Nach Angriff auf Ölanlagen Öl wird teuer - schnell noch tanken?

Steigen nach dem Anschlag auf saudi-arabische Raffinerien auch die Spritpreise in Deutschland? Laut Mineralölverband dürften die Auswirkungen für Tankkunden nicht von Dauer sein.

Zapfhahn an einer Tankstelle: "Engpass-Gefahr für Deutschland besteht nicht"
Felix König/DPA

Zapfhahn an einer Tankstelle: "Engpass-Gefahr für Deutschland besteht nicht"


Viele Autofahrer dürfte die Nachricht von den Drohnenattacken auf Ölraffinerien in Saudi-Arabien am Wochenende zu einem spontanen Tankstopp bewegt haben. Denn mit den Berichten über einen deutlichen Ölpreisanstieg geht auch die Sorge vor höheren Spritpreisen einher.

Tatsächlich sind die Ölpreise am Montag in den ersten Handelsminuten deutlich gestiegen. Zunächst kletterten die Preise für Öl um bis zu 20 Prozent, bevor sie einen Teil des Anstiegs wieder abgaben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Chart zeigen verteuerte sich um 6,60 Dollar oder knapp elf Prozent auf 66,82 Dollar - und damit auf den höchsten Stand seit Mitte Juli. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte um 5,34 Dollar oder knapp zehn Prozent auf 60,19 Dollar zu. Auch diese Sorte war zuletzt Mitte Juli so teuer.

Doch die Auswirkungen auf den deutschen Markt und für die Autofahrer hierzulande dürften sich nach Einschätzung des Mineralölwirtschaftsverbands (MWV) in Grenzen halten. "Aus Saudi-Arabien kommt kaum Öl nach Deutschland - 2018 war es ein Prozent", sagte ein Verbandssprecher der Nachrichtenagentur dpa. "Eine Engpass-Gefahr beim Öl besteht für Deutschland also nicht."

Der globale Ölpreis könnte sich zwar kurzfristig erhöhen. Ob sich das spürbar und dauerhaft auf deutsche Tankkunden auswirke, sei aber offen. Andere Länder seien mittelfristig in der Lage, ihre Fördermengen auszuweiten und den Ausfall so zu kompensieren. Vor den Angriffen in Saudi-Arabien war nach Angaben des MWV der Ölpreis der maßgeblichen Nordsee-Sorte Brent mit rund 60 Dollar je Barrel (159 Liter) im langjährigen Vergleich eher niedrig. Der Preis habe schon mal über längere Zeit bei mehr als 100 Dollar gelegen.

Der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, rechnet damit, dass sich der Ölpreis nach einem kräftigen Anstieg voraussichtlich schnell wieder normalisieren werde. "Dauerhaft steigende Ölpreise und folglich Belastungen für die Konjunktur sind nur zu erwarten, wenn das Ölangebot tatsächlich dauerhaft verknappt wird", sagte Fuest der dpa.

Die Anrainerstaaten des persischen Golfs produzierten gut ein Drittel des weltweiten Öls. Wenn es dort zu einem massiven bewaffneten Konflikt käme, wäre die globale Ölversorgung gestört, und die Preise würden deutlich steigen. "Derzeit spricht jedoch wenig dafür, dass es dazu kommt", prognostizierte der Ifo-Chef.

Andere Experten sind weniger gelassen. Die Störung des Ölkreislaufs sei ziemlich bedeutend, sagte Mele Kari, Chef des staatlichen nigerianischen Ölförderers Nigerian National Petroleum Corporation, dem Finanzsender Bloomberg TV. "Wenn sie anhält, könnte sie eine große Herausforderung für den Ölmarkt sein."

Energieanalyst Joe McMonigle von der Investmentberatung Hedgeye Risk Management sagte, sollten die USA ihre strategische Ölreserve anzapfen, könnte das - insbesondere bei einer koordinierten Aktion mit der Internationalen Energieagentur (IEA) - einen rasanten Anstieg der Ölpreise dämpfen.

Rauch über Ölanlage in Abkaik: Sorge vor rasant steigenden Preisen
REUTERS

Rauch über Ölanlage in Abkaik: Sorge vor rasant steigenden Preisen

US-Präsident Donald Trump genehmigte die Freigabe von nationalen Ölreserven im Falle von Engpässen. Er schrieb am Sonntagabend auf Twitter, ausgehend von dem Angriff, "der sich auf die Ölpreise auswirken könnte", habe er - falls erforderlich - die Freigabe genehmigt. Die Menge habe er noch nicht festgelegt, aber sie werde ausreichend sein, "um die Märkte gut zu versorgen". Die Energieagentur IEA in Paris sah zunächst keine Versorgungsprobleme. Vorerst seien die Märkte gut mit reichlich kommerziellen Beständen versorgt.

Experten rechnen nicht zwingend mit einem Eingreifen der USA in den Ölmarkt. Bis eine Schadensfeststellung verfügbar sei, könne er nicht abschätzen, wie wahrscheinlich das Anzapfen der nationalen US-Reserven ist, sagte der US-amerikanische Analyst Robert McNally, der früher Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats war und inzwischen als Experte für die in Washington ansässige Energieberatungsfirma Rapidan Energy arbeitet. "Ich vermute, das ist nur eine verbale Beruhigungsmaßnahme", sagte er. "Wenn der Schaden nicht immens ist, bezweifle ich, dass wir ein Anzapfen sehen werden."

Am Samstag waren zwei Anlagen des saudi-arabischen Staatskonzerns Aramco in Abkaik und Churais im Osten des Landes angegriffen worden. Zu den Attacken bekannten sich die jemenitischen Huthi-Rebellen, die von Saudi-Arabiens Erzfeind Iran unterstützt werden. Teheran bestritt jegliche Beteiligung.

US-Präsident Trump machte keine Angaben dazu, wen die USA für den Urheber des Angriffs halten, drohte aber bereits mit Vergeltung.

mmq/dpa

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kai_4711 16.09.2019
1. Tanke lieber an eigener PV-Anlage mit Hausspeicher und bin unabhängig
Das ist einfach schön zu sehen, wie man mit Erneuerbaren Energien vom Erdöl unabhängig ist. Habe im September schon 2x den Tesla komplett mit eigenem Solarstrom vollgeladen. Wolkenfelder wurden durch den Hausspeicher ausgeglichen, und auch Nachts konnte ich noch das Haus mit Strom aus eigener Sonne versorgen. Vielleicht geht dem einen oder anderen mal ein Licht auf, das die Erdölabhängigkeit von Russland, Nigeria, USA ein Nachteil im Verkehrssektor darstellt. Wir importieren ja jetzt schon mehr Fracking öl von Trump als Erdöl aus Saudi-Arabien. Ganz schlimm wird es für uns, wenn in Russland mal was hochgeht..
realist19 16.09.2019
2. Das war doch zu erwarten
Das der Ölpreis je Fass steigen wird , das war doch schon längst zu erwarten , denn jede politische Krise im Nahen Osten schlägt sich früher oder später immer auf den Rohölpreise nieder, das war immer schon so . Die Frage ist nur wie sich die Regierungen auf diese Situationen vorbereiten um zum einem ihre Wirtschaft zu schützen, aber auch um ihre Bürger vor explodierenden Preise zu bewahren ? Hier sieht es ab in unserem Land düster aus , denn seit Monaten gibt es nur eine Thema auf das alle fokussiert ist und das ist der Schutz des Klimas ( wobei man das Klima gar nicht schützen kann ) . wir betreiben seit geraumer Zeit eine reisen Bashing der Automobil Industrie und attackieren alle die auf das Auto angewiesen sind .In Deutschland hat man die Notwendigkeiten einer funktionierenden Mobilität völlig aus den Augen verloren , obwohl klar sein sollte das unsere Wohlstand sehr stark von dieser Mobilität abhängt . Aber wir werden aus Kimaschutzgründen ab 2020 über Klimazertifikate und CO2 Steuern genau dieses Mobilität massiv verteuern und dann kommen noch steigende Ölpreise dazu und ich kann mir gut vorstellen , das wir uns dann alleine beim Spritz ganz schnell so um die 1,70 € bis 1,90 € werden . Vom Heizöl mal ganz zu schweigen . Resultat wird aber auch sein , das alles was mit der Herstellung und Transport von Produkten über das Erdöl zu tun hat sich massiv verteuern wird und das wiederum lässt vor allem den Binnenmarkt straucheln . Es ist ja nicht so das wird das nicht schon mal alles hatten und die Erfahrung zeigt doch das sich über Verteuerung des täglichen Lebens sich auch eine steigende Arbeitslosigkeit einstellt , auch das hatten wir alles schon . Aber die Deutsche Antwort auf eine schon längst schwellende Krise im Nahen Osten, die so langsam alle trifft, zunächst einmal aus eigener Kraft alles selber zu verteuern weil man das Klima retten will .
martin58. 16.09.2019
3. Darauf haben Spekulanten nur gewartet!
Der Ölpreis wird, mitnichten, nur (!) von Angebot und Nachfrage bestimmt, sondern seit geraumer Zeit immer stärker von dubiosen Börsengeschäften beeinflusst. Für das Angebot an Erdöl stellt der Zwischenfall in Saudi-Arabien keinerlei Belastung, geschweige denn eine Bedrohung, dar. Beim derzeitigen (harten!) Konkurrenzkampf um die Märkte könnten Russland, die USA, Kanada, VAR, Irak, Iran, Kuweit, Nigeria, Angola, Norwegen, GB ... usw. usf. ... die entstehende Lücke problemlos und umgehend schliessen. Um die fehlenden Barrell aus SA zu ersetzen, wären nur einige der oben genannten nötig, bei weitem nicht alle!
mathias.meissner35 16.09.2019
4. Nur ein kleiner Satz...
Zu den Attacken bekannten sich die jemenitischen Huthi-Rebellen, die von Saudi-Arabiens Erzfeind Iran unterstützt werden. Könnte mir bitte jemand Beweise nennen? Mir ist das hier zu schnell als Fakt abgetan, für einen kurzen Satz in dem nicht kurzem Artikel, wo es hauptsächlich nur um den Ölpreis geht.
pmk123 16.09.2019
5. Energiewende
Ein weiteres Argument dafür, die Energieversorgung auf erneuerbare Energien umzustellen. Auf lange Sicht werden erneuerbare Energien wesentlich günstiger sein als fossile Energieträger (eigentlich heute schon, wenn die Klimaschäden + Entsorgung von Atommüll eingepreist würden) und bei richtiger Umsetzung (Vernetzung, Energiespeicher, Erdgas als Übergangslösung) gibt es auch keine Probleme mit der Versorgungssicherheit.
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