Modemarke Was hinter dem Insolvenzantrag von American Apparel steckt

Jung, sozial, genderneutral: American Apparel galt als Marke urbaner Hipster. Doch der Glanz ist verflogen, die Geschäfte schwächeln, Management und Gründer sind zerstritten. Nun soll die Insolvenz einen Neuanfang ermöglichen.
Firmengründer Charney: Putschversuch gescheitert

Firmengründer Charney: Putschversuch gescheitert

Foto: Stephen Shugerman/ Getty Images

Einst war die Modemarke American Apparel eine der angesagtesten Klamotten-Marken hipper Jugendlicher in der ganzen Welt. Nun startet der angeschlagene Kleidungshändler einen spektakulären Selbstrettungsversuch : indem er Insolvenz anmeldet.

Mit der Beantragung des Gläubigerschutzes hofft Firmenchefin Paula Schneider neben einer Senkung der Schuldenlast wohl auch gleich ein weiteres drängendes Probleme des einstigen Kultabels loszuwerden: Gründer Dov Charney.

Dieser hatte das Label 1989 gegründet und mit seinem neuen Konzept für Furore gesagt: Die Unisex-Klamotten sollten statt in Billiglohnländern in Los Angeles gefertigt werden. Doch mit den Jahren entwickelte sich der exzentrische Unternehmer immer mehr zur Last. Der Legende nach soll er schon mal in Unterhosen die Firma inspiziert und auf Firmenkosten Privatreisen unternommen haben. Zudem sah sich Charney mit sexuellen Belästigungsvorwürfen konfrontiert. Im Sommer 2014 musste Charney gehen.

Ein Rauswurf, den der streitbare Gründer nicht auf sich sitzen lassen wollte. Mithilfe von Mitarbeitern, die wegen des Sparkurses unzufrieden waren, versuchte er sich zurück an die Macht zu putschen. Bislang allerdings vergebens.

Nun scheint das Management Charney und seinen Agitationen endgültig den Garaus machen zu wollen. Laut einem Bericht der "New York Times"  übernehmen mit der Insolvenz die Gläubiger das Ruder bei dem Klamottenlabel. Die bisherigen Anteilseigner wären damit raus.  Ein Schachzug, wie ihn ähnlich auch Erbin Ulla Unseld-Berkéwicz bei der Insolvenz und anschließenden Umwandlung des Suhrkamp-Verlages anwandte, um den ungeliebten Gesellschafter Hans Barlach zu entmachten.

95 Prozent der Gläubiger sollen laut American Apparel bei dem Deal mit dabei sein, im Zuge dessen Anleihenhalter ihre Ansprüche in Unternehmensanteile umtauschen. Die Verschuldung würde demnach von aktuell 300 Millionen auf 135 Millionen Dollar sinken. Ein Schritt, der den Konzern auch bei den Zinszahlungen erheblich entlasten würde.

Wie reagiert Charney?

Die internationalen Läden der Kette sind nach Angaben des Managements nicht von dem Schachzug betroffen. Auch die US-Produktion soll wie gehabt weiterlaufen, die 130 Läden sollen geöffnet bleiben.

Was die Beantragung des Gläubigerschutzes für den zuletzt größten Anteilseigner, den Hedgefonds Standard General, bedeutet, war zunächst nicht klar. Auch von Charney, dessen Aktien laut "New York Times"  am Freitag immerhin noch 8,2 Millionen Dollar wert waren, war dem Blatt zufolge zunächst keine Reaktion zu bekommen.

Ob der Gläubigerschutz-Antrag für American Apparel der Befreiungsschlag sein wird, ist offen. Schließlich schreibt die Kette bereits seit mehreren Jahren Verluste. Sie nicht der einzige Konzern, der unter der schwindenden Käufergunst und der zunehmenden Konkurrenz von Fast-Fashion-Ketten wie Zara oder Primark zu leiden hat. Wie American Apparel hatte kürzlich auch die einst angesagte Sufermarke Quiksilver für ihr US-Geschäft Gläubigerschutz beantragt.

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