Analyse zur Tumblr-Übernahme Yahoo streckt seine Werbefühler aus

Die aufstrebenden sozialen Medien machen Yahoo im Werbesektor zusehends Konkurrenz. Nun reagiert der Ex-IT-Pionier: Er verleibt sich den Blogdienst Tumblr ein.

Logos von Tumblr und Yahoo: Milliarden-Deal in der IT-Branche
AFP

Logos von Tumblr und Yahoo: Milliarden-Deal in der IT-Branche

Von Rolfe Winkler, Wall Street Journal Deutschland


Wenn Yahoos schlappes Geschäft noch eine Stärke hatte, dann war es Markenwerbung. Doch die aufstrebenden soziale Medien nehmen dem Suchmaschinenbetreiber den Wind aus den Segeln - und das ist ein wichtiger Grund, warum Yahoo sich jetzt den Blogdienst Tumblr einverleiben möchte.

Man kann Onlinewerbung in zwei große Kategorien einteilen: Da gibt es die lukrativen Suchanzeigen, oft stark zielgerichtet, basierend auf der Absicht eines Nutzers, etwas Bestimmtes zu kaufen. Und da gibt es die Display-Anzeigen - Banner, Soziale-Medien-Anzeigen und andere, die das Interesse der Nutzer wecken sollen. Dahinter steckt die Idee, Produkte überhaupt erst mal ins Bewusstsein zu rücken.

Yahoo hat schon vor langer Zeit den Krieg um die Suche gegen Google verloren. Nun verliert das Unternehmen auch zunehmend Boden bei Display-Werbung gegenüber sozialen Medien wie Facebook und Twitter. Denn diese Netzwerke können Nutzerinformationen besser erfassen und Werbung schalten, die von den Nutzern auch tatsächlich beachtet wird.

Facebook kennt das Geschlecht und das Alter der Nutzer und lernt ihre Interessen kennen, wenn diese den "Like"-Knopf drücken. Twitter verfügt zwar nicht über detaillierte demographische Daten über seine Nutzer, kann aber ein Profil erstellen auf Basis dessen, wem sie auf dem Bloggingdienst folgen, und was sie selbst twittern. Tumblr erfasst ähnliche Informationen wie Twitter.

Dieser Artikel ist im Wall Street Journal Deutschland erschienen.

Yahoo versucht derweil, von "Cookies" auf den Seiten, die Nutzer besuchen, auf deren Interessen zu schließen. Soziale Medien sind aber wesentlich effizienter, sagt Ian Schafer, CEO der Digitalanzeigen-Agentur Deep Focus. Niemand teile eine Banneranzeige - könne aber Anzeigen "liken" oder weiter twittern. Und das wird zum weiteren Vorteil der sozialen Werbung im Vergleich zu Yahoos traditionellen Bannern. Statt am Rande der Seite, wo sie leicht ignoriert werden können, erscheinen soziale Anzeigen direkt vor den Nutzern, wenn sie den Strom an Meldungen durchforsten, den ihre Freunde teilen. Entscheidend ist hier, dass diese Meldungsstöme - sogenannte Feeds - auch auf mobilen Geräten funktionieren.

Über Tumblr erhält Yahoo Zugang zu einem solchen Strom an Inhalten, sowohl auf dem Desktop als auch mobil, und kann darin mehr soziale Anzeigen schalten. Es wird darauf ankommen, diese Anzeigen so geschickt zu schalten, dass sie nicht in fallenden Nutzerzahlen resultieren.

Originalartikel auf Wall Street Journal Deutschland



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