Legendäre »Vogue«-Chefin Machtzuwachs für Anna Wintour

»Vogue«-Chefredakteurin Anna Wintour steigt ins Topmanagement von Condé Nast auf. Die Rahmenbedingungen könnten allerdings günstiger sein: Der Verlag ist schwer von der Coronakrise getroffen und muss drastisch sparen.
US-»Vogue«-Chefredakteurin Anna Wintour

US-»Vogue«-Chefredakteurin Anna Wintour

Foto: LUCAS JACKSON/ REUTERS

Ihre Karriere war immer schon beeindruckend: Als Auszubildende hat Anna Wintour einst beim Londoner Edelkaufhaus »Harrods« begonnen – und dann einen Aufstieg hingelegt, der sogar Hollywood inspirierte: Im Kinofilm »Der Teufel trägt Prada« (2006) verkörperte Meryl Streep die Chefredakteurin eines Modemagazins; Wintour, Chefin der amerikanischen Ausgabe der »Vogue«, war erkennbar das Vorbild für die Figur.

Nun macht Wintour, 71, noch einen weiteren, wichtigen Karriereschritt: Der »Vogue«-Verlag Condé Nast hat bekannt gegeben , dass Wintour in das Topmanagement des Gesamtkonzerns aufrücken wird. Ihre neue Bezeichnung dort lautet »Chief Content Officer« (CCO). Sie wird demnach zuständig sein für die redaktionelle Entwicklung in allen Bereichen des Verlags, zu dem zahlreiche Publikationen gehören, darunter »Vanity Fair« oder »Wired«. Für das ebenfalls von Condé Nast herausgegebene Magazin »The New Yorker« soll Wintour dagegen offenbar nicht zuständig sein. Wintour bleibt darüber hinaus aber als »Global Editorial Director« auch verantwortlich für das Modemagazin.

Entlassungen und Kürzungen bei Gehältern über 100.000 Dollar

Laut Mitteilung des Unternehmens soll Wintour die Transformation des Konzerns vorantreiben. Insbesondere soll die Zusammenarbeit und der Austausch redaktioneller Inhalte »zwischen den Plattformen und Formaten« intensiviert werden.

Condé Nast beschäftigt in den USA etwa 2700 Menschen, weltweit sind es rund 6000. Das Unternehmen ist von massiven Rückgängen bei den Werbeumsätzen im Zuge der Coronakrise betroffen. Im Frühjahr teilte der Verlag mit, in den USA etwa 100 Stellen streichen zu müssen. Wintours Beförderung wurde im Zuge einer Restrukturierungsmaßnahme verkündet.

Diese Maßnahmen reichen allerdings offenbar nicht aus. Ende Oktober hat Vorstandschef Roger J. Lynch weitreichende Gehaltskürzungen bekannt gegeben. Es sei davon auszugehen, dass »Werbekunden, Konsumenten und damit unsere Firma einige Zeit unter erheblichem finanziellen Druck operieren müssen«. Alle Gehälter über 100.000 Dollar werden fünf Monate lang um zehn bis 20 Prozent gekürzt (hier geht's zum Bericht der »New York Times« ). Ebenfalls um 20 Prozent gekürzt werden: die Bezüge des Topmanagements, einschließlich Anna Wintour.

beb