Aussage von Ex-Finanzchef Geplatzte Lastschrift führte zur Schlecker-Insolvenz

Was war der Auslöser für die Insolvenz der Drogerie-Kette Schlecker? Eine geplatzte Lastschrift, behauptet ein ehemaliger Manager vor Gericht - und attackiert die damaligen Angestellten scharf.

Ex-Manager Sami Sagur und Meike Schlecker (Ende Januar 2012)
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Ex-Manager Sami Sagur und Meike Schlecker (Ende Januar 2012)


Der ehemalige Finanzchef von Schlecker hat vor Gericht ein deutlich positiveres Bild von den letzten Tagen der Drogeriemarktkette gezeichnet als die Staatsanwaltschaft. Nach Aussage von Sami Sagur hätte die Pleite des Unternehmens vermieden werden können. "Am Ende mussten wir Insolvenz anmelden wegen einer geplatzten Lastschrift", gab Sagur vor dem Landgericht Stuttgart an.

In dem Prozess war bereits mehrfach beschrieben worden, dass das Geld bei Schlecker üblicherweise Anfang des Jahres knapp wurde, weil neben dem laufenden Betrieb auch die Weihnachtsware bezahlt werden musste. Angesichts der Millionenverluste, die Schlecker im Jahr 2011 angehäuft hatte, wurde das Anfang 2012 zum Problem.

Nach Einschätzung des Ex-Finanzchefs war die Lage aber nicht aussichtslos. So sei ein Warenhaus in Ehingen verkauft worden, um den Engpass zu überbrücken. Die 30 Millionen Euro trafen aber zu spät auf dem Konto ein. Ein wichtiger Kreditgeber und ein Kreditversicherer waren nicht mehr bereit, weitere Risiken zu tragen. Die Drogeriemarktkette musste Insolvenz anmelden.

"Es ist üblich, dass bei einer Sanierung alle einen Beitrag leisten müssen"

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es weitaus schlechter um Schlecker bestellt war und schon Ende 2009 die Zahlungsunfähigkeit drohte. In dem Prozess wirft die Anklage Firmenchef Anton Schlecker auch vor, dem Zugriff der Gläubiger Vermögenswerte in Höhe von mehr als 25 Millionen Euro entzogen zu haben.

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Vor Gericht gab Sagur offenbar auch den damaligen Mitarbeitern eine Teilschuld an der Insolvenz. "Schlecker hat mit die höchsten Gehälter im Einzelhandel bezahlt", sagte Sagur einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge. Es sei üblich, dass Beschäftige bei Unternehmen in Schieflage ebenfalls einen Beitrag zur Lösung der Krise leisteten, bei Schlecker aber hätten sich die Arbeitnehmervertreter quergelegt.

Das letzte Weihnachtsgeld hatte der Schlecker-Konzern zwei Monate vor der Insolvenz im Januar 2012 überwiesen. Das hatte Sagur laut dem Bericht zu verhindern versucht. Doch die Gewerkschaft habe wieder nicht mitgezogen.

man/dpa



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