Angst vor Schuldenberg Griechen plündern ihre Konten

Die Angst vor einer griechischen Staatspleite wächst: Laut einer Commerzbank-Studie haben die Hellenen mehrere Milliarden Euro von ihren Sparkonten abgehoben. Die Aufschläge auf Regierungsanleihen sind auf ein neues Rekordhoch geschnellt - der Euro fällt und fällt.
Streikende Griechen: Wut auf staatliches Schocksparprogramm

Streikende Griechen: Wut auf staatliches Schocksparprogramm

Foto: YIORGOS KARAHALIS/ REUTERS

Athen - Die Regierung in Athen schafft es nicht, die Anleger und Märkte zu beruhigen. Laut einer Studie der Commerzbank haben die griechischen Bürger in den vergangenen drei Monaten fast acht Milliarden Euro von ihren Sparkonten abgehoben und in die Schweiz, nach Zypern und Großbritannien überwiesen.

Experten sind entsetzt: "Solche Aktionen kennen wir normalerweise nicht aus Industriestaaten, sondern nur von Bankenkrisen in Schwellenländern", sagte ein Commerzbank-Mitarbeiter der "Süddeutschen Zeitung". Die Regierung in Athen selbst wollte die Studie nicht weiter kommentieren. "Gerüchte", hieß es lediglich aus Kreisen des Finanzministeriums.

Für Griechenland haben sich die Bedingungen am Kapitalmarkt verschlechtert. Die Zinsen, mit denen sich das hochverschuldete Land am Kapitalmarkt Geld leihen kann, sind nach Angaben des staatlichen Rundfunks bedenklich in die Höhe geschnellt. Athen muss nun fast 3,9 Prozentpunkte mehr Zinsen zahlen als Deutschland - das ist der höchste Stand seit dem Eintritt Griechenlands in die Euro-Zone.

Neben den geplünderten Sparkonten haben vor allem Gerüchte, Athen würde IWF-Hilfen ablehnen, die Zinsen in die Höhe getrieben. Demnach wolle Athen im Notfall möglicherweise keine Kredite vom Internationalen Währungsfonds (IWF) in Anspruch nehmen, sondern nur von europäischen Staaten. Andere Medien berichteten, Athen werde versuchen, Kredite in den USA und in asiatischen Staaten zu bekommen. Die EU-Kommission wollten sich am Dienstag nicht dazu äußern. "Kein Kommentar", hieß es in Brüssel.

Euro-Kurs fällt

Der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou sagte: "Nie hat unser Land etwas für die Änderung der Bedingungen des jüngsten Abkommens unternommen", erklärte er. Alles, was der griechische Haushalt und das Stabilisierungs- und Wachstumsprogramm des Landes vorsehen, werde in die Tat umgesetzt. Am Montagabend hatte es geheißen, Athen wolle von der EU eine Änderung des Notfallplans fordern. Am Mittwoch werden Sachverständige des Internationalen Währungsfonds in Athen erwartet. Die Experten wollen mit den Griechen über die Umsetzung ihrer Sparpläne sprechen.

Mit der Einigung der Euro-Staaten vor knapp zwei Wochen auf einen Notfallplan für Griechenland waren die Risikoaufschläge des Landes zunächst etwas gesunken. Der Notfallplan sieht vor, dass Milliardenkredite von den Euro-Ländern sowie vom Internationalen Währungsfonds kommen könnten. Allein bis Ende Mai muss Griechenland laut Experten etwa 20 Milliarden Euro Staatsschulden refinanzieren, bis Jahresende werden demnach insgesamt 55 Milliarden Euro gebraucht.

Der Euro verlor angesichts der Griechenland-Sorgen weiter an Wert. Er rutschte deutlich unter 1,34 Dollar ab. Im frühen Handel stand die Gemeinschaftswährung bei 1,3370 Dollar. Ein Dollar war 0,7477 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,3396 (Donnerstag: 1,3468) Dollar festgesetzt. "Das Thema Griechenland lastet weiterhin auf der Gemeinschaftswährung", schreiben Experten der Landesbank Hessen-Thüringen.

ssu/dpa-AFX/Reuters
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