Verschärfte Gesetze Amazon will US-Angestellten Reisekosten bei Abtreibungen erstatten

Immer mehr US-Bundesstaaten wollen den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen einschränken. Der Onlinehändler Amazon finanziert Mitarbeitern künftig Reisen bei Eingriffen in größerer Entfernung.
Amazon-Lager in Staten Island (Archivbild)

Amazon-Lager in Staten Island (Archivbild)

Foto: JOHANNES EISELE / AFP

Der Onlinehändler Amazon will seinen Angestellten in den USA künftig die Reisekosten für Abtreibungen erstatten. Damit reagiert er offenbar auf die drohende Einschränkung des Zugangs zu Schwangerschaftsabbrüchen in immer mehr US-Bundesstaaten. Wie der Konzern am Montag bestätigte, wird seine betriebliche Krankenversicherung künftig bis zu 4000 Dollar an Kosten für Reise und Unterkunft bei Behandlungen erstatten, die in einem Umkreis von 160 Kilometer um den Wohnort nicht verfügbar sind.

Zu den Gründen für die Ausweitung der Versicherungsleistung wollte sich das Unternehmen offiziell nicht äußern. Die Ausweitung der Reisekostenerstattungen umfasst neben Abtreibungen unter anderem auch Behandlungen gegen Krebs, Fettleibigkeit, psychische Erkrankungen oder Suchterkrankungen.

Gleichzeitig kürzte Amazon allerdings die Leistungen bei Covid-Erkrankungen. Bot der Konzern seinen rund eine Million Beschäftigten in den USA bislang eine bezahlte Freistellung für die Dauer der Erkrankung an, erhalten sie künftig nur noch fünf Tage unbezahlte Freistellung oder müssen bezahlte Krankheits- oder Urlaubstage in Anspruch nehmen.

Mit der Änderung der Versicherung schließt sich Amazon einer Reihe von Unternehmen an, die ihre weiblichen Angestellten als Reaktion auf die drohende Einschränkung des Rechts auf Abtreibung in vielen konservativ regierten Bundesstaaten unterstützen wollen. Die Citigroup-Bank hatte eine Ausweitung der Reisekostenerstattung bereits im März angekündigt. Der IT-Dienstleister Salesforce hatte Angestellten in Texas eine Versetzung in andere Bundesstaaten angeboten, nachdem dort ein umstrittenes Abtreibungsgesetz in Kraft getreten war.

Der Online-Versandriese steht in den USA wegen der Arbeitsbedingungen in der Kritik. Gewerkschaften und auch Politiker kritisieren, dass die Beschäftigten des 1994 gegründeten Konzerns einem hohen Arbeitsdruck und einer permanenten Kontrolle ausgesetzt seien.

Gründung von zweitem Betriebsrat gescheitert

Am Montag scheiterte im US-Bundesstaat New York der Versuch, eine zweite Gewerkschaftsvertretung bei Amazon zu gründen. Bei der Abstimmung der Mitarbeiter eines Sortierzentrums in Staten Island stimmten 62 Prozent der Teilnehmer gegen eine Vertretung durch die Amazon Labour Union, wie aus am Montag veröffentlichten Zahlen hervorgeht. Demnach stimmten 618 Mitarbeiter gegen eine Gewerkschaftsvertretung und nur 380 dafür. Die Beteiligung lag bei 61 Prozent.

Erst vor wenigen Wochen hatte die Belegschaft eines Amazon-Lagers ganz in der Nähe für die erste Gründung einer Gewerkschaftsvertretung bei Amazon votiert. In dem Lager JFK8 in Staten Island stimmten 55 Prozent der Beschäftigten dafür, von der Amazon Labour Union vertreten zu werden. Hoffnungen der Arbeitnehmerorganisation, diesen Erfolg im gegenüberliegenden Sortierzentrum LDJ5 zu wiederholen, zerschlugen sich jetzt aber.

Amazon stemmt sich seit Jahren gegen die Gründung von Gewerkschaften. In Deutschland kämpft die Gewerkschaft Ver.di seit Jahren dafür, dass die Amazon-Beschäftigten einen Tarifvertrag bekommen und nach dem Tarif für den Einzel- und Versandhandel bezahlt werden.

dab/AFP