Angst vor dem Dax-Abschied Katar-Einstieg bei VW kann für Aktionäre teuer werden

Geschäft mit Nebenwirkungen: Der Einstieg Katars bei Volkswagen könnte für Kleinaktionäre unangenehme Folgen haben. Denn damit ist auch der Abschied der Stammaktien aus dem Dax denkbar. Wer nicht rechtzeitig umsattelt, muss mit Verlusten rechnen.

VW-Produktion: Abschied aus der Börsen-Bundesliga?
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VW-Produktion: Abschied aus der Börsen-Bundesliga?

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Ein Kursrutsch um bis zu 40 Prozent innerhalb einer Woche, ein Verlust des Unternehmenswerts von mehr als 26 Milliarden Euro in der Spitze - und demnächst wohl auch noch der Abschied aus dem Dax Chart zeigen. Für Volkswagen Chart zeigen könnte die Welt an der Börse besser aussehen, und das wird auch durch den Aufholgewinn vom Freitag nicht anders. Selbst die Hoffnung, dass die Stammaktien des Unternehmens, wie vielfach spekuliert, durch die hauseigenen Vorzüge ersetzt werden, könnte nach den jüngsten Meldungen trügen. Ein Dax ganz ohne Europas größten Autobauer? Schwer vorstellbar.

Doch der Reihe nach: Dass die Stammaktie des Wolfsburger Konzerns bald nicht mehr zum Dax Chart zeigen gehört, steht wohl seit dem vergangenen Freitag fest. Da wurde in Stuttgart der Einstieg des Emirats Katar bei Porsche verkündet. Danach wechseln 17 Prozent der VW-Stammaktien aus dem Besitz der Zuffenhausener in die Golfregion.

Zählt man die Anteile der übrigen Großaktionäre hinzu - 50,8 Prozent der VW-Stammaktien hält die Porsche Automobil Holding SE, 20,3 Prozent liegen beim Land Niedersachsen und 2,4 Prozent bei der Salzburger Autohandelsgesellschaft der Familien Porsche und Piëch - so sinkt der frei verfügbare Streubesitz ("Freefloat") auf unter zehn Prozent.

Ein Streubesitz von zehn Prozent ist nach den Regeln der Deutschen Börse Chart zeigen jedoch eine Mindestanforderung für die Aufnahme und den Verbleib im deutschen Leitindex Dax Chart zeigen. "Die Wahrscheinlichkeit, dass die VW-Stammaktien nach dem Einstieg von Katar den Dax verlassen müssen, ist sehr hoch", folgert Analyst Christian Breitsprecher von der Privatbank Sal. Oppenheim.

Anleger verkaufen

Viele Anleger sehen das offenbar auch so - und verkaufen ihre Anteilscheine. Denn wenn die Aktie aus dem Dax fliegt, werden auch viele institutionelle Investoren sie aus ihren Portfolios werfen. Das könnte den Kurs noch einmal unter Druck bringen. Schätzungen zufolge würden allein passiv gemanagte Indexfonds, die den Dax stets eins zu eins nachbilden, bei einem Ausscheiden der VW-Stämme bis zu sechs Millionen der insgesamt 296 Millionen Papiere auf den Markt werfen. Das wären gut 7,5 Prozent der aktuell verfügbaren Aktien.

Kommt es tatsächlich zum Dax-Aus für die Papiere, dann stellen sich vor allem zwei Fragen: Wann genau werden die VW-Stämme den Index verlassen? Und welcher Wert steigt stattdessen in die erste Liga auf? Weil die Liste der Nachrückkandidaten ständig in Bewegung ist, lässt sich die zweite Frage erst beantworten, wenn die erste geklärt ist. Schließlich ändern sich die entscheidenden Kriterien für die Dax-Aufnahme - der Orderbuchumsatz und die Marktkapitalisierung nach Freefloat - ständig.

Eines ist klar: Würden die VW-Stammaktien heute aus dem Dax ausscheiden, so würden nach dem Indexregelwerk die Vorzugsaktien von Volkswagen dafür aufrücken. Konrad Sippel aus dem Bereich Indexberechnung der Deutschen Börse Chart zeigen bestätigt das. Die Kursgewinne der VW-Vorzüge in den vergangenen Tagen verwundern also nicht.

Aber werden es tatsächlich die VW-Vorzüge? Noch ist offen, wann es zu dem Wechsel im Index kommen wird. Das Timing bestimmen vor allem die Katarer. "Sie entscheiden, wann sie die Optionen in VW-Aktien wandeln", sagt Analyst Breitsprecher. "Und das ist der Moment, in dem der für den Index relevante Freefloat tatsächlich sinkt."

Gutes Timing wichtig

Dabei könnte eine Rolle spielen, dass Volkswagen demnächst eine Kapitalerhöhung plant. Im ersten Halbjahr, möglicherweise schon im ersten Quartal 2010, soll frisches Geld aufgenommen werden - über die Ausgabe von Vorzugsaktien. Zweck der Übung ist die Finanzierung des Einstiegs bei Porsche mit zunächst 42 Prozent, die ebenfalls in der vergangenen Woche beschlossen wurde.

Aus Sicht der Wolfsburger wäre es wohl angenehm, wenn die Vorzugsaktien zum Zeitpunkt dieser Kapitalerhöhung bereits im Dax wären, oder - vielleicht besser noch - gerade aufgenommen würden. Denn die kurstreibende Wirkung dieses Aufstiegs in die erste Börsenliga dürfte von Vorteil sein, wenn es um die Platzierung der milliardenschweren Kapitalerhöhung geht.

Vorzüge könnten auf zweiten Platz der Dax-Kandidaten rutschen

Die Frage ist, ob der künftige Großaktionär auf diese Interessen Rücksicht nimmt, ob Katar also mit der Umwandlung seiner Optionen wartet, bis es den Wolfsburgern genehm ist. Oder ist es gar denkbar, dass Volkswagen die Scheichs zu einem abgestimmten Handeln bewegt? "Wir sind nicht Verhandlungspartner von Katar", sagt dazu eine Volkswagen-Sprecherin. "Darüber gibt es keine Gespräche."

Der Clou ist jedoch: Selbst wenn die Scheichs Volkswagen in der Frage des Timings entgegenkämen - an anderer Stelle bringen sie das schnelle Aufrücken der Vorzugspapiere in den Dax möglicherweise in Gefahr. Denn Katar erwirbt von Porsche nicht nur 10 Prozent der Porsche-Stammaktien und 17 Prozent der Optionen auf VW-Stämme. Vielmehr wechseln auch Optionen auf 50 Prozent der VW-Vorzugsaktien aus Zuffenhausen an den Golf.

Bislang befinden sich sämtliche 105 Millionen VW-Vorzugsaktien im Streubesitz. Löst Katar die Optionen ein, würde sich der Freefloat also schlagartig halbieren. Dadurch würde auch die Marktkapitalisierung im Streubesitz um die Hälfte sinken. "Dass es angesichts einer solchen Änderung des Streubesitzes für die VW-Vorzüge schwieriger würde, in den Dax aufzurücken, liegt auf der Hand", sagt ein Indexexperte von der Commerzbank zu manager-magazin.de.

Über das Timing wird in Katar entschieden

Matthias Jörss, Indexfachmann von Sal. Oppenheim, wird deutlicher: "Falls sich der Streubesitz der VW-Vorzüge tatsächlich halbiert, rutschen sie gemessen an Kursen vom Donnerstag auf den zweiten Platz der Dax-Kandidaten, hinter Infineon Chart zeigen ", sagt er. "Bis es tatsächlich zur Dax-Umstellung kommt, kann sich an dem Bild allerdings noch etwas ändern."

Zusätzlich kompliziert wird die Sache laut Jörss, weil es auch auf die Reihenfolge der Ereignisse ankommt: Findet zunächst am 18 September der reguläre Dax-Austausch statt, so werde erst einmal Hannover Rück Chart zeigen durch Infineon Chart zeigen ersetzt. Wenn dann die VW-Stämme herausfallen, weil deren Streubesitz gefallen ist, kommen in der Folge die Vorzüge in den Dax, auch wenn die Katarer gleichzeitig die Optionen auf die Vorzüge ausüben.

"Würden die Optionen auf die Stämme dagegen vor der regulären Änderung der Zusammensetzung des Dax gezogen, so ist Infineon der Ersatz für VW", sagt Jörss.

Die Vorzüge würden es dann nach seiner Rechnung allerdings nicht schaffen, den Wackelkandidaten Hannover Rück zu verdrängen. "Sie sind nicht in beiden Kriterien, also bei der Marktkapitalisierung und beim Börsenumsatz, auf Rang 30 oder besser", begründet der Experte.

In diesem Szenario wäre Volkswagen also weder mit seinen Stammaktien noch mit seinen Vorzugspapieren in Deutschlands wichtigstem Börsenbarometer vertreten. Aber nochmal: Ein Dax ganz ohne Europas größten Autobauer? Schwer vorstellbar. Oder?

insgesamt 683 Beiträge
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Seite 1
flus 17.07.2009
1.
Zitat von sysopDer Machtkampf scheint entschieden: Volkswagen soll mit knapp 50 Prozent bei Porsche einsteigen. Ein gutes Signal für die deutsche Autoindustrie?
Wir hatten doch schon mal den VW Porsche und der Service wurde auch von den VW Werkstaetten durchgefuehrt .... 911 hinter dem Polo ... das waere beinahe das Ende von Porsche gewesen. Dann kam H.Wiedeking - verdiente Milliarden fuer die Inhaber Familien - Millionen fuer sich und machte Porsche wieder zu Porsche .... jetzt beginnt das Spiel von neuem.
clauswclausen 17.07.2009
2. Ich habe früher schon einmal prophezeit...
Zitat von sysopDer Machtkampf scheint entschieden: Volkswagen soll mit knapp 50 Prozent bei Porsche einsteigen. Ein gutes Signal für die deutsche Autoindustrie?
... dass bei Porsche Tränen fließen werden. Niemand hat es kommentiert.
stanis laus 17.07.2009
3. Die demontierte Spiegel-Meldung
Der Spiegel hat einen Führungswechsel bei Porsche gemeldet. Der Pressesprecher (mit dem vorher nicht gesprochen wurde, was schon eine fast fahrlässige Ausübung des Handwerks ist) dementierte innerhalb von 10 Minuten. Die dementierte Meldung blieb stehen. Jetzt dementiert sogar Wolfgang Porsche, das Oberhaupt des Porsche-Clans. Die damit falsifizierte Meldung steht immer noch. Na ja, der Stern hatte seine Hitler-Tagebücher. Die Zeit einen Goethe, der hinter dem Bahnhof in Schrebergärtchen lustwandelte. Der Spiegel hat seinen Wendelin. Es ist Sommerzeit und die Presse sucht sich ein Opfer für ihre alljährliche Sommer- Diffamierungskampagne aus und gestaltet die Nachrichten selbst, weil es nichts zu berichten gibt. Der Spiegel ist demontiert. Warum soll man weiter ein Nachrichtenmagazin lesen, das nur Gerüchte weitertratscht und jede journalistische Sorgfaltspflicht in einer Titelstory (!) vernachlässigt?
japan10 17.07.2009
4.
Zitat von sysopDer Machtkampf scheint entschieden: Volkswagen soll mit knapp 50 Prozent bei Porsche einsteigen. Ein gutes Signal für die deutsche Autoindustrie?
Sollte es so kommen, wäre dies ein Bärendienst für die deutsche Autoindustrie. Die Macht und das Geld würden gewinnen. Porsche wird auf jeden Fall seine Exclusivität verlieren und nur ein Anhängsel in dem VW Konzern. VW fährt sowieso einen gefährlichen Kurs. Die Marke VW hat sich über die Jahre im eigenen Haus eine Billigkonkurenz mit Seat und Skoda aufgebaut und wird dies nach dem Porschechaos bezahlen müssen. Die Aktie muß zurückkommen auf max 30 - 40 Euro. Was beschämend ist, ist der Umgang mit Herrn Wiedeking. Er gehört auf jeden Fall zu den Topmanagern der letzten 20 Jahre in D. Er hat den Eigentümern Milliarden verdient und wird jetzt abgeschossen. Traurig, traurig. Aber andere Firmen werden sich auf ihn freuen.
Phoeni, 17.07.2009
5. Noch schnell einen kaufen...
... wer das nötige Kleingeld hat. Gerade das Erfolgsmodell 911 GT3, in seiner jüngsten Ausgabe das non plus ultra, wird es wohl so nicht mehr geben, wenn der Potenzprotz Piech und VW im Allgemeinen Porsche in Zukunft leiten. Man sieht es ja bei Audi und Lamborghini. Lamborghini ist mittlerweile zwar rentabel, aber Dank einer Überbenutzung von "Synergien" mit Audi ist der Charme der Marke mittlerweile so groß wie die eines A3 in Grundausstattung. Porsche als selbstständiger Hersteller verfolgte - zumindest im Kernbereich der Sportwagen - noch eine eigene Linie, jetzt dürfte sich die Spannung wohl darauf beschränken, wann denn ein Porsche Kleinwagen kommt... wirklich schade für die Marke, schade dass sich ein Mann wie Wiedeking, der sich so um die Marke verdient gemacht hat, so verspekulieren konnte, bzw. sich ausgerechnet am weltweit einzigartigsten Unternehmen - dank staatlich reglementierten Bestandsschutz wider sämtlichen sonst so gern propagierten marktwirtschaftlichen Regeln - vergehen wollte. Porsche wird überleben, keine Frage, aber nur noch als eine Marke unter vielen unterm Dach von VW...
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