Ärger in Seattle Amazon boykottiert Obdachlosen-Steuer

Die Stadt Seattle erhebt eine neue Steuer, um Armut zu bekämpfen - doch der größte Arbeitgeber Amazon will nicht zahlen. Jetzt stoppt der Konzern ein Bauprojekt für 7000 Jobs, die Rede ist von Erpressung.
Amazon-Gebäude und Baustelle in Seattle

Amazon-Gebäude und Baustelle in Seattle

Foto: Elaine Thompson/ AP

Um sich einer neuen Steuer gegen Obdachlosigkeit zu widersetzen, lässt Amazon einen Streit mit seiner Heimatstadt Seattle eskalieren, wie die "New York Times" berichtet . Aus Protest gegen eine geplante Armen-Steuer hat das Milliardenunternehmen den Bau eines neuen Büroturms im Herzen der Stadt gestoppt und damit 7000 Jobs auf Eis gelegt. Zudem drohte Amazon am Mittwoch, ein weiteres im Bau befindliches Riesenhochhaus gar nicht erst in Betrieb zu nehmen.

Damit reagiert Amazon auf die Erwägung des Stadtrats von Seattle, eine neue Steuer einzuführen, die großen Arbeitgebern der Stadt etwa 500 Dollar pro Mitarbeiter berechnet und dazu verwendet werden soll, die Wohnungsnot zu lindern. Nach Einschätzung der "New York Times" zielt die Steuer direkt auf Amazon ab, denn die Firma ist Seattles größter Arbeitgeber und wird regelmäßig von den Einwohnern beschuldigt, die Wohnungspreise in die Höhe zu treiben.

Stadtrat wirft Bezos Erpressung vor

Seattles Bürgermeisterin zeigte sich erschrocken über Amazons Ankündigung. "Ich bin zutiefst beunruhigt über die Auswirkungen, die diese Entscheidung über eine Reihe von Jobs haben wird", sagte Jenny Durkan. Gleichzeitig müsse sich die Stadt dringend um ihre Obdachlosen kümmern und all diejenigen, die sich die steigenden Mieten nicht mehr leisten können.

Amazon-Gründer Jeff Bezos gilt als der reichste Mann der Welt. Sein Vermögen wird auf rund 130 Milliarden Dollar geschätzt. Er investiert unter anderem in ein privates Raumfahrtunternehmen.

Stadtratmitglied Kshama Sawant warf dem Unternehmen Erpressung vor, wie die "Seattle Times" berichtete . Seattles Obdachlosenkrise ist dem Blatt zufolge eine der schlimmsten des Landes - mit einem traurigen Rekord von 169 Toten im vergangenen Jahr. Die Abstimmung des Stadtrats über die neue Steuer wird für den 14. Mai erwartet.

lie
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.