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28. Juni 2018, 15:13 Uhr

Angebot an Kleinunternehmer

Amazon verspricht Starthilfe für neue Lieferdienste

Der Internetkonzern Amazon will Engpässe bei der Paketzustellung durch unabhängige Lieferdienste schließen. Kleinunternehmer sollen mit Leasingfahrzeugen und Uniformen ausgestattet werden.

Amazon tritt bei Lieferdiensten zunehmend in Konkurrenz zu großen Zustellern. Der Internetkonzern fordert jetzt Unternehmer zur Gründung kleinerer Lieferfirmen auf, die dann bis zu 40 Fahrzeuge mit Amazon-Logo betreiben sollten.

Amazon verspricht den neuen Lieferdiensten "aktive Starthilfe" und einen operativen Gewinn von jährlich bis zu 300.000 US-Dollar. Mit der Zeit will Amazon so eigenen Angaben zufolge Hunderte von kleinen Lieferfirmen gewinnen. Teil des Programms sei es, Amazon-Lieferwagen an Firmen zu "attraktiven Konditionen" zu verpachten und Uniformen, Versicherungsoptionen sowie Unterricht in Firmengründung beizusteuern.

Der Konzern argumentiert, die wachsende Zahl der Paketzustellungen zwinge ihn zum Aufbau des eigenen Lieferdienstes, da die etablierten Zusteller FedEx, UPS und die US-Post mit dem steigenden Aufkommen nicht mehr Schritt halten könnten.

Gefahr für die Post

Schätzungen von Analysten zufolge überstieg die Zahl der Lieferungen in den USA im vergangenen Jahr die Marke von einer Milliarde. Laut "Wall Street Journal" entfallen von 10 Dollar, die Online-Konsumenten ausgeben, im Schnitt mehr als 4 Dollar auf Bestellungen bei Amazon.

Auch hierzulande beauftragt Amazon bereits eigene Auftragszusteller. Die geplante Ausweitung des Amazon-Lieferdienstes wird vor allem als Bedrohung für das Paketgeschäft der Post gesehen - deren wichtigster Großkunde Amazon ist. Amazon probiert üblicherweise Neuerungen im eigenen Land aus, bevor diese auf andere Länder übertragen werden.

Die Post hatte erst kürzlich wegen Problemen in ihrem Brief- und Paketgeschäft eine Gewinnwarnung für das laufende Jahr ausgegeben. Einer der Gründe hierfür liegt Zeitungsberichten zufolge bei Amazon selbst. Denn der US-Konzern ist Kunde und Wettbewerber zugleich - der Post gingen durch Amazon-eigene Zustelldienste Millionenumsätze verloren. Zudem setze der Konzern durch das Umschwenken auf Zusteller wie Hermes den Bonner Logistikkonzern preislich unter Druck, hieß es.

brt/dpa/Reuters

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