Skandal um Emissionshaus Wie Wölbern Invest die Anleger betrogen haben soll

Wölbern Invest

Von manager-magazin.de-Redakteur

3. Teil: Ausbleibende Ausschüttungen und ein Milliarden-Immobiliendeal


Der Verbleib der Millionen aus den Fonds ist indes nicht der einzige Streitpunkt zwischen Wölbern-Invest-Inhaber Schulte und seinen Fondsanlegern. Es geht zudem um die Einsetzung von Fondsbeiräten, die das Unternehmen nach Beobachtung der Anleger blockiert, sowie um Ausschüttungen, die zurückgehalten wurden.

Zuletzt stritt sich Wölbern Invest mit vielen Investoren um den Plan, sämtliche Immobilienfonds des Hauses nach einem großangelegten Portfolioverkauf auf einen Schlag aufzulösen. Offenbar wollte sich Schulte mit dem Coup aus dem Fondsgeschäft zurückziehen. Bis zu 30 Fonds sollten ursprünglich an diesem Megadeal teilnehmen, der nach Einschätzung des Emissionshauses einen Gesamterlös von weit über einer Milliarde Euro hätte bringen können.

Auch daran gab es jedoch viel Kritik. Anleger echauffierten sich vor allem über die ihrer Ansicht nach großzügigen Gebühren, die Wölbern Invest im Rahmen der Transaktion kassieren wollte. Die Folge: Viele Anleger waren mit ihrer organisierten Gegenwehr gegen den Portfolioverkauf erfolgreich. Nach Ende der Abstimmungen stand zuletzt noch ein Immobilienpaket aus 18 Objekten mit einem geschätzten Wert von knapp einer Milliarde Euro zum Verkauf.

Nach den jüngsten Ereignissen dürften sich die vielen tausend Wölbern-Anleger nun erneut einige Fragen stellen. Insgesamt 97 Fonds hat das Unternehmen seit den neunziger Jahren aufgelegt, in die Investoren mehr als zwei Milliarden Euro Eigenkapital eingezahlt haben.

Was Anleger jetzt tun können

Was also tun, nach der Razzia und der Verhaftung des Firmenchefs? Und was wird jetzt aus dem Paketverkauf?

Zumindest bei diesem Punkt gibt Anlegeranwalt Marc Gericke von der Siegburger Kanzlei Göddecke Entwarnung. "Der Paketverkauf dürfte nach meinem Dafürhalten von der aktuellen Entwicklung wenn überhaupt nur marginal betroffen sein", sagt er zu manager magazin online. "Ein solcher erfolgt auf Basis einer eigenen Prüfung der Wirtschaftlichkeit der Immobilie durch den Erwerber. Der Vorwurf der Untreue gegenüber dem Fonds dürfte ihn nicht interessieren."

Auch generell rät Gericke Investoren dazu, zunächst Ruhe zu bewahren. "Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft in diesem Fall lautet - im Gegensatz zum Fall S&K - auf Untreue, nicht auf Betrug am einzelnen Anleger", erläutert Gericke. "Ansprüche hieraus geltend zu machen, ist in erster Linie Aufgabe der betroffenen Fonds und der verbleibenden Geschäftsführung." Nur im Ausnahmefall könne ein Anleger für den Fonds entsprechende Ansprüche geltend machen, so der Jurist.

Einen Rat hat Gericke allerdings an die Wölbern-Kunden: Sie sollten genau darauf achten, dass die Geschäftsführung ihrer Fonds ihre Ansprüche mit Nachdruck verfolgt. "Tut sie das nicht, dann sollten die Anleger den Grund hinterfragen und gegebenenfalls das Management austauschen", sagt der Anwalt.

Damit spricht Gericke einen sensiblen Punkt an. Schon seit Wochen befinden sich Wölbern-Investoren im Clinch mit dem Management einiger Fonds. In einem Fall, beim Fonds "Österreich 04", wurde vor wenigen Monaten bereits beschlossen, die Geschäftsführung auszutauschen. Die Funktion wurde bislang ausgeübt von: einem Arzt und Investor namens Heinrich Maria Schulte.



insgesamt 6 Beiträge
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juergw. 24.09.2013
1. Anlageskandal ?
Zitat von sysopWölbern InvestDeutschland hat einen neuen Anlageskandal: Das Emissionshaus Wölbern Invest soll Investoren um Millionen betrogen haben. Den Zugriff der Ermittler hatten Anleger schon lange herbeigesehnt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/anlageskandal-um-woelbern-invest-a-924204.html
wird wohl nicht der Letzte sein.Erstaunlich wieviele Vermögende nicht wissen ,wohin mit ihrem Geld .Hätten Sie doch sozialverträglich Mietwohnungen für Kleinverdiener gebaut-kann man doch auch abschreiben.Jetzt ist das schöne Geld weg-Die S&K Anlagefuzzis haben wenigstens noch richtig Party gemacht...
Raúl gonzales 24.09.2013
2.
Was ich mich frage ist, was die Wirtschaftsprüfer denn in diesem Fall bitte geprüft haben. 40 Mio. € Unter sonstige Forderungen bei einer Fondsgesellschaft hätte man schonmal hinterfragen können.
BettyB. 24.09.2013
3. Schau da...
Einen Tag nach der Wahl. Wer aber denkt, da wollte man nicht darauf verweisen, wer von dem Spitzensteuersatz betroffen wäre, liegt bestimmt falsch. Ich gehe davon aus, dass am Freitag bestimmt noch nicht alle Informationen vorlagen...
mischpot 24.09.2013
4. Würde mal interessieren
wieviel über Mittelsmänner auf dem Hamburger Kiez oder sonstigen Immobilien gelandet ist, schließlich muss man nach der Strafe ja von irgend etwas leben.
Peter500500 24.09.2013
5.
Zitat von BettyB.Einen Tag nach der Wahl. Wer aber denkt, da wollte man nicht darauf verweisen, wer von dem Spitzensteuersatz betroffen wäre, liegt bestimmt falsch. Ich gehe davon aus, dass am Freitag bestimmt noch nicht alle Informationen vorlagen...
Spiegel ist ja nicht gerade dafür bekannt, dass Sie der CDU, FDP nahe wäre? Interessanter Lösungsansatz. Einfach so viele Steuern erheben, dass man kein Geld mehr anlegen braucht ;)
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