Antwerpen vs. Bochum Bund verschärft Ton im Streit um Opel-Standorte

Die Bundesregierung verstärkt den Druck auf die EU-Kommission, der Schließung des Opelwerkes in Antwerpen zuzustimmen. Im Entwurf eines Schreibens an die EU-Kommission betont Berlin nach Informationen des SPIEGEL, der Standort sei "nach übereinstimmender Meinung wirtschaftlich nicht tragfähig".

Opel-Werk in Antwerpen: "Derzeit geringsten technische Kapazitätsauslastung aller Opel-Standorte"
dpa

Opel-Werk in Antwerpen: "Derzeit geringsten technische Kapazitätsauslastung aller Opel-Standorte"


Hamburg - Mitte September hatte Brüssel einen kritischen Fragenkatalog an die Bundesregierung geschickt, der Klarheit über die Folgen des Opel-Verkaufs an Magna schaffen sollte. In diesem Zusammenhang forderte die EU-Kommission eine Stellungnahme zu den Vorwürfen der belgischen Regierung, der Standort Antwerpen sei "aus ökonomischer Sicht effizienter als das Werk Bochum".

Der SPIEGEL zitiert jetzt aus dem Entwurf eines Antwortschreibens an die EU-Kommission, in welchem die Bundesregierung erklärt, dass Antwerpen "nach übereinstimmender Meinung wirtschaftlich nicht tragfähig ist". Die Bundesregierung verweist darauf, dass neben dem Magna-Konzept auch die Pläne von General Motors (GM) und das abgelehnte Angebot des Finanzinvestors RHJI die Schließung von Antwerpen vorgesehen hätten. Der ursprüngliche Restrukturierungsplan von GM habe Antwerpen als das Werk mit der "derzeit geringsten technischen Kapazitätsauslastung aller Opel-Standorte" definiert.

Absatzeinbrüche in Deutschland befürchtet

Mit 2818 Dollar lägen die Herstellungskosten pro Fahrzeug dort fast 70 Dollar höher als in Bochum, heißt es. Daher sei die Aussage, das belgische Werk sei effizienter, "nicht nachzuvollziehen". Zudem habe das Werk in Bochum "für den Markenauftritt von Opel erhebliche Bedeutung". So entfalle fast ein Viertel des westeuropäischen Absatzes auf Deutschland, dies sei das Fünffache der Verkäufe in Belgien.

Die Schließung von "Opels geschichtsträchtigem Werk in Bochum" könnte zu Absatzeinbrüchen in Deutschland führen und hätte "extrem negative Auswirkungen für das gesamte Unternehmen". Das entsprechende Risiko sei in Belgien hingegen "sehr limitiert".

Auch dem Vorwurf, als Gegenleistung für die deutschen Finanzhilfen würden Produktionsanteile vom spanischen Opel-Werk Saragossa an den Standort Eisenach verlegt, tritt die Regierung entgegen. Eine solche Verlegung sei "betriebswirtschaftlich gut nachvollziehbar". In Spanien seien die Lohnkosten in den vergangenen Jahren stark gestiegen, ebenso habe der Standort geografische Nachteile.

Wörtlich heißt es in dem Entwurf: "Spanien wird von Automobilexperten nicht mehr als zukunftsträchtiger Produktionsstandort erachtet." Eisenach liege näher am Kernmarkt Mitteleuropa und den Zukunftsmärkten in Osteuropa.

Gutachten attestiert "New Opel" Chance auf Erfolg

In der vergangenen Woche legte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ihr Gutachten zu dem Deal im Finanz- und im Wirtschaftsministerium vor. Die von Magna in Auftrag gegebene Expertise kommt auf mehreren hundert Seiten zu dem Schluss, dass sich das Konzept "New Opel" erfolgreich behaupten könne.

Allerdings nur dann, wenn alle Annahmen einträfen, zum Beispiel auch die sehr optimistischen Absatzerwartungen auf dem russischen Markt. Das KPMG-Gutachten dient der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) als Grundlage für die Entscheidung, ob Opel Staatshilfen bekommt. PwC arbeitet im Auftrag der Bundesregierung.

ala



insgesamt 179 Beiträge
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Seite 1
kleinrentner 14.09.2009
1. Werden wir erst in zwei drei Jahren wissen
Zitat von sysopDer neue Opel-Miteigentümer Magna will in den europäischen Werken des Autobauers 11.000 Stellen streichen - davon allein 4000 in Deutschland. Ist der Verkauf an den Autozulieferer trotzdem richtig?
wenn feststeht, wieviel Autos in Russland gebaut werden - und wenn feststeht was hier alles geschlossen/verkauft wurde. Für den Steuerzahler wird es kein Happy-End geben. Wenn die Krise anhält ist m.M.n. Magna selbst der nächste PleiteKandidat. Dann kriegen die Russen alles.
rieberger 14.09.2009
2. Das Insolvenzverfahren . . .
Zitat von sysopDer neue Opel-Miteigentümer Magna will in den europäischen Werken des Autobauers 11.000 Stellen streichen - davon allein 4000 in Deutschland. Ist der Verkauf an den Autozulieferer trotzdem richtig?
. . . ist das Mittel der Wahl. Aber die Politik und die Politiker haben aus Holtzmann nichts, aber gar nichts gelernt. So versenken wir Steuermilliarden.
ballballa 14.09.2009
3.
Zitat von sysopDer neue Opel-Miteigentümer Magna will in den europäischen Werken des Autobauers 11.000 Stellen streichen - davon allein 4000 in Deutschland. Ist der Verkauf an den Autozulieferer trotzdem richtig?
Genau so viel, wie am 31 Mai 2009 versprochen wurde! Was soll denn diese Frage?
Gebetsmühle 14.09.2009
4.
Zitat von kleinrentnerwenn feststeht, wieviel Autos in Russland gebaut werden - und wenn feststeht was hier alles geschlossen/verkauft wurde. Für den Steuerzahler wird es kein Happy-End geben. Wenn die Krise anhält ist m.M.n. Magna selbst der nächste PleiteKandidat. Dann kriegen die Russen alles.
wenn sie den bankrotten laden nehmen wollen, warum nicht? sollen sie glücklich damit werden. pleite ist er so oder so.
Albedo4k8, 14.09.2009
5. Noch besteht Hoffnung
das die EU diesem Bloedsinn ein Riegel vorschiebt.
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