Amflora-Boykott Stärkehersteller wehren sich gegen die Genkartoffel

Die Genkartoffel Amflora erzeugt Skepsis bei den Agrarbetrieben: Führende Stärke-Hersteller wollen das umstrittene Gemüse nicht anbauen - sie befürchten, Geschäftspartner zu verlieren. Laut einem Beschluss der EU-Kommission darf die Knolle künftig auf deutschen Äckern sprießen.

Aussaat von Amflora-Kartoffeln (im Mai 2009): "Skandalöse Verschmutzungslizenz"
ddp

Aussaat von Amflora-Kartoffeln (im Mai 2009): "Skandalöse Verschmutzungslizenz"


Berlin - Trotz der Zulassung der Genkartoffel Amflora wollen große Stärke-Hersteller die Pflanze nicht anbauen. "Wir sehen zurzeit keine Möglichkeit, Amflora anzupflanzen. Die Konsequenzen wären zu groß", sagte ein Vertreter des größten Kartoffelstärke-Produzenten Emsland Stärke GmbH der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Mittwoch. Das Risiko, Geschäftspartner zu verlieren, sei für das Unternehmen zu groß, "weil es Kunden gibt, die für grüne Gentechnik nicht offen sind". Die Emsland Stärke GmbH mit sechs Standorten in Deutschland zählt insgesamt rund 800 Mitarbeiter und produziert jährlich etwa 350.000 Tonnen Kartoffelstärke.

Auch der Geschäftsführer der Firma Südstärke, Josef Königbauer, will die Knolle nicht anbauen: "Für uns kommt Amflora definitiv nicht in Frage", sagte er der "taz". Südstärke beliefere auch die Lebensmittel-Industrie - die Unternehmen der Branche wollten keine gentechnisch veränderte Stärke in ihrer Produktion. "Wir könnten die konventionellen und die Genkartoffeln im Werk kaum trennen", sagte Königbauer.

Die EU-Kommission hatte Amflora am Dienstag die Zulassung erteilt. Die Kartoffelsorte des Chemiekonzerns BASF darf demnach zu industriellen Zwecken und zur Nutzung von Nebenerzeugnissen als Futtermittel angebaut werden. Die Kartoffel ist nicht zum Verzehr bestimmt, sondern soll Stärke für die Papierherstellung und andere Industrieprodukte liefern. Umweltschützer kritisierten, dass die Antibiotika-Resistenz der Kartoffelsorte die Wirksamkeit von lebenswichtigen Antibiotika gefährden könne.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace demonstrierte am Morgen in Berlin gegen die Zulassung der Genkartoffel. Sie projizierten eine Kartoffelfratze auf das Bundeskanzleramt, wie Greenpeace mitteilte. Die Organisation forderte die Bundesregierung auf, Warnungen vor den gesundheitlichen und ökologischen Risiken ernst zu nehmen und den Anbau in Deutschland zu verbieten. Union und FDP sollten sich klar machen, dass die Wähler Gentechnik auf dem Acker und auf dem Teller ablehnten.

ssu/AFP/dpa/ddp



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