"Prime Day" Amazon-Mitarbeiter streiken an Aktionstag

Ausstand am Schnäppchentag: Bei Amazon legten Angestellte an sieben deutschen Standorten nach einem Ver.di-Aufruf zum Montag die Arbeit nieder. Sie fordern Tariflöhne.

Hier wird noch sortiert: Amazon-Standort in Rom
RICCARDO ANTIMIANI/EPA-EFE/REX

Hier wird noch sortiert: Amazon-Standort in Rom


Am "Amazon Prime Day" im vergangenen Jahr hat der Onlinehandels-Riese mehr als 100 Millionen Produkte verkauft. Auch dieses Jahr dürften Schnäppchenjäger weltweit auf die Aktionsangebote hoffen. Amazon-Mitarbeiter in Deutschland wollen den Tag unterdessen nutzen, um ihre Forderung nach besserer Bezahlung durchzusetzen. Beschäftigte an sieben deutschen Standorten sind deshalb in den Streik getreten.

Die Arbeitsniederlegungen begannen in der Nacht auf Montag, sagte Orhan Akman von der Gewerkschaft Ver.di. Genauere Angaben zur Beteiligung konnte Akman zunächst nicht machen. "Wir rechnen mit einer guten Beteiligung."

Amazon hatte im Vorfeld erklärt, dass der Streikaufruf keinen Einfluss auf die Lieferungen an die Kunden haben werde. "Die überwältigende Mehrheit unserer Mitarbeiter arbeitet normal", sagte ein Konzernsprecher. "Die Pakete kommen an."

Ver.di fordert für die Amazon-Beschäftigten Tarifeinkommen wie im Einzel- und Versandhandel. Dafür solle Amazon regionale Flächentarifverträge anerkennen. "Während Amazon mit satten Preisnachlässen beim Prime-Day zur Schnäppchenjagd bläst, wird den Beschäftigten eine existenzsichernde tarifliche Bezahlung vorenthalten", kritisierte Ver.di-Handelsexperte Akman.

Ver.di: Gehälter "nach Gutsherrenart"

Die Rabatte an die Kunden lasse sich Amazon "durch Tarifflucht und Niedriglöhne der eigenen Beschäftigten bezahlen", sagte der Gewerkschafter. "Damit muss Schluss sein." Die Löhne und Gehälter bei Amazon dürften nicht länger "nach Gutsherrenart bestimmt" werden.

Gestreikt wird nach Ver.di-Angaben an den Amazon-Standorten in Werne, Rheinberg, Leipzig, Graben, Koblenz sowie an den zwei Standorten in Bad Hersfeld. Der Ausstand steht unter dem Motto "Kein Rabatt mehr auf unsere Einkommen". In ganz Deutschland hat Amazon zwölf Warenlager an elf Logistikstandorten und beschäftigt nach eigenen Angaben rund 13.000 Angestellte.

Ver.di argumentierte, dass das Geld für eine bessere Bezahlung der Amazon-Mitarbeiter "vorhanden" sei. Die Gewerkschaft verwies dazu darauf, dass Amazon allein im ersten Quartal dieses Jahres nach eigenen Angaben weltweit einen Rekordgewinn von rund 3,2 Milliarden Euro erzielt habe.

Amazon: "Kollegiales Umfeld und attraktive Löhne"

Der Konzern wies die Forderungen der Gewerkschaft zurück. "Amazon beweist jeden Tag, dass man auch ohne Tarifvertrag ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber sein kann", sagte ein Unternehmenssprecher. "Amazon bietet ein kollegiales Umfeld und attraktive Löhne."

Der Konzern teilte mit, er bezahle in seinen deutschen Logistik-Zentren "am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich" sei. In Deutschland begännen die Amazon-Mitarbeiter mit einem Lohn von umgerechnet mindestens 10,78 Euro brutto pro Stunde. Nach 24 Monaten seien es im Durchschnitt 2397 Euro brutto im Monat.

Zugleich kündigte Amazon an, bis Ende 2019 mehr als 2800 neue, unbefristete Arbeitsplätze schaffen zu wollen. Ebenfalls für dieses Jahr sei die Eröffnung des 13. Logistikzentrums in Mönchengladbach geplant.

Greenpeace demonstriert gegen Retouren-Vernichtung

Die Umweltorganisation Greenpeace hat anlässlich des Prime Days unterdessen bei Amazon in Winsen gegen die Vernichtung zurückgesandter neuer Waren protestiert. Die Aktivisten seien am Sonntagabend auf das Gebäude und hätten aus Versandkartons einen 27 Meter langen Schriftzug "Für die Tonne" errichtet, hieß es von Greenpeace.

Greenpeace-Protest in Winsen
Georg Wendt / DPA

Greenpeace-Protest in Winsen

"Wir wollen auf die klimaschädliche Ressourcenvernichtung bei Amazon aufmerksam machen", sagte Viola Wohlgemuth von Greenpeace. Amazon teilte am Sonntag mit, rechtliche Schritte gegen die Organisatoren der Aktion zu prüfen. Diese Art von Protest sei illegal und gefährde unnötig alle Beteiligten und Mitarbeiter.

Greenpeace zufolge gehen rund 30 Prozent aller Amazon-Retouren nicht wieder in den direkten Verkauf. Der kritisierte Konzern hatte dazu im Juni erklärt, die überwiegende Mehrheit der zurückgegebenen Produkte komme erneut in den Verkauf, gehe an Lieferanten zurück oder werde je nach Zustand an gemeinnützige Organisationen gespendet.

kko/AFP/dpa/dpa-AFX



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