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11. Januar 2010, 16:08 Uhr

Angeschlagener Tech-Pionier

AOL Deutschland macht dicht

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Der Online-Dienstleister AOL steht vor drastischen Umbrüchen: Der Konzern wird zahlreiche europäische Dependancen schließen - alle vier Niederlassungen in Deutschland sind betroffen.

Hamburg - AOL Deutschland steht vor dem Aus. Wie der Konzern auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE bestätigte, werden im Rahmen einer Umstrukturierung des Konzerns alle Filialen in Deutschland geschlossen. Betroffen sind die Büros in Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und München. Damit fallen 140 Jobs in der Bundesrepublik weg. Die deutsche AOL-Tochter Adtech bleibt bestehen.

Das Unternehmen hat am Montag den Betriebsrat über die Umstrukturierung informiert. Genaue Details über Kündigungsfristen oder Übergangslösungen für betroffene Mitarbeiter sind noch nicht bekannt. Ein Sprecher sagte, die Verhandlungen mit dem Betriebsrat stünden erst am Anfang.

Für deutsche AOL-Kunden hat die Umstrukturierung nach Konzernangaben keine spürbaren Konsequenzen. Weiterhin angeboten würden der Medienplayer Winamp in deutscher Sprache, der AOL Instant Messenger, die AOL-E-Mail-Adressen sowie das AOL-Portal aol.de "in einer Light-Version".

Der einstige Internetgigant hat in den vergangenen Jahren viele seiner Kunden an Konkurrenten wie Google und Yahoo verloren und muss sich drastisch umstrukturieren. Der Mutterkonzern Time Warner hat sich nach acht verlustreichen Jahren im Dezember von der ungeliebten Internet-Tochter getrennt. Im November hatte AOL angekündigt, 200 Millionen Dollar an Umstrukturierungskosten auf sich nehmen zu wollen und seine weltweite Belegschaft um ein Drittel zu verringern.

Der Konzern beginnt damit in den USA; dort werden bereits diesen Mittwoch mehr als 500 Mitarbeiter entlassen. Büros in Dallas und Seattle werden komplett geschlossen. Auch in Europa stehen größere Umstrukturierungen bevor. Der Konzern hat nach eigenen Angaben in den meisten der elf Länder Beratungen mit Betriebsräten begonnen. Es wurden Mitarbeiterversammlungen einberufen und die Folgen der Umstrukturierung kommuniziert. Neben Deutschland würden noch in Spanien und Schweden Filialen geschlossen, teilte ein Sprecher mit.

Gerüchte, denen zufolge der Konzern in insgesamt zehn europäischen Ländern seine Dependancen schließe und seine Aktivitäten künftig ganz auf Großbritannien konzentriere, wollte ein Sprecher nicht kommentieren. Dies sei "nur ein Szenario von vielen", sagte er. Eine endgültige Entscheidung stehe noch aus.

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