James-Bond-Filmstudio Amazon will offenbar MGM übernehmen

Im Wettbewerb um attraktive Streamingangebote interessiert sich Amazon nach Medienberichten für das legendäre Hollywoodstudio MGM. Es geht um Milliarden Dollar – und um die Rechte an vielen Kinoklassikern.
Markenzeichen von MGM: Amazon macht Jagd auf den Löwen

Markenzeichen von MGM: Amazon macht Jagd auf den Löwen

Foto: Mary Evans / imago images

Der brüllende Löwe im Vorspann ist das Markenzeichen von Metro-Goldwyn-Mayer (MGM). Nun hat es Berichten zufolge Amazon auf das fast hundert Jahre alte Filmstudio abgesehen. Amazon führe Kaufgespräche mit MGM, berichteten mehrere Medien. Das Studio habe einen Verkaufspreis von neun Milliarden Dollar angesetzt, schrieb die »New York Times«.

Die Tech-Website »The Information« meldete unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertrauten Person, der aktuelle Stand der Verhandlungen sei unbekannt. Die Gespräche könnten auch ergebnislos bleiben. Der mögliche Kaufpreis liege zwischen sieben und zehn Milliarden Dollar. Amazon wollte keine Stellung nehmen.

Verkaufsgerüchte um MGM kursieren schon seit einigen Monaten. Das Studio wurde 1924 von Marcus Loew und Louis B. Mayer gegründet und feierte bis in die späten 1940er-Jahre seine größten Erfolge. Zu den bekanntesten Produktionen gehören »Ben Hur«, »Doktor Schiwago«, »The Wizard of Oz«, »Rocky« oder die James-Bond-Filme.

Mit der Übernahme bekäme Amazon die gesamte James-Bond-Filmbibliothek und weitere rund 4000 Werke wie »Rocky« und »Robocop«. Zudem betreibt MGM den Kabelkanal Epix. Darüber hinaus produziert das Studio bekannte Fernsehserien wie »The Handmaid's Tale«, »Fargo« und »Vikings«.

MGM ist eines der wenigen Hollywood-Studios, das nicht Teil eines Großkonzerns ist. Größter Anteilseigner von MGM ist der Hedgefonds Anchorage Capital, der nach der Finanzkrise ab 2010 in die strauchelnden MGM-Studios investierte.

MGM hat wie der Rest der Branche in der Pandemie unter geschlossenen Kinos zu leiden, der Start der Blockbuster-Hoffnung »No Time to Die« aus der James-Bond-Reihe musste bereits mehrfach verschoben werden. Dagegen boomt mit fehlenden Ausgehmöglichkeiten in Nordamerika und Europa das Videostreaming zu Hause. Die Anbieter investieren mittlerweile neben dem Ankauf von Lizenzen auch viel Geld in eigene Produktionen. Amazon etwa schraubte die Ausgaben für Inhalte vergangenes Jahr von 7,8 auf 11 Milliarden Dollar hoch.

Der weltgrößte Onlinehändler ist einer der großen Player beim Videostreaming – auch weil sein Angebot im Abodienst Prime mit mehr als 200 Millionen Kunden integriert ist. Aktuell sind auch Netflix und Disney besonders stark in dem Geschäft. Dahinter setzt eine Auslese ein. So beschloss diese Woche der US-Telekomriese AT&T, seine Mediensparte Warnermedia (CNN, HBO, Warner Bros.) mit dem Rivalen Discovery zusammenzulegen, um das Streamingangebot zu stärken.

Und in Frankreich wollen die beiden großen TV-Gruppen TF1 und M6 fusionieren. Der deutsche Bertelsmann-Konzern will den zur RTL-Gruppe gehörenden französischen Privatsender M6 an den Konkurrenten TF1 verkaufen, wie die Unternehmen am Montagabend mitteilten. Ziel ist laut RTL die Schaffung eines neuen Fernseh-»Champions«, der sich gegen weltweit tätige Streaming-Plattformen behaupten kann. Die Fusion bedarf der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden und soll bis Ende 2022 abgeschlossen sein.

mmq/Reuters/dpa
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