Anhörung im Senat Goldman-Manager weisen Betrugsvorwurf vehement zurück

Hitzige Wortgefechte vor dem US-Senat: Im Verfahren gegen Goldman Sachs wehrten sich mehrere Top-Banker gegen die Betrugsvorwürfe der Senatoren. Die Händler äußerten sich auch zu verräterischen E-Mails, in denen schlechte Geschäfte für die Investoren analysiert werden.

Goldman-Sachs-Händler Tourre: "Keine Pflicht, die Investoren zu beraten"
AP

Goldman-Sachs-Händler Tourre: "Keine Pflicht, die Investoren zu beraten"


New York - Es war ein heftiger Schlagabtausch zwischen Managern der Investmentbank Goldman Sachs und US-Senatoren im Streit um die Rolle des Instituts in der Finanzkrise. "Wir haben keine Pflicht, die Investoren zu beraten", sagte der unter Betrugsverdacht stehende Bondhändler Fabrice Tourre vor den Volksvertretern. In der Anhörung forderten die Senats-Mitglieder die Offenlegung aller Informationen zu den Finanzprodukten des Hauses.

Tourre wies die Vorwürfe bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit der Betrugsanklage "kategorisch" zurück. Weder er persönlich noch Goldman Sachs hätten Anleger in die Irre geführt, sagte der inzwischen beurlaubte Manager.

Der Ausschuss untersucht eigentlich die Ursachen der Finanzkrise, die Anhörung steht inzwischen jedoch ganz im Zeichen der Klage der US-Börsenaufsicht (SEC) gegen Goldman Sachs. Die SEC wirft dem Institut vor, Großinvestoren 2007 bei der Vermarktung des Finanzprodukts Abacus getäuscht zu haben - darunter die deutsche Mittelstandsbank IKB Chart zeigen. Die Anleger verloren der SEC zufolge insgesamt rund eine Milliarde Dollar, während ein an dem Finanzprodukt beteiligter Hedgefonds in etwa genauso viel daran verdiente.

Im voll besetzten Anhörungssaal konfrontierten die Senatoren die Goldman-Manager mit Aktenordnern voller E-Mails und anderer interner Mitteilungen, die sie als Beweis für ihre Vorwürfe vorbringen.

Tourre erklärte, die IKB sei auf dem Gebiet der verbrieften Hypothekenkredite einer der erfahrensten Investoren der Welt gewesen. Das Finanzprodukt sei entgegen der Anklage nicht absichtlich so zusammengestellt worden, dass es an Wert verlieren sollte. Goldman habe zudem kein wirtschaftliches Interesse an einem Wertverfall gehabt.

E-Mails beschreiben schlechte Geschäfte für die Anleger

Auch Dan Sparks, früherer Chef der Hypotheken-Abteilung bei der Investmentbank, wich dem Drängen der Senatoren aus. In einem Wortwechsel mit dem Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses, Carl Levin, distanzierte er sich nur von der Wortwahl seiner Chefs. "Ich würde das Geschäft nicht so bezeichnen", sagte Sparks, nachdem ihn Levin mit eine bankinterne E-Mail konfrontiert hatte. In dem Schreiben wird der Verkauf eines bestimmten Finanzprodukts als "beschissenes Geschäft" für Investoren bezeichnet.

In einer für die Anhörung vorbereiteten Erklärung betonte Bankchef Lloyd Blankfein, sein Haus habe vor dem Ausbruch der Finanzkrise nicht massiv auf einen Verfall der Immobilienpreise gesetzt "und sicherlich nicht gegen seine Kunden gewettet".

jok/Reuters

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