Forderung nach Tarifvertrag Ver.di setzt Streik bei Amazon unerwartet fort

Nach sechs Tagen sollte eigentlich Schluss sein, doch Ver.di hat den Streik bei Amazon fortgesetzt: "Wir setzen da noch einen drauf", kündigte die Gewerkschaft an. Hunderte Beschäftigte legten am größten deutschen Standort in Bad Hersfeld die Arbeit nieder.

Protest vor Amazon in Leipzig (Archivbild): Angestellte fordern Tarifvertrag
DPA

Protest vor Amazon in Leipzig (Archivbild): Angestellte fordern Tarifvertrag


Die Streikpause währte nur kurz: Noch am Sonntag hatte Ver.di den aktuellen Arbeitskampf bei Amazon für beendet erklärt und keine weiteren Aktionen angekündigt. Wenige Stunden später folgte die Kehrtwende. Am größten deutschen Standort im hessischen Bad Hersfeld rief die Gewerkschaft dazu auf, vom Beginn der Nachschicht bis zum Ende der Spätschicht am Montagabend erneut die Arbeit ruhen zu lassen.

"Wir setzen da noch einen drauf. Wenn Amazon damit gerechnet hat, dass bei Wochenbeginn wieder Normalität in den Arbeitsablauf kommt, haben sie sich getäuscht", sagte die hessische Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke. Amazon müsse immer wieder mit Streiks rechnen.

In Bad Hersfeld beteiligten sich nach Ver.di-Angaben bis zum Vormittag 300 Beschäftigte an dem Ausstand. Der Streikaufruf galt demnach auch für die beiden NRW-Standorte Werne und Rheinberg.

In den deutschen Amazon-Versandzentren wird seit April 2013 immer wieder gestreikt. Hintergrund der Arbeitsniederlegungen ist ein seit Langem schwelender Streit um einen Tarifvertrag für die Amazon-Beschäftigten in Deutschland. Verhandlungen darüber lehnt das Unternehmen aber strikt ab.

brk/dpa

insgesamt 36 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
JBond 28.09.2015
1. Chaostruppe Ver.di
Was will Ver.di denn noch alles machen, um das letzte bisschen Respekt zu verspielen? Nicht nur, dass sie mit ihren Forderungen gegenüber Amazon allen anderen Mitarbeitern in der Logistikbranche ins Gesicht schlagen (so lange sie nicht fordern, dass die Änderung bei Amazon auch andere Logistiker betreffen soll - was dann aber wiederum gegenüber den Beschäftigten im Einzelhandel schwer zu vermitteln wäre) - jetzt spielen sie auch noch beleidigte Leberwurst, weil ihre Streiks nicht bringen...und machen einfach spontan weiter. Das hat doch mit regulärem Arbeitskampf nichts mehr zu tun - das ist doch reine Profilierung von ein paar Gewerkschafts-Oberen...
nobby_l 28.09.2015
2. Nun ja
"Hintergrund der Arbeitsniederlegungen ist ein seit Langem schwelender Streit um einen Tarifvertrag für die Amazon-Beschäftigten in Deutschland. Verhandlungen darüber lehnt das Unternehmen aber strikt ab." Das ist etwas ungenau. Es gibt einen geltenden Tarifvertrag, der auch eingehalten wird. Verdi möchte nur einen anderen - unpassenden - Tarifvertrag durchsetzen, wogegen Amazon sich berechtigt wehrt.
Lankoron 28.09.2015
3. Immer wieder falsch...
amazon bezahlt nach Tarif, es gibt einen Tarifvertrag. amazon bezahlt nur nicht nach Einzelhandelstarif, und bislang habe ich auch nirgends eine Begründung gefunden, warum amazon in erster Linie Händler und nicht Logistiker ist. Und zum Thema Streikbeteiligung: Schickt bitte einfach mal jemanden vorbei zum Zählen, und fragt mal, wo die Leute wirklich arbeiten. Dann stellt sich nämlich oft genug heraus, dass die Zahlen deutlich niedriger sind, und das Teile der "Streikenden" verdi-Leute zur Unterstützung sind.
joey55 28.09.2015
4. PlanB
Nach 2,5 Jahren vergeblichen Streiks und der Belieferung deutscher Kunden durch ausländische Vertriebszentren sollte Ver.di erkennen, dass sie diesen Streit nicht gewinnen können und einen Plan B präsentieren. Sonst streikt man noch zur Eröffnung des BER...
c.PAF 28.09.2015
5.
Mit #2 und #3 ist eigentlich alles gesagt. Danke! Und: Verdi: nein danke.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.