Verluste Amazon hat Wachstumsschmerzen

Seine schnelle Expansion und die Krise in Europa haben dem Internethändler Amazon im zweiten Quartal rote Zahlen beschert. Zwar scheint der Vorstoß in neue Geschäftsfelder erfolgreich zu sein. Dennoch erwartet der Konzern zunächst weitere Verluste.

Amazon-Lager in Bad Hersfeld: "Schwäche auf der internationalen Seite"
DPA

Amazon-Lager in Bad Hersfeld: "Schwäche auf der internationalen Seite"


San Francisco - Der weltweit führende Internet-Versandhändler Amazon Chart zeigen hat im zweiten Quartal Verluste geschrieben. Unter dem Strich lag das Minus im Frühjahr bei sieben Millionen Dollar oder zwei Cent pro Aktie. Analysten hatten dagegen mit einem Gewinn gerechnet. Im Vorjahr verbuchte der Ebay Chart zeigen-Konkurrent noch einen hauchdünnen Überschuss von sieben Millionen Dollar.

Für das Sommerquartal prognostizierte Amazon unter anderem wegen geplanter Investitionen in Online-Videos einen Betriebsverlust zwischen 440 und 65 Millionen Dollar. Das Ergebnis dürfte damit deutlich schlechter ausfallen als von Analysten vorhergesagt.

"Das internationale Geschäft war weit schwächer als erwartet und das macht sich bei der Vorhersage bemerkbar", sagte Scott Tilghman von B. Riley & Co. "Wir sehen Schwäche auf der internationalen Seite, die das Inlandsgeschäft nicht ausgleichen kann." Dem Konzern macht besonders die anhaltende Wirtschaftskrise in Europa zu schaffen.

Amazon wächst aggressiv und investiert einen Großteil seiner Gewinne in den Aufbau neuer Geschäftsfelder - wie etwa die E-Reader- und Tabletprodukte aus der Kindle-Reihe. Dieser Kurs scheint sich auszuzahlen, weil Amazon nun zunehmend auch elektronische Inhalte und Hardware verkauft. Mit dem Tablet Kindle Fire und der dazugehörigen Leihbücherei mit mehr als 300.000 Büchern macht Amazon dem iPad von Apple und dem Online-Dienst iTunes Konkurrenz.

Der Umsatz stieg im Berichtszeitraum um 22 Prozent auf 15,7 Milliarden Dollar. Für das dritte Quartal rechnet Amazon mit Umsatzerlösen zwischen 15,45 und 17,15 Milliarden Dollar. Dies wäre ein Zuwachs um zwölf bis 14 Prozent verglichen mit dem dritten Quartal 2012.

In Deutschland war Amazon zuletzt wegen seiner umstrittenen Steuerpolitik und Streiks in die Schlagzeilen geraten. Der Internet-Versandhändler wickelte 2012 einen Großteil des Umsatzes mit deutschen Kunden über Luxemburger Gesellschaften ab und zahlte deswegen in Deutschland kaum Steuern. Deutschland ist der wichtigste Markt für Amazon außerhalb der USA, das Unternehmen erzielt hier ein Drittel der Erlöse. Zuletzt legten Beschäftigte der deutschen Versandzentren mehrfach ihre Arbeit nieder. Sie fordern höhere Löhne. Amazon will den Mitarbeitern aber nicht entgegenkommen.

dab/Reuters



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