Prozess gegen Drogeriekönig Gericht streicht Teil der Anklagepunkte gegen Schlecker

Das Landgericht Stuttgart kürzt die Anklage gegen Anton Schlecker zusammen. Für den Unternehmer ist das nicht zwangsläufig eine gute Nachricht. Seine Verteidigung hält offenbar eine Verurteilung für möglich.

Anton Schlecker am Landgericht Stuttgart
DPA

Anton Schlecker am Landgericht Stuttgart


Der Prozess gegen Ex-Drogeriemarktkönig Anton Schlecker geht dem Ende entgegen - und rein formal hat der Unternehmer seit Montag weniger Gründe, um sich Sorgen zu machen. Im Prozess gegen den Unternehmer hat das Stuttgarter Landgericht das Verfahren in einigen Punkten eingestellt.

Dieser Schritt war erwartet worden. Wie er sich auf das mögliche Strafmaß auswirkt, ist allerdings schwer zu sagen. Schlecker muss sich in dem Strafprozess wegen Bankrotts verantworten. Er soll von 2010 bis Anfang 2012 mehr als 25 Millionen Euro aus der Firma gezogen und an seine Familie verlagert haben - obwohl er dies laut Anklage wegen der erkennbar drohender Zahlungsunfähigkeit nicht hätte tun dürfen.

Fallen gelassen wurden nun die Anklagepunkte, die sich auf den Zeitraum 2010 bis Anfang 2011 beziehen. Auch bei Schleckers mitangeklagten Kindern wurden am Montag einige Anklagepunkte gestrichen.

Fotostrecke

10  Bilder
Prozess gegen Anton Schlecker: Plötzlich im Rampenlicht

Schlecker ging im Januar 2012 insolvent, zehntausende Mitarbeiter verloren ihre Jobs. Anton Schlecker steht seit März unter anderem wegen vorsätzlichen Bankrotts vor Gericht. Die Vorwürfe erstrecken sich auf eine Vielzahl von Klagepunkten, die teilweise nur bestimmte Zeitabschnitte umfassen. Knackpunkt in dem Prozess ist die Frage, wann die Insolvenz absehbar war - ab diesem Zeitpunkt hätte der heute 72-Jährige keinen Cent mehr aus der Firma ziehen dürfen.

In ihrer Klageschrift ging die Staatsanwaltschaft vom 31. Dezember 2009 aus, der Richter hingegen vom 28. Januar 2011. Dadurch reduziert sich der Umfang der Anklage. Wie sich das auf die zugrunde gelegte Schadenssumme auswirkt, blieb unklar.

Es ist sogar möglich, dass das Fallenlassen der Anklagepunkte die Aussichten für Schlecker verschlechtert. Richter können solche Punkte auch dann streichen, wenn sie im Vergleich zu anderen Teilen der Anklage weniger ins Gewicht fallen. Das würde die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Schlecker eine herbe Niederlage vor Gericht droht.

Mit den verbleibenden Anklagepunkten geht das Verfahren weiter - und nähert sich dem Finale. Am nächsten Prozesstag am 13. November könnte - je nachdem, wie viele Anträge es noch gibt - die Beweisaufnahme geschlossen werden und die Staatsanwaltschaft ihr Plädoyer halten, hieß es.

Schleckers Verteidigung hält offenbar eine Verurteilung für möglich. In einem Gespräch mit dem Vorsitzenden Richter wollte sein Anwalt laut einem Bericht der "Schwäbischen Zeitung" wissen, ob für die Kammer eine Bewährungsstrafe in Betracht komme.

beb/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.