Insolvenz der Drogeriekette Schlecker-Familie soll 68 Millionen Euro nicht versteuert haben

Vor fünf Jahren meldete die Drogeriemarktkette Schlecker Insolvenz an. Ab Montag muss sich die Familie in einem Strafprozess verantworten. Nach SPIEGEL-Informationen macht ihnen zudem das Finanzamt erheblichen Ärger.
Lars und Meike Schlecker

Lars und Meike Schlecker

Foto: DPA; imago

Kurz vor Auftakt des am Montag beginnenden Strafprozesses gegen die frühere Unternehmerfamilie Schlecker muss diese sich nach SPIEGEL-Informationen auch mit schwerwiegenden Vorwürfen der Finanzbehörden auseinandersetzen. Das Finanzamt Ehingen erhebt Steuernachforderungen auf rund 68 Millionen Euro von Meike und Lars Schlecker. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Die Kinder des Schlecker-Gründers Anton Schlecker waren bis 2012 Gesellschafter der Firma LDG mbH, einem Logistikdienstleister, dessen Hauptkunde die Anton Schlecker e.K. war. Als das Unternehmen ihres Vaters in Schieflage geriet, gaben die Kinder ihrem Vater über die LDG mbh augenscheinlich ein Darlehen über 50 Millionen Euro. Darüber hinaus stand Anton Schlecker bereits mit rund 18 Millionen in der Schuld der Kinder, da er "Werkleistungen" der LDG mbH in Anspruch genommen hatte, ohne sie zu vergüten.

Die Finanzbeamten vertreten nun die Ansicht, dass die Gesamtsumme von 68 Millionen Euro für den Vater kein echter Kredit war, sondern ein Griff in die Kasse durch die Gesellschafter der LDG mbH, also durch die Kinder. Das Finanzamt wertet dies als eine verdeckte Gewinnausschüttung, die privat an den Vater weitergereicht wurde. Als Schlecker Insolvenz anmelden musste, schrieben die Kinder das Darlehen ab.

Kapitalerträge nicht angegeben

In dem Schreiben des Finanzamts heißt es, zum Ende des Jahres 2011 seien bei der Firma LDG "Wertberichtigungen auf Forderungen in Höhe von 68.063.938 Euro gegenüber Herrn Anton Schlecker geltend gemacht" worden. Die Wertberichtigungen jedoch "wurden nicht anerkannt und als verdeckte Gewinnausschüttung … bei der Firma LDG mbH hinzugerechnet."

Auf eine solche Gewinnausschüttung wird jedoch Kapitalertragsteuer fällig, die Meike und Lars Schlecker hätten zahlen müssen. Dies "erfolgte bisher nicht", heißt es in dem Schreiben des Finanzamtes. Das beabsichtige daher bei Schlecker-Kindern "verdeckte Gewinnausschüttungen 2011 von jeweils 34.031.969 Euro anzusetzen". Bei einer pauschalen Kapitalertragsteuer von 25 Prozent entspricht dies insgesamt einer Steuernachzahlung von mehr als 17 Millionen Euro.

Das Finanzamt verschickte diesen Brief nicht ohne Grund kurz vor Beginn des Prozesses. Ende 2016 wäre die Verjährungsfrist für diese Nachforderung eingetreten. Müsste die Familie diese Steuer tatsächlich zahlen, würde dies ihr noch immer umfangreiches Vermögen empfindlich schmälern.

Noch immer ein Millionenvermögen

Das Vermögen von Christa Schlecker ist nach Informationen des SPIEGEL nach wie vor sehr hoch. Sie erzielte allein im Jahr 2015 fast eine halbe Million Euro Kapitalerträge, wie aus entsprechenden Jahressteuerbescheinigungen zweier Banken hervorgeht. Selbst wenn man nur eine durchschnittliche Anleiherendite im Jahr 2015 von vier Prozent zugrunde legte, summierte sich das Vermögen allein aus diesen Anlagen bei diesen beiden Geldhäusern auf mehr als zwölf Millionen Euro.

Zudem ist Christa Schlecker zusammen mit ihren Kindern Gesellschafterin der CML Schlecker Immobilienverwaltung GmbH & Co. KG mit Sitz in der ehemaligen Schlecker-Zentrale. Die CML verfügt laut Bilanz 2015 über Immobilien im Wert von mehr als 4,5 Millionen Euro. Die Umsatzerlöse aus Vermietung, Verwaltung und "sonstigen betrieblichen Erträgen" beliefen sich auf fast eine Million Euro.

Lars Schlecker kassierte 2015 Kapitalerträge in Höhe von 271.809,33 Euro. Damit dürfte auch das Vermögen von Schlecker junior bei der Verzinsung von vier Prozent im Jahre 2015 weit mehr als sechs Millionen Euro betragen.

Anton Schlecker, die beiden Kinder Lars und Meike, Ehefrau Christa sowie zwei Wirtschaftsprüfer müssen sich ab Montag vor Gericht verantworten. Die Vorwürfe: vorsätzlicher Bankrott in besonders schwerem Fall, Beihilfe zum Bankrott, Untreue und Insolvenzverschleppung.

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