Skandal um Emissionshaus Wie Wölbern Invest die Anleger betrogen haben soll

Wölbern Invest

Von manager-magazin.de-Redakteur

2. Teil: Vermisste 40 Millionen Euro und beinahe Zwangsvollstreckungen


Einer, der schon damals die Augenbrauen hochzog, war Ove Franz. "Seit Anfang 2012 gab es Grund, skeptisch zu sein", sagt der Anleger heute zu manager magazin online. "Der Plan mit dem Liquiditätsmanagementsystem gab Anlass zu der Vermutung, dass dort anlegerfeindlich gehandelt werden würde."

Und Franz ist nicht irgendein Investor des Emissionshauses. Er war jahrelang Vorstand des Bankhauses Wölbern, aus dem Wölbern Invest hervorging. Der prominente Hamburger Banker gilt als einer der Erfinder der Holland-Fonds, für die Wölbern einst bekannt war. Seit dem Streit um den Cashpool setzt sich Franz für die Belange der Wölbern-Investoren ein.

Das böse Erwachen kam für die Anleger dann einige Monate später, nämlich Anfang 2013. Nach und nach veröffentlichte das Emissionshaus die Jahresabschlüsse seiner Immobilienfonds für das Jahr 2011. Und siehe da: In vielen Fondsbilanzen fanden sich Beträge in Millionenhöhe, deren Verbleib unklar schien. Insgesamt 40 Millionen Euro, so errechneten es engagierte Wölbern-Anleger, waren aus den Kassen der Fonds verschwunden. Entsprechende Beträge tauchten zwar unter dem Punkt "Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände" in den Bilanzen auf. Eine Erläuterung, wo genau das Geld geblieben war, gab es jedoch nicht.

Bis heute ist das Wölbern-Management um Firmenchef Schulte den Anlegern eine Erklärung zum Verbleib dieser Gelder schuldig geblieben, trotz mehrfacher Nachfrage und sogar trotz inzwischen erfolgter gerichtlicher Aufforderung zur Offenlegung.

Wölbern hatte Liquiditätsbedarf

Der Verdacht, der deshalb seither im Raum steht: Wölbern Invest könnte schon 2011, also vor Einführung des später gescheiterten Liquiditätspools, in die Fondskassen gegriffen haben. Das Unternehmen hat diese Vermutung, die von Anlegern hartnäckig geäußert wird, gegenüber manager magazin online ausdrücklich zurückgewiesen.

Klar ist aber: Liquiditätsbedarf gab es in dem Unternehmen zweifellos. Frische Anlegergelder hat Wölbern Invest in den vergangenen Jahren kaum noch eingesammelt. Gleichzeitig wurden jedoch neue Fondsprojekte auf den Weg gebracht, bei denen Zahlungen für den Immobilienerwerb fällig geworden sein dürften. Aus dem Unternehmensumfeld ist beispielsweise zu hören, dass dies beim Fonds "Frankreich 05" sowie einem der jüngsten Hollandfonds der Fall gewesen sein soll.

Hinzu kommt: Wie manager magazin online seinerzeit öffentlich machte, gab es im Jahr 2011 ein Zwangsvollstreckungsverfahren gegen Wölbern-Invest-Chef Schulte. Nach Angaben von Wölbern Invest richtete sich das Verfahren gegen Schulte in seiner Funktion als Komplementär der Wölbern Invest KG, nicht als Privatperson. Gläubiger der Forderung über 6,6 Millionen Euro war das Bankhaus Wölbern.

Aufgrund der Forderung ordnete das Amtsgericht Hamburg-Blankenese im Mai 2011 die Zwangsversteigerung einer Wohnimmobilie Schultes an der Hamburger Elbchaussee an. Gleiches verfügte das Amtsgericht Niebüll für eine Immobilie des Wölbern-Invest-Chefs in Kampen auf Sylt, wie Schriftstücke zeigen, die manager magazin online vorliegen. Zu den Versteigerungen kam es allerdings nicht, denn Schulte beglich die offene Millionenforderung im letzten Moment. Dass das Geld aus den Wölbern-Fonds stammen könnte, hat das Unternehmen gegenüber manager magazin online jedoch dementiert.



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
juergw. 24.09.2013
1. Anlageskandal ?
Zitat von sysopWölbern InvestDeutschland hat einen neuen Anlageskandal: Das Emissionshaus Wölbern Invest soll Investoren um Millionen betrogen haben. Den Zugriff der Ermittler hatten Anleger schon lange herbeigesehnt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/anlageskandal-um-woelbern-invest-a-924204.html
wird wohl nicht der Letzte sein.Erstaunlich wieviele Vermögende nicht wissen ,wohin mit ihrem Geld .Hätten Sie doch sozialverträglich Mietwohnungen für Kleinverdiener gebaut-kann man doch auch abschreiben.Jetzt ist das schöne Geld weg-Die S&K Anlagefuzzis haben wenigstens noch richtig Party gemacht...
Raúl gonzales 24.09.2013
2.
Was ich mich frage ist, was die Wirtschaftsprüfer denn in diesem Fall bitte geprüft haben. 40 Mio. € Unter sonstige Forderungen bei einer Fondsgesellschaft hätte man schonmal hinterfragen können.
BettyB. 24.09.2013
3. Schau da...
Einen Tag nach der Wahl. Wer aber denkt, da wollte man nicht darauf verweisen, wer von dem Spitzensteuersatz betroffen wäre, liegt bestimmt falsch. Ich gehe davon aus, dass am Freitag bestimmt noch nicht alle Informationen vorlagen...
mischpot 24.09.2013
4. Würde mal interessieren
wieviel über Mittelsmänner auf dem Hamburger Kiez oder sonstigen Immobilien gelandet ist, schließlich muss man nach der Strafe ja von irgend etwas leben.
Peter500500 24.09.2013
5.
Zitat von BettyB.Einen Tag nach der Wahl. Wer aber denkt, da wollte man nicht darauf verweisen, wer von dem Spitzensteuersatz betroffen wäre, liegt bestimmt falsch. Ich gehe davon aus, dass am Freitag bestimmt noch nicht alle Informationen vorlagen...
Spiegel ist ja nicht gerade dafür bekannt, dass Sie der CDU, FDP nahe wäre? Interessanter Lösungsansatz. Einfach so viele Steuern erheben, dass man kein Geld mehr anlegen braucht ;)
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