Wegen Covid-19-Ausbruch American Airlines streicht Flüge nach Mailand bis Ende April

Italien zählt inzwischen mehr als tausend Coronavirus-Infektionen. Die USA raten nun von Reisen in die besonders betroffenen Regionen ab. Airlines streichen Flüge - und Passagiere stranden.
In Miami und vom New Yorker Flughafen JFK wird bis Ende April kein American-Airlines-Flugzeug nach Mailand abheben

In Miami und vom New Yorker Flughafen JFK wird bis Ende April kein American-Airlines-Flugzeug nach Mailand abheben

Foto: AP Photo/Wilfredo Lee

Am John F. Kennedy International Airport spielten sich am Samstagabend Szenen ab, die kein Reisender gerne erlebt: Der Langstreckenflug steht kurz bevor, es fehlen nur noch wenige Schritte bis zum Sitzplatz im Flugzeug, und dann wird klar - es wird nicht abheben.

So erging es italienischen Medienberichten zufolge am Samstag mehr als 200 Passagieren, die um 18:05 Uhr ihren American-Airlines-Flug von New York nach Mailand antreten wollten. Die Vorbereitungen zum Boarding hätten noch ganz normal stattgefunden, sagte einer der Passagiere, der Anwalt Alessandro Mezzanotte, der italienischen Nachrichtenagentur Ansa . Doch dann, als sich ein Großteil der Passagiere bereits auf der Fluggastbrücke befunden habe und die ersten in die Maschine hätten einsteigen wollen, sei der Eingang versperrt gewesen. Auf Nachfrage habe das Personal dann erklärt, die Crew weigere sich, an Bord zu gehen - aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus.

Mezzanottes Aussagen zufolge mussten daraufhin alle Reisenden wieder umdrehen und wurden von der Airline schließlich in einem Hotel untergebracht. Der Mann hatte sich seit Montag beruflich in New York aufgehalten, als Mitglied einer italienischen Delegation aus Anwälten und Mitarbeitern des Italienischen Instituts für den Außenhandel.

"Absurd": Gutschein über zwölf Euro

"Am Flughafen hat man uns sehr schlecht behandelt", zitiert die Zeitung "Corriere della Sera"  einen weiteren, namentlich nicht genannten Anwalt, der ursprünglich an Bord des Fluges AA198 gehen wollte. Erst sei der Abflug zweimal verschoben worden, dann habe man den Reisenden mitgeteilt, dass er annulliert wurde.

Bei der Ankunft in den USA hatte es den Angaben zufolge noch keine Probleme gegeben. "Die Behörden haben uns stressfrei einreisen lassen", sagte der Anwalt. Doch kurz vor dem Rückflug nach Mailand verschärften die USA die Reisehinweise für die italienischen Regionen Lombardei und Venetien. Zunächst, am Freitag, auf die Stufe drei. Am Samstag wurde dann die höchste Stufe vier verkündet. US-Vizepräsident Mike Pence sagte im Weißen Haus in Washington, für Gebiete dieser Stufe werde von Reisen abgeraten. Der Schritt folgte auf die Nachricht, dass es auch in den USA einen ersten Todesfall durch das neuartige Coronavirus gibt.

American Airlines entschied daraufhin, alle Flüge von New York und Miami nach Mailand-Malpensa einzustellen, zunächst bis zum 24. April, wie die Fluggesellschaft mitteilt . Der Grund für den Schritt sei die gesunkene Nachfrage. Es handele sich um einen Flug pro Tag.

Airlines streichen Italien-Flüge zusammen

Die rapide Ausbreitung des Coronavirus hat immer stärkere Auswirkungen auf den internationalen Luftverkehr. Die British-Airways-Mutter IAG kündigte bereits am Freitag weitere Flugstreichungen nach Hongkong und Südkorea an. Auch auf Routen nach Italien werden weiterhin Flüge abgesagt. Allgemein berichtete IAG-Chef Willie Walsh von einer schwächeren Nachfrage bei Geschäftsflügen, da Messen abgesagt würden und Firmen striktere Reiseregeln verhängten.

Auch Easyjet hat sein Flugprogramm nach Italien wegen der schwachen Nachfrage zusammengestrichen. Es sei allerdings zu früh, die Auswirkungen des Covid-19-Ausbruchs auf das Jahresergebnis einzuschätzen. Für die Easyjet-Aktie ging es am Morgen um rund 3,5 Prozent abwärts. Mit Blick auf den bisherigen Jahresverlauf steht ein Kursverlust von rund 25 Prozent zu Buche.

Für die Italiener, die ein Ticket für Flug AA198 hatten, ging die Sache doch noch gut aus. Zwischenzeitlich hatte sich der italienische Konsul eingeschaltet, berichtet der "Corriere". Alle Passagiere würden nun auf Alitalia-Flüge umgebucht. Der zitierte Anwalt ist trotzdem entrüstet: "Man hat uns für das Abendessen einen Gutschein im Wert von zwölf Euro gegeben", sagt er. "Dabei kostet schon ein Fläschchen Wasser am Flughafen sechs Euro. Das ist absurd."

jus
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