Angeschlagene Baumarktkette Praktiker-Chef gibt auf

"20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung": Mit diesem Slogan kämpfte der Baumarktkonzern Praktiker um Kunden. Vorstandschef Werner wollte weg vom Billigimage - mit mäßigem Erfolg. Jetzt zieht er sich von seinem Posten zurück.

Praktiker-Chef Wolfgang Werner: Scheiterte mit seinen Sanierungsplänen

Praktiker-Chef Wolfgang Werner: Scheiterte mit seinen Sanierungsplänen


Frankfurt - Er wollte Praktiker Chart zeigen sanieren und scheiterte: Der Vorstandschef des Baumarktkonzerns tritt zurück. Wolfgang Werner führte das Unternehmen seit knapp zehn Jahren und wird im Amt bleiben, bis ein Nachfolger gefunden ist. Die überraschende Nachricht sorgte für Erleichterung an der Börse: Die Aktie schoss um bis zu neun Prozent in die Höhe und war damit größter Gewinner im Nebenwerte-Index MDax Chart zeigen.

Werner hatte zuletzt versucht, mit einem Strategiewechsel das Ruder herumzureißen: Die populären, aber für Praktiker unprofitablen 20-Prozent-Rabattaktionen wurden abgeschafft. Stattdessen setzt die Baumarktkette nun auf mehr Eigenmarken, übersichtlichere Sortimente und mehr Service.

Doch die Werbekampagne mit Ex-Tennisstar Boris Becker kam bei den rabattverwöhnten Kunden bisher nicht an. In dem für das Jahresgeschäft wichtigen zweiten Quartal blieb die Entwicklung hinter den Erwartungen des Vorstands zurück. Auch die von Werner vorangetriebene Expansion in Griechenland und Osteuropa erwies sich als Hypothek, als diese Staaten in die Krise rutschten.

"Echtes Imageproblem"

Analyst Peter Steiner von der BHF-Bank rechnet nun mit Änderungen der Strategie. "Praktiker hat in Deutschland ein echtes Imageproblem, und ein einfacher Wechsel im Management wird das nicht von einem auf den anderen Tag ändern."

Ein Unternehmenssprecher wies die Vermutung zurück, dass der Aufsichtrat den Strategieschwenk nicht gedeckt habe. Vorstand und Aufsichtsrat hätten in allen Phasen der Neuausrichtung an einem Strang gezogen. Mit Spannung wird nun die Vorlage des Geschäftsberichts zum zweiten Quartal am kommenden Mittwoch (27. Juli) erwartet. Neben der Vorlage detaillierter Zahlen werde sich das Unternehmen dann auch zum aktuellen Stand der Neuausrichtung äußern, sagte der Sprecher.

Praktiker gehörte bis 2005 zu Metro Chart zeigen. Damals ging die Baumarktkette an die Börse. Sie betreibt nach eigenen Angaben rund 440 Filialen in zehn Ländern, darunter 331 Märkte in Deutschland.

nkk/Reuters/dpa



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