Lieferdienst Amazon steigt bei Deliveroo ein

Amazon setzt nun auch aufs Essensliefergeschäft und kauft einen großen Anteil des britischen Start-ups Deliveroo. Die Aktienkurse von dessen Konkurrenten fallen deshalb stark.

Fahrer mit einer Deliveroo-Auslieferungsbox
DPA

Fahrer mit einer Deliveroo-Auslieferungsbox


Amazon treibt mit einer Investition in Millionenhöhe seinen Einstieg ins europäische Lebensmittelgeschäft voran: Der US-Onlinehandelsriese führt als größter Einzelinvestor eine 575 Millionen Dollar schwere Finanzierungsrunde für den britischen Lieferdienst Deliveroo an.

Mit dem Geld will das Start-up weiter wachsen. Die Firma arbeitet bislang mit 80.000 Restaurants zusammen und liefert in 500 Städten in 14 Ländern mithilfe von 60.000 Fahrern Essen aus. Die Nutzer sollten künftig noch mehr Auswahlmöglichkeiten angeboten bekommen, die besser auf den individuellen Geschmack zugeschnitten seien, sagte Deliveroo-Gründer und Unternehmenschef Will Shu.

Außerdem solle die Finanzspritze von Amazon dabei helfen, "neue Jobs in allen Ländern zu schaffen, in denen wir tätig sind". Entstehen sollten dabei "flexiblere, gutbezahlte Jobs für Fahrer".

Fahrer beschweren sich über schlechte Arbeitsbedingungen

Das Unternehmen war in der Vergangenheit immer wieder für seine Arbeitsbedingungen der Fahrer kritisiert worden. In Deutschland etwa hatte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) im Februar mit Blick auf Dienste wie Deliveroo gefordert, ein "sozialpolitischer Wilder Westen" müsse bei der Arbeit über digitale Plattformen verhindert werden.

Die Aktienkurse von Deliveroo-Konkurrenten gerieten nach Bekanntwerden des Amazon-Einstiegs deutlich unter Druck: Die Aktien der niederländischen Firma Takeaway verloren 6,5 Prozent, die Papiere des deutschen Konzerns Delivery Hero gaben rund vier Prozent nach. Anteile des britischen Unternehmens Just Eat brachen gar um fast elf Prozent ein.

Zuletzt hatte die Konsolidierung im Online-Lebensmittelmarkt stetig zugenommen. Delivery Hero hatte im Dezember sein Deutschlandgeschäft an Takeaway verkauft. Im Kampf um Marktanteile hatten beide Millionen für Werbung ausgegeben - und sich in eine prekäre Lage gebracht.

hej/AFP



insgesamt 3 Beiträge
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stelzerdd 17.05.2019
1. So ist das...
..mit den amerikanischen Internet-Kraken. Die kaufen mit ihrem virtuellen Geld die Konkurrenz auf und machen dann den Rest platt. Unbedingt brauchen wir jetzt auch Uber in Deutschland und Europa, damit die Taxifahrer hier Pleite gehen, Amateure ohne Personenbeförderungserlaubnis zu Schandpreisen durch die Gegend kutschen und die Gewinne unversteuert in die USA fließen. Es wird Zeit, daß Europa sich wehrt.
archi47 17.05.2019
2. wo sind denn die Monopolüberwacher
der EU, oder GB? Es sollte hier vorbeugende jede weitere Verklumpung verhindert werden. Nachsorge ist schwieriger ...
quark2@mailinator.com 17.05.2019
3.
Volle vertikale Integration, das ist der optimale Monopolismus und den Schaden haben Kunden und Staat. Es ist mir unverständlich, warum sowas zugelassen wird. Erst hat man viele kleine Pizzaverkäufer und einzelne Fahrer. Da kommt das Geld jeweils direkt in den Familien an. Dann hat Deliveroo nun ein schönes Duopol gebildet, was das Ausfahren und den Webvertrieb angeht. Da kommt die einzelne Pizzabude nicht gegen an, muß teilnehmen und ihre Schutzgebühr abdrücken. Und die Fahrer haben auch keine Wahl mehr. Das Geld verschwindet nach oben. Nun steigt Amazon ein, integriert irgendwann die ganzen Fahrer in den eigenen Paketvertrieb, der eben nebenbei noch Pizzas bringt ... und alles läuft über eine Datenbank, so daß die Krake dann noch weiß wann man was ißt. Diese Art datengetriebener Turbokapitalismus nervt total. Ich kann nur wiederholen, was ich schonmal schrieb: Amazon ist das neue Standart Oil und die Reaktion sollte die gleiche sein. Das ist mMn. nicht in Ordnung so.
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