Attacke auf Android EU wirft Google Missbrauch seiner Marktmacht vor

Die EU-Kommission hat ihr Wettbewerbsverfahren gegen den US-Internetkonzern Google verschärft. Dabei geht es um Android, das meistbenutzte Smartphone-System der Welt.
Android-Maskottchen in der Google-Zentrale in Mountain View

Android-Maskottchen in der Google-Zentrale in Mountain View

Foto: Christof Kerkmann/ picture alliance / dpa

Die EU-Wettbewerbshüter weiten ihr Verfahren gegen Google aus und nehmen nun auch das Betriebssystem Android unter die Lupe: Das US-Unternehmen missbrauche nach vorläufigen Erkenntnissen seine marktbeherrschende Stellung, indem es Herstellern von Android-Geräten und Betreibern von Mobilfunknetzen Beschränkungen auferlege, teilte die EU-Kommission mit. Sie schickte deshalb ein Schreiben mit den Beschwerdepunkten an Google. Die Mitteilung ist die erste Stufe in dem Verfahren, an dessen Ende eine milliardenschwere Strafe stehen kann.

"Unsere bisherigen Ermittlungen lassen darauf schließen, dass Google durch sein Verhalten den Verbrauchern eine größere Auswahl an mobilen Anwendungen und Dienstleistungen vorenthält, Innovationen anderer Unternehmen bremst und damit gegen die EU-Kartellvorschriften verstößt", sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Beispielsweise baue Google der Kommission zufolge seine marktbeherrschende Stellung bei der Internetsuche aus: Die Google-Suche sei auf den meisten in Europa verkauften Android-Geräten vorinstalliert. Konkurrenten werde so der Marktzugang versperrt.

Google wies die Vorwürfe zurück. Kent Walk, Chef-Justiziar des Unternehmens, sagte, Android habe zur Entstehung eines breiten und vor allem nachhaltigen wirtschaftlichen Ökosystems geführt, das auf Open-Source-Software und offener Innovation basiere. Man arbeite aber "gern weiter mit der Europäischen Kommission zusammen, um deutlich zu machen, dass Android den Wettbewerb fördert und gut für Verbraucher ist", so Walk.

Google hat bereits Ärger mit der Brüsseler Behörde wegen der Platzierung von Werbung in seiner Suchmaschine. In dem seit 2010 laufenden Verfahren beschuldigt die EU-Kommission den US-Konzern, eigene Angebote zu bevorzugen.

Falls die europäischen Wettbewerbshüter ihre Vorwürfe beweisen können und eine förmliche Entscheidung treffen, droht dem Unternehmen ein Bußgeld von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes. Dieser Rahmen wird aber üblicherweise nicht ausgeschöpft.

kpa/dpa/Reuters
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