumpfen könnten. Wahlurnen wurden offenbar so platziert, dass die Stimmabgabe nur in Reichweite von Sicherheitskameras durchgeführt werden konnte. Darüber hinaus wurden die Boxen mit Zelten umstellt, auf denen Slogans des Unternehmens standen.

Wahl muss wiederholt werden

Die US-Arbeitsschutzbehörde NLRB befand letztlich, dass Amazon die Wahl unzulässig beeinflusst habe. Ab diesem Freitag wird die Abstimmung deshalb wiederholt, bis zum 25. März können Angestellte über einen Beitritt zur Gewerkschaft RWDSU entscheiden.

Vor einem Jahr hatten von den 5876 wahlberechtigten Mitarbeitern im Lager lediglich 3041 ihre Stimme abgegeben. 738 stimmten dafür, 1798 dagegen – ein deutlicher Sieg für Amazon, der später de facto annulliert wurde.

Weitere Lager organisieren Gewerkschaftswahlen

Auch in anderen US-Verteilzentren beginnen Amazon-Mitarbeiter, sich gewerkschaftlich zu organisieren. In New York laufen in mehreren Lagern die Planungen für eine mögliche Wahl, die von der Gruppe Amazon Labour Union organisiert werden. Das Unternehmen selbst hat sich stets gegen Gewerkschaften ausgesprochen und auf seine im Branchenvergleich höheren Gehälter verwiesen.

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Beinahe zeitgleich mit dem Beginn der neuen Wahl verkündete Amazon seine Geschäftszahlen. So hat das Unternehmen im Weihnachtsquartal prächtig verdient und seine Gewinnerwartungen weit übertroffen: Der Überschuss betrug 14,3 Milliarden Dollar – und fiel damit fast doppelt so hoch aus wie vor einem Jahr.

rai/dpa
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