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Eisen, Kohle, Stahl: Rohstoffe aus China

Foto: ? Stringer Shanghai / Reuters/ REUTERS

Angst vor Exportstopp Metall-Macht China pokert mit raren Rohstoffen

Terbium, Yttrium oder Thulium sind selten und begehrt. Weil wertvolle Rohstoffe für Handys, Hybridmotoren oder Solarzellen knapp werden, denkt China über Exportstopps nach. Damit könnte es seine eigene Industrie schützen und sich einen Vorteil sichern - zu Lasten des Westens.

Ein Leben ohne iPods, Blackberrys, Hybrid-Autos und Niedrigenergie-Glühbirnen ist inzwischen fast unvorstellbar. Und doch ist die Zukunft der Geräte nicht selbstverständlich - denn um diese Produkte herzustellen, werden Rohstoffe benötigt, die nur an wenigen Orten vorkommen. Terbium , Yttrium , Thulium  oder Lutetium  heißen diese seltenen Erdmetalle zum Beispiel.

Sollte der Nachschub einmal abbrechen, dürfte die Welt eine andere werden. Eine Welt ohne Flugabwehrraketen und mit Fernsehern, die keine rote Farbe mehr ausstrahlen können.

Rund 137.000 Tonnen der wertvollen Metalle werden derzeit in China abgebaut, genauer in den Steppen der Inneren Mongolei - das entspricht 93 Prozent des Weltmarkts. Kein Wunder, dass es kürzlich einen internationalen Aufschrei gab, als Überlegungen über Handelsschranken bekannt wurden. Der Export einiger seltener Materialien könnte völlig verboten und die Ausfuhr anderer auf 35.000 Tonnen im Jahr beschränkt werden, war aus der chinesischen Regierung zu erfahren.

Schon im Juni hatten die EU und die USA die Welthandelsorganisation (WTO) eingeschaltet, weil China nach ihrer Ansicht unrechtmäßig den Export anderer Rohstoffe wie Mangan  und Bauxit  begrenzt. Eine Funktionärin versuchte deshalb rasch, die Gemüter zu beruhigen. "China wird seine Tore nicht schließen", sagte Wang Caifang vom Ministerium für Industrie und Informationstechnologie: "Wir handeln sehr verantwortlich. Wir treffen keine willkürlichen Entscheidungen."

Chinas Reserven an bestimmten Metallen schrumpfen

Dabei ist der Plan aus Sicht der chinesischen Regierung nachvollziehbar. Wenn das Land weiter so viel an seltenen Materialien exportiert wie bisher, bleibt bald wenig für die eigenen Unternehmen übrig. Chinas Reserven an bestimmten Metallen schrumpfen. Die Armee und moderne Industrien werden Experten zufolge 2020 darauf angewiesen sein, im Ausland den seltenen Rohstoffen nachzujagen - und teure Preise zu bezahlen.

Schon jetzt grasen Aufkäufer in Ländern wie Sierra Leone und Sambia den Markt ab. Dazu kommt, dass die Chinesen in den vergangenen Jahren so viel abgebaut haben, dass die Preise für einige Rohstoffe heftig nach unten sackten.

Die Rohstoffexporteure in China sind geteilter Meinung, was sie von dem Vorstoß ihrer eigenen Regierung halten sollen. Einerseits begrüßen sie es, dass China seine Märkte schützt. Andererseits haben sie Furcht vor Gewinneinbrüchen: "Uns würde das sehr treffen", sagt ein Händler aus der südlichen Metropole Kanton, der seine Firma und seinen Namen nicht veröffentlicht sehen will. "Bislang sind es nur Gerüchte, aber wenn der Plan umgesetzt wird, machen wir weniger Geschäfte. Dagegen tun können wir nichts - Regierungspolitik." Auch Shu Xiaomin, Marketing-Managerin der Firma China Rare Metal Material in der Provinz Jiangxi, erwartet einen Einbruch ihrer Verkäufe ins Ausland um rund ein Fünftel. Dabei lautet das Firmenmotto doch: "Wir liefern alle Arten von Metallen billig und gut."

Rohstoffmangel bedroht Zukunftstechnologien

Mancher Exporteur sucht schon nach Auswegen für sich und die ausländischen Kunden. Der Unternehmer aus Kanton liebäugelt mit einem Trick: "Wenn die Produkte mit seltenen Metallen in China vorgefertigt werden, dürfte dem Export nichts im Wege stehen."

Das Problem geht tief. Lorenz Erdmann, Experte für seltene Metalle am Berliner Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, warnte schon im April, eine Reihe von Zukunftstechnologien sei auf bestimmte seltene Metalle stark angewiesen. Und zwar so stark, "dass ihr massenhafter Ausbau durch Rohstoffengpässe bedroht ist".

Die Nachfrage nach Indium zum Beispiel, das für Flachbildschirme und Solarzellen benötigt wird, werde 2030 mehr als dreimal so hoch sein, wie heute insgesamt produziert wird. Der Bedarf an Gallium, das in Mikrochips für Handys verarbeitet wird, dürfte in den kommenden 20 Jahren um das Sechsfache steigen.

Die Folgen der Engpässe werden demnach weltweit zu spüren sein. Umweltbewusste Häuslebauer, die sich Solarzellen aufs Dach montieren wollen, werden lange warten oder mehr zahlen müssen. "Unabhängig davon, welche Photovoltaik-Technologie sich durchsetzt, rechnen wir damit, dass Rohstoffengpässe den massenhaften Ausbau der Solarenergie begrenzen werden", sagte Erdmann.

Die drohende Knappheit sorgt inzwischen sogar dafür, dass stillgelegte Minen wieder aktiviert werden. Der Betreiber der riesigen Mountain-Pass-Grube in der kalifornischen Mojave-Wüste kündigte jetzt nach langer Pause an, den Betrieb wieder aufzunehmen. Hier liegt unter anderem Neodymium-Oxyd , das für den Bau von Hybridmotoren und Windturbinen benötigt wird. Die Mine war 1999 geschlossen worden, weil die Rohstoffpreise zu sehr gesunken waren und sie die Umwelt zu stark belastete.

Nun soll es wieder losgehen, versprechen die Eigentümer - umweltfreundlicher als zuvor und erst mal für die kommenden 30 Jahre.